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Die Elbwarte und die grössenwahnsinnigen Pläne der Nationalsozialisten

Ursprünglich war dieses imposante Gebäude nicht etwa ein Kornspeicher, wie manch Hamburger vermutet, nein es war ein Kühlhaus.
Der Grundstein wurde 1926 gelegt, nachdem die damals noch eigenständige Stadt Altona einen Vertrag mit der Kühlfirma "Weddel & Co." schloss. Für die Union Kühlhaus GmbH sollte ein Kühlhaus entstehen, die Firma war der in Deutschland ansässige Vertreter des englischen Unternehmens "Cold Storage Company Ltd".Diese Firma sicherte vertraglich zubndas geplante Gebäude innerhalb der nächsten 100 Jahre ausschließlich als Kühlhaus zu nutzen.

Elbwarte Hamburg
Elbwarte Hamburg

Auf dieser vertraglichen Basis entwarfen der Hamburger Architekt H.W. Müller und das Büro Erich Elingius/Gottfried Schramm einen auf Pfählen ruhenden Klinkerbau mit 12 unterschiedlich hohen Etagen, die eine Nutzfläche von insgesamt 7.000 m² und Platz für rund 7.000 t Güter boten. 

Blick von der Elbwarte
Blick von der Elbwarte

Im Bauwerk wollte man die Kühlung und (Zwischen-)Lagerung des vor Hamburg gefangenen Fisches vornehmen.
Die mit horizontal umlaufenden Betonbändern versehenen Außenwände und die expressionistisch gestaltete Krone des exakt 38,36 m hohen Gebäudes führten dazu, dass das Union-Kühlhaus bereits kurze Zeit nach seiner Fertigstellung als Industriedenkmal deklariert wurde. 
Das damit verbundene Ansehen nutzte Hitler zur Hochstilisierung deutscher Schöpferkraft und Baukunst, in deren Folge zahlreiche Pressevertreter das Haus zum Wahrzeichen Hamburgs erklärten. 

Es sollte Teil einer größenwahnsinnigen Idee werden. Das ganze Elbufer sollte repräsentativ und einschüchternd umgestaltet werden und Hamburg eine Elbquerung größer als die Golden-Gate-Bridge bei San Francisco bekommen. 
Fritz Todt, ab 1940 bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe des Führerhauptquartiers Wolfsschanze 1942 Reichsminister für Bewaffnung und Munition nahm dazu die Planungen auf. Mit seiner militärisch organisierten Bautruppe der Organisation Todt war er ja schon dabei die Reichsautobahnen zu planen und zu bauen. Es stellte sich aber heraus, dass wegen des Untergrundes am Eingang der Elbe die freitragende Fläche zwischen den Pfeilern nicht länger als die Golden Gate Bridge werden konnte. Man hätte die Pylonen verankern müssen und das wäre in dem Sandaufschwemmgebiet nicht erfolgreich gelungen. Mit den rechnerischen 700 Metern Länge und einer Pfeilerhöhe von 150 Metern wäre diese Brücke nicht imposant genug geworden. Die NSDAP sollte ein großes Hochhaus bekommen, 250 Meter hoch, der Hafen zusätzliche Anleger für Kraft-durch-Freude-Kreuzfahrtschiffe. All diese monumentalen Vorhaben erforderten ohnehin viele Steine und hier kommt Albert Speer ins Spiel, der die Aufgaben von Fritz Todt übertragen bekam. Speer war der Lieblingsarchitekt des Führers und Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt (GBI) Seine Behörde war an Planung, Genehmigung und Bau der rund 1.000 heute bekannten Zwangsarbeiterlager in und um Berlin maßgeblich beteiligt. Ihre tatsächliche Zahl wird mittlerweile auf über 3.000 geschätzt. Die Behörde betrieb etliche davon in eigener Regie. Ein Plan des GBI sah 1940 vor über 180.000 Menschen, also Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zu beschäftigen.

Elbwarte

Mit Heinrich Himmler vereinbarte Speer die Herstellung und Lieferung von Baumaterial durch KZ-Häftlinge. Das Kapital für die von der SS gegründete Firma "Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST)" wurde aus dem Haushalt Speers finanziert. Das Geld floss direkt in den Aufbau des KZ-Systems. Der zinslose Kredit für die SS-Totenkopfverbände war rückzahlbar an Speers Behörde in Form von Steinen. Bei einigen dieser Konzentrationslager legte Speer persönlich den Standort fest. 
Für Hamburg sollte es dann der Standort einer bis dahin stillgelegten Ziegelei mit zugehörigen Flächen in Neuengamme werden. Die DEST vereinbarte mit der Stadt Hamburg die Finanzierung des KZ Neuengamme mit einer Lieferung von jährlichen 20 Millionen Ziegeln.  

Nachdem das Gebäude gegen Ende des Zweiten Weltkrieges vorübergehend als Truppenunterkunft für englische Soldaten gedient hatte, wurde es bis zum Beginn der 1970er Jahre weiterhin als Kühlhaus genutzt. Danach stand es lange Zeit leer; sollte aufgrund seiner Denkmalwirkung aber erhalten bleiben. Es wurde 1991 abgerissen und nach Auflagen des Denkmalschutzes neu erbaut.
Nach Vorlage verschiedener Umnutzungspläne entschied die Stadt, das Gebäude der Augustinum-Gruppe zu überlassen.
Auf dem Dach befindet sich das Cafe/Restaurant Elbwarte in dem die Bewohner des Augustinums speisen können, das aber zu bestimmten Zeiten auch frei zugänglich ist. 
Man genießt einen unbeschreiblichen Ausblick von hier oben. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist es, eine Vorbeifahrt eines Kreuzfahrtriesen erleben zu dürfen. Dann kann man mühelos dem Treiben auf der Kommandobrücke zusehen. 
In der Nähe: Oevelgönner Museumshafen
Neumühlen 37, 22763 Hamburg

Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit:
(Können sich eventuell ändern)
Mi 15:00 - 18:00
Sa - So 15:00 - 18:00
Aktuell immer hier….

 

 

 

 

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