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Hummel und Richard Küohl

Der Wasserträger ist eine Hamburger Symbolfigur, die man weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus kennt. Die zugrunde liegende reale Person Hans Hummel, ein Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts, lebte in der Hamburger Neustadt. Dort steht heute sein Denkmal.

Wer war dieser Hans Hummel?
Vor 1848 gab es in Hamburg Wasserträger. Danach nahm die "Stadtwasserkunst/Hamburger Wasserwerke" ihren Betrieb auf. Die Anlage mit ihrem Rohrnetz war die erste zentrale Wasserversorgung auf dem europäischen Kontinent.

Hans Hummel

Diese Wasserträger verdienten sich ihr Geld damit, eimerweise Trinkwasser zu verkaufen und anderen Bewohnern das Schleppen der Eimer vom Brunnen in die Häuser zu ersparen. Ein Hans Hummel existierte wirklich: Er hieß wohl mit bürgerlichem Namen Johann Wilhelm Bentz und lebte von 1787 bis 1854 in Hamburg. Sein Wasser holte er immer vom Brunnen am Gänsemarkt.
Bentz wohnte beim kurz zuvor verstorbenen Stadtsoldaten Daniel Christian Hummel, in dessen Wohnung dieser einzog. Den "echten" Hummel kannten die Straßenjungen gut wegen seiner Kriegserzählungen, er wurde mit "Hummel, Hummel" begrüßt.
Ursprung für den bekannten Hamburger Gruß waren deshalb die frechen Straßenjungen in der Neustadt. Sie ärgerten den Wasserträger, indem sie ihm bei seiner schweren Arbeit seinen Spitznamen, "Hummel, Hummel", hinterherriefen und sogar ihren blanken Hintern zeigten.
Bentz ärgerte sich natürlich über diesen Spott. Aber eimertragenderweise konnte er sich nur mit Worten wehren. Er wird wohl ausgedrückt haben wollen: "Ihr könnt mich mal am Arsch lecken." Das verkürzte er kernig zu "Mors, Mors!", denn "Mors" ist eine plattdeutsche Variante für "Hinterteil".
Am Hummelbrunnen nun zeigt eine kleine Kinderfigur ihr blankes Hinterteil. Sie streckt es einer Wasserträgerfigur entgegen. Die Szene spielt auf einen Hamburger Gruß an: Auf "Hummel, Hummel!" folgt "Mors, Mors!".

 

Hummelbrunnen

In 1938 gestaltete der Bildhauer Richard Emil Kuöhl dieses Denkmal. 
Richard Emil Kuöhl (* 31. Mai 1880 in Meißen; † 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe) war ein deutscher Bildhauer, der auch als „Architekturplastiker“ bezeichnet wurde. 1912 folgte er seinem Dresdner Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Schumacher hatte hier eine Wiederbelebung des Backsteinbaus durchgesetzt. Auch der Schmuck an den umliegenden Häusern stammt von ihm. Der Architekturplastiker Kuöhl war seinerzeit wohl der meist beschäftigte Bildhauer der Stadt Hamburg. Seine Arbeiten, wetterfeste Baukeramik, die so genannte Klinkerkeramik, schmücken viele Hamburger Staatsbauten und sind auch heute noch in anderen Städten Norddeutschlands zu finden wie beispielsweise in Lübeck. Sein Gänselieselbrunnen ist ein Wahrzeichen von Bad Oldesloe. 

In Lübeck steht das Regimentsdenkmal „Helm ab zum Gebet“ des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162, auf dem Lübecker Ehrenfriedhof an der Travemünder Allee (1924), und die
Klinkerkeramik am ehemaligen Kontorhaus Handelshof am Bahnhofsvorplatz.
Eine Sammlung kleinerer Werke Kuöhls befindet sich in Besitz des Stormarnschen Dorfmuseums. Der Künstler betrieb in Hoisdorf eine Werkstatt.

In Nähe des Brunnens befindet sich das Komponistenquartier, die Peterstraße, der Park "Planten un Blomen" und die Hauptkirche St. Michaelis. Mittels eines Spazierganges kann zudem der Jungfernstieg und das Rathaus erreicht werden. 

Neben dieser Hummelfigur am Rademachergang entdeckt man den Wasserträger an verschiedenen Stellen Hamburgs immer wieder. Denn 2003 wurden in der Hamburger Innenstadt rund einhundert Figuren des Wasserträgers aufgestellt. Sie sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff und wurden von Künstlern bemalt. Die Aktion fand immensen Zuspruch bei Touristen und der Hamburger Bevölkerung.
Im Juni 2006 wurden die Figuren dann für 343.000 Euro zugunsten von "Ein Dach für Obdachlose" versteigert. Manche sind weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich ansonsten mittlerweile in Privatbesitz.

Adresse: Rademachergang/Breiter Gang 20355 Hamburg

 

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