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Gut Borstel und das Rokoko

Das Gut Borstel liegt in Borstel, etwa 30 Kilometer nördlich von Hamburg und ca. 13 Kilometer südlich von Bad Segeberg im Kreis Segeberg im Bundesland Schleswig-Holstein. Es wurde über Jahrhunderte bis zur Zersiedelung in den Jahren 1933/38 bewirtschaftet.

Das Herrenhaus des früheren Adligen Guts Borstel ist einer der wenigen Rokokobauten des Bundeslandes. Es ist heute im Eigentum des Forschungszentrums Borstel. Das Forschungszentrum Borstel wurde 1947 als Tuberkulose Institut mit der Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein und des Kreises Segeberg gegründet.
Der ehemals als Barockgarten angelegte und später zum Landschaftsgarten umgewandelte Garten ist in seiner Grundstruktur erhalten, gehörte einst zu den bedeutendsten Anlagen dieser Art in Schleswig-Holstein und ist als Natur- und Kulturdenkmal für Besucher geöffnet. 

Herrenhaus Borstel


Es ist nicht bekannt, seit wann das Gut Borstel in der Ausdehnung mit den Dörfern Sülfeld, Seth und Oering nebst Grabau und Kayhude (später Borsteler Gebiet) einerseits und mit dem Gut Jersbek und den Dörfern Bargfeld, Elmenhorst und Nienwohld, dem Gut Stegen, den Meierhöfen Wulksfelde mit Rade und Mönkenbrook (später Jersbeker Gebiet) andererseits bestand. 
Das im 16. Jahrhundert etwa 12.000 ha große Gut Borstel war bis dahin im Erbgang von den adligen Familien von Borstel(de) und Hummersbutle (Hummersbüttel) auf die Familie von Bockwolde (später „von Bougwald“ oder “von Buchwaldt“) übergegangen. 
Das Gut Borstel wurde im Jahr 1631 an Otto von Buchwaldt a. d. H. Jersbek für 70.000 Reichstaler, im Jahr 1798 an Matthias (Matthijs) Ooster jun. für 314.000 Reichstaler, im Jahr 1801 an Joachim Christoph Janisch und im Jahr 1803 an Demetrius Graf de Wuits für ursprünglich 510.000 Reichstaler verkauft. Das Gut Borstel wurde am 19. März 1806 von Cay Lorenz Freiherr von Brockdorff aus dem Konkurs des Grafen de Wuits für 200.000 Reichstaler ersteigert, zum 1. Februar 1839 an Joseph Graf von Baudissin sen. für 350.000 Reichstaler und im Jahr 1930 an Friedrich Bölck für 1,5 Mio. Mark verkauft. Bölck hat bereits im Jahr 1932 das Gut Borstel – unter Zurückbehaltung des Herrenhauses Borstel, des Kinderheims, des Teichs, der Gärtnerei und einiger Hölzungen (Viert, Gartenholz und Wildkoppel) mit Försterei – an die Siedlungsgesellschaft Bauernland AG, Berlin, verkauft, die die Ländereien in den Jahren 1932 bis 1938 an Siedler weiterverkauft hat, sodass Borstel in seiner Eigenschaft als Gut aufgehört hat. Bölck hat im Jahr 1938 seine restlichen Bestände aus dem ehemaligen Gut Borstel verkauft.

Das heutige Borsteler Herrenhaus ist der Nachfolger eines im Jahr 1737 an anderer Stelle durch einen Brand zerstörten Gutshauses. Der Bau wurde durch Friedrich von Buchwaldt 1743 veranlasst. Der Bauherr war in der sogenannten Großfürstlichen Zeit, als die herzoglichen Anteile Holsteins aus Russland regiert wurden, einer der führenden Politiker des Landes. Das Herrenhaus wurde 1751 vollendet; diese Jahreszahl findet sich auch im Portal wieder.
Das Herrenhaus erhielt schlossartige Ausmaße und gehört zu den größten Bauten seiner Art und Zeit im Land. Als Baumeister wird u. a. Johann Christian Böhme vermutet. Die breite Front des fünfzehnachsigen Hauses ist noch dem Stil des Barock zuzuordnen. Die feinen Dekorationen der Hof- und Gartenseite, sowie die ursprüngliche Ausstattung der Innenräume gehören jedoch bereits dem Rokoko an, ein Stil, der im weniger höfischen und mehr ländlich geprägten Schleswig-Holstein verhältnismäßig selten anzutreffen ist.
1930 wurde das Herrenhaus des Guts durch Friedrich Bölck in ein Kindererholungsheim umgewandelt. Von da an hatte es eine wechselvolle Geschichte, unter anderem ab 1938 als Bezirksschule III des RAD (Reichsarbeitsdienst) für die weibliche Jugend sowie nach dem Bombenangriff auf Hamburg im Sommer 1944 und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Auffanglager für Flüchtlinge und als Unterkunft für 500 Polen, „die im Krieg bei Bauern der Umgebung gearbeitet haben.“

Der Garten
An die ehemalige barocke Gartengestaltung erinnern immer noch die alten Linden, die den Ehrenhof rahmen und einige Alleereste. Es lassen sich auch Baumveteranen entdecken, die zur landschaftlichen Umgestaltung des Gartens Anfang des 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Der Garten ist für Besucher geöffnet.


 

Kammermusik im Gartensaal
Man betritt die geräumige Diele über eine geschwungene Freitreppe. Zu den Konzerten wird dort Restauration angeboten. Das linke seitliche Kabinett ist reich an Rokoko-Ausstattung. Von der Diele aus gelangt man weiter in den zentral gelegenen, zum Park hin geöffneten achteckigen Gartensaal. Er ist neben dem Ovalen Saal das Prunkstück des Hauses und  der Konzertraum für alle Konzerte, ausgerichtet vom Verein zur Erhaltung und Pflege des Herrenhauses Borstel.
Im Saal wird ein schöner Steinway-Flügel vorgehalten, die Konzerte werden entsprechend niveauvoll angeboten.
Die Stuckdekoration der Decken und auch die beiden offenen Kamine sind noch im originalen Zustand. Die Wände wurden im 19ten Jahrhundert klassizistisch umgestaltet. Bemerkenswert sind die Thorvaldsen-Reliefkopien der drei Grazien  über dem Rokoko-Kamin und die Stuckarbeiten in den Supraporten und Wandflächen, von denen der „Tanz der Musen auf dem Helikon” eine weitere beziehungsvolle Verbindung zu den Konzerten herstellt.
Informationen zum Programm hier...

 

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