Spezialschiffe aus Lübeck - Die Flender-Werft

Auf der Flender-Werft in Lübeck gebaute Spezialschiffe standen weltweit in gutem Ruf. Das große Ansehen, die Entwicklung neuer Techniken und ständige Verbesserungen ließen die Werft auch in unruhigen Zeiten Kurs halten. 1983 wurden die von Flender gebauten Kühlschiffe "Blumenthal" und "Bremerhaven" mit dem Titel "Schiff des Jahres" ausgezeichnet. 1989 erhielt das weiterentwickelte Kühlschiff "Cap Trafalgar" die gleiche Auszeichnung. Die von Flender 1993 abgelieferten RoRo-Schiffe "Fides" und "Spes" wurden von der englischen RINA als "Significant Ships 1993" anerkannt.  
Auch Innovation kann Tradition haben. In einem Bericht zum 50jährigen Jubiläum der "Lübecker Flender-Werke" hieß es 1967: "Kühlschiffe, diesel-elektrische Tonnenleger und Fischfang-Fabrikschiffe modernster Konstruktion ergänzen das Programm.
Neben dem Bau moderner Fahrgast- und Frachtschiffe, Tanker und Massengutschiffe hat sich die Werft stets besonders dem Spezialschiffbau gewidmet. Es ist daher kein Zufall, dass die zur Zeit größten und schnellsten Fahrgast- und Autofähren sowie Autotransportschiffe und auch das hinsichtlich seiner Verlegungskapazität größte Kabelschiff der Welt von den Lübecker Flender-Werken gebaut ist." 

Die Arbeit auf der Flender Werft begann am 10. Januar 1917. Das Unternehmen war eine Zweigniederlassung der Firma "Brückenbau Flender AG" aus Düsseldorf-Benrath. Vom Brückenbau zeugte auch jahrzehntelang die Herrenbrücke über die Trave. Die Herrenbrücke, seinerzeit die größte Klappbrücke Europas, wich jedoch in 2005 dem Herrentunnel und wurde dann abgebrochen. Die Brückenbau Flender AG war aber auch an verschiedenen anderen Projekten in Norddeutschland beteiligt, z.B. wurden die Bahnsteighallen des Hamburger Hauptbahnhofes gefertigt.
Die Werft wurde 1936 zur selbständigen Aktiengesellschaft, spezialisiert auf Schiffs- Dock- und Stahlbauten. 1985 gehörte Flender noch zu den fünf größten Arbeitgebern in Lübeck neben den Drägerwerken, Orenstein & Koppel und Villeroy und Boch. Seit 1990 war die Werft dann Unternehmen im Bremer Vulkan-Verbund,  nach einigen erfolgreichen Jahren, in denen die Zahl der Beschäftigten wieder auf 800 angestiegen war, brachte der Bau von zwei Schnellfähren für die griechische Reederei Superfast Ferries große Verluste, die dann im Jahr 2002 zur Insolvenz der Flender-Werke führten. Das letzte Schiff war die Norröna (Bau 694), die für die auf den Färöer-Inseln ansässige Smyril Line gebaut wurde. 
Auf der großen Helling der Werft mit einer Länge von 260 Metern und einer Breite von 46 Metern konnten Schiffe und Schwimmdocks bis zu 150.000 t Tragfähigkeit gebaut werden. Über 100 Schwimmdocks wurden auf der Werft gebaut, auch das einzige Unterwasserhochdruckdock. Ende der 1980er Jahre gingen zwei Schwimmdocks nach Italien und Kamerun. Trotz aller beachtlichen Leistungen der Gegenwart - bis seinerzeit 1997 war die Werft ausgelastet - kommt bei der Lektüre der Leistungsbilanz im 50. Jubiläumsjahr wehmütige  Erinnerung an eine glanzvolle Vergangenheit auf. 
Allein in jenem Jahr 1967 wurden in Dienst gestellt: "Fehmarn", Hochseefischerei Kiel GmbH, der größte Heck- und Versorgungstrawler der Kieler Fischereiflotte, "Tor Anglia", Tor-Line, Göteborg, 7645 BRT, mit 23.000 PS das leistungsstärkste Auto- und Fahrgastschiff Europas, "Regina Maris", Lübeck Linie AG, 5813 BRT, das erste Fahrgastschiff, das für eine deutsche Reederei nach dem Krieg erbaut wurde, "Black Watch" und "Black Prince", je 9.500 BRT, zwei luxuriöse und in ihrer Konzeption wohl die zukunftsreichsten kombinierten Fahrgast-, Frachtcontainer- und Kühlschiffe der Reederei Fred Olsen, Oslo, "Weser", Reederei Friedrich A. Detjen, Hamburg, 24.000 tdw (tdw ist die Abkürzung für „tons deadweight“), mit einer Autokapazität von 1830 VWs, ist einer der schnellsten Bulkcarrier bzw. Autoträger. In der Ausrüstung befinden sich: "Tor Hollandia", ein Schwesterschiff der "Tor Anglia", "Nils Holgersson", TT-Linie, 4400 BRT, ein Schwesterschiff der vor zwei Jahren an die gleiche Reederei gelieferten Autofähre "Peter Pan", "Ursula Schulte", Reederei Schulte & Bruns, Emden, mit 80.000 t Tragfähigkeit das größte bisher in Europa gebaute Massengutschiff".
Da nahm die Arbeit auf den vier Längshelgen von je 250 Meter Länge und der 400 Meter langen Querhelge kein Ende. Und etliche der Schiffsnamen sind bereits Lübecker Schifffahrtsgeschichte der jüngeren Vergangenheit.

(Foto: Adolf Schaletzky / Public domain)
Ein weiterer Dampfer der „Lübeck“-Linie – das dritte neue Schiff – wurde am 9. Juli 1945 auf der Kochschen Schiffwerft vom Stapel gelassen. Die ersten beiden Schiffe entstammten der Union-Werft in Boizenburg. Weitere Neubauten wurden von der Flender-Werft und den Travewerk geliefert. Das Schiff sollte eine Tragfähigkeit von 2500 t haben, Länge 79.5 m, Breite über den Spanten 12,35 m, Seitenhöhe zum Hauptdeck 5,494 m, Tiefgang 16‘3‘‘. Eine Dreifach-Expansionsmaschine von 900 PS gab dem Schiff eine Geschwindigkeit von 9 ½ Seemeilen in beladenem Zustand. Handelskammerpräses Ernst Boie hielt die Taufrede, Frau Senator Dr. Kalkbrenner benannte das Schiff unter den üblichen Formalitäten mit dem Namen „Lübeck“. Das Bild gibt den Taufakt wieder.

Nach einigen erfolgreichen Jahren, in denen die Zahl der Beschäftigten wieder auf 800 angestiegen war, brachte der Bau von zwei Schnellfähren für die griechische Reederei Superfast Ferries große Verluste, die dann im Jahr 2002 zur Insolvenz der Flender-Werke führten. Das letzte Schiff war die Norröna (Bau 694), die für die auf den Färöer-Inseln ansässige Smyril Line gebaut wurde. 


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