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Haithabu und das Danewerk

Ein arabischer Chronist, nämlich Ibrahim ibn Ahmed At-Tartûschi schreibt um 965 in seinem Reisebericht:  "Haithabu ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres". Wahrscheinlich von friesischen Kaufleuten im 8. Jahrhundert am inneren Ende des knapp 40 Kilometer langen Ostsee-Seitenarms Schlei in der Schleswigschen Enge (Isthmus) gegründet, übernahm der dänische König persönlich die Kontrolle über den Platz, der sich bald zu einem der bedeutendsten Seehandelsplätze und einer der ersten Städte Nordeuropas entwickeln sollte. 

Durch die Zerstörung des konkurrierenden slawischen Handelsortes Reric in der Nähe von Wismar durch den dänischen König Gudfred im Jahr 808 und die anschließende Zwangsumsiedlung der Kaufleute nach Haithabu entwickelte sich die Stadt rasch zur Handelsstadt, noch bevor Dänemark Einheit erlangte. In Haithabu kreuzten sich die wichtigsten Fernhandelswege und führten Menschen und Waren aus aller Welt zusammen. Zum Schutze der Stadt wurde ein befestigter Halbkreiswall errichtet. An diesen schließt im Westen das Verteidigungssystem des Danewerks an.

Fast dreihundert Jahre lang hatte Haithabu die Schlüsselposition im Warenumschlag zwischen Nord- und Ostsee inne, schließlich waren von diesem Ort nur 18 Kilometer Landweg zu bewältigen, um über Treene und Eider die Nordsee zu erreichen.
Obwohl ein neun Meter hoher Wall mit Palisade die Handelsstadt umgab, wurde sie im Jahr 1050 in einer Schlacht zwischen Harald Hardrada von Norwegen und Sweyn II. zerstört; sie wurde danach nur teilweise wiederaufgebaut und 1066 von den Westslawen geplündert und gebrandschatzt, die damals in den Gebieten östlich der Kieler Förde lebten. Die Einwohner verlegten die Siedlung daraufhin nach Schleswig – auf das andere Ufer der Schlei – und bauten Haithabu nicht wieder auf. Gemeinsam mit der Schlacht von Hastings im selben Jahr markiert die Zerstörung und Aufgabe von Haithabu das Ende der Wikingerzeit. Mit dem Ende der Wikingerzeit, um die Mitte des 11. Jahrhunderts, gingen seine Funktionen an das am Nordufer der Schlei gelegene Schleswig über.
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert haben Archäologen in dem weitläufigen Areal der einstigen Hafensiedlung und in den  Gräberfeldern viele bedeutende Funde zu Tage gefördert, die von der einstigen Blüte dieses südlichsten Siedlungsplatzes der Wikinger zeugen.

Heute befindet sich in der Nähe des Halbkreiswalles das Wikinger-Museum Haithabu. Auf dem Gelände Haithabus wurden von 2005 bis 2008 sieben aus Befunden rekonstruierte Wikingerhäuser errichtet. Am 7. Juni 2008 wurden alle sieben Häuser in einem Festakt der Öffentlichkeit präsentiert. Im gleichen Jahr wurde auf der Museumswerft in Flensburg ein rund 6,50 m langes Wikinger-Boot gebaut. Seit Mitte Mai 2009 liegt es in Haithabu an der Landebrücke. Zusammen mit dem Danewerk und weiteren wikingerzeitlichen Stätten in Nordeuropa ist Haithabu im Rahmen des transnationalen Projektes „Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“ für das Weltkulturerbe der UNESCO nominiert.

ÖFFNUNGSZEITEN
Wikinger Museum Haithabu
Wikinger Häuser Haithabu
Täglich 9 - 17 Uhr
November-März:
Di. bis So. 10 - 16 Uhr
(Häuser geschlossen)

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