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Der Hamburger Michel

Die evangelische Hauptkirche Sankt Michaelis, genannt „Michel“, ist die bekannteste Kirche Hamburgs, ein Wahrzeichen der Stadt und ist dem Erzengel Michael geweiht, der als große Bronzestatue über dem Hauptportal steht. 

Sie ist für Seeleute auf einlaufenden Schiffen gut sichtbar. Sie gilt als bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands 

Michel

Der heutige Bau ist der dritte Kirchenbau an dieser Stelle.
Der erste Bau wurde von 1647 bis 1669 von Peter Marquard und Christoph Corbinus (während der Bauzeit verstorben) in der Neustadt errichtet.
Im Jahr 1751 wurde der Grundstein für den zweiten Michel gelegt. Dieser wurde am 19. Oktober 1762 mit dem Oratorium "Komm wieder Herr, zu der Menge der Tausenden in Israel" (TWV 02:12) von Georg Philipp Telemann geweiht. Erst im Jahr 1786 wurde dieser Neubau nach einem Entwurf von Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonnin durch den Bau des Turmes abgeschlossen.
Am 3. Juli 1906 fing der Turm bei Lötarbeiten am Dachstuhl Feuer und brannte vollständig nieder. Auch das Kirchenschiff brannte bis auf die Grundmauern ab.
Trotzdem erfolgte mit Rücksicht auf den Wahrzeichencharakter des „Michel“ und den Wunsch der Bevölkerung eine Wiederherstellung in der alten äußeren Form, allerdings mit Stahl und Beton anstelle der früheren Holzkonstruktion. Die Bauarbeiten dauerten sechs Jahre. Am 19. Oktober 1912 wurde der Michel wiedereröffnet. Taufstein und Gotteskasten für Spenden stammen aus dem Jahr 1763.
Die Krypta wurde mit dem zweiten Bau der Kirche angelegt. Der Verkauf von Grabstellen sollte den Wiederaufbau mitfinanzieren. 2.425 Namen von dort Bestatteten sind bekannt, darunter Johann Mattheson († 17. April 1764), Carl Philipp Emanuel Bach († 14. Dezember 1788), Hinrich Borkenstein († 1777) und der Architekt des Michels Sonnin († 8. Juli 1794).

Michel im Travestreifzug

Der 132 Meter hohe, charakteristische Kirchturm prägt die Silhouette der Stadt und galt schon früh als Orientierungsmarke für die auf der Elbe nach Hamburg segelnden Schiffe. In 83 Metern Höhe ist die Turmplattform, die einen weiten Ausblick über die Stadt bietet, man kann sie zu Fuß über 453 Stufen oder mit einem Fahrstuhl erreichen. Der Turm der Petrikirche ist ebenfalls 132 Meter hoch, damit können beide als zweithöchste Kirchtürme in Hamburg gelten; der höchste ist das Mahnmal St. Nikolai mit 147,3 Metern.
Die Uhr im Kirchturm ist die größte ihrer Art in Deutschland. Sie wurde von der Straßburger Firma Ungerer hergestellt, deren Inhaber der Großvater des bekannten Grafikers Tomi Ungerer war. Jedes der vier Zifferblätter misst acht Meter im Durchmesser, ein großer Zeiger hat eine Länge von 4,91 Metern und ein kleiner von 3,60 m. Jeder dieser Zeiger wiegt 130 Kilogramm und ist – genauso wie die umgebenden Ziffern – mit Blattgold belegt. Für die Turmuhr gibt es zwei Schlagglocken.
Nach einem 300 Jahre alten Brauch bläst der Türmer vom Michel werktags am Morgen um 10 Uhr, am Abend um 21 Uhr einen Choral auf seiner Trompete in alle vier Himmelsrichtungen. Sonn- und feiertags findet dies um 12 Uhr mittags statt. Dies war bis 1861 Signal zur Öffnung bzw. Schließung der Stadttore.  An vielen Abenden ist der Turm des Michels unter dem Slogan Nachtmichel bis etwa 23 Uhr geöffnet, man kann dann auf die beleuchtete Stadt und den Hafen schauen.

 

Mariendom Hamburg