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Nylen und die Dampfschiffe

 

 

Am 22. November 1862 verlieh Lübeck dem Schweden Per Gustav Nylèn  (1793–1870) die Ehrenbürgerschaft. 
Er verhalf der neuen Technik der Dampfschifffahrt an der Trave zum Durchbruch. 
Der schwedische Kapitän richtete 1837 die Stockholm-Lübeck-Fahrt als feste Route ein. Er entschied sich gegen den konkurrierenden Kieler Hafen, der zu jener Zeit schon über den Bahnanschluss verfügte, um den Lübeck noch heftig kämpfte.
Zum 25jährigen Bestehen der Stockholm-Lübeck-Fahrt verlieh die Stadt Lübeck auf Anregung der Handelskammer Nylen die Ehrenbürgerschaft. Als Kiel bereits über eine Bahnverbindung nach Hamburg verfügte, Lübecks Bemühungen um einen Bahnanschluss jedoch am Widerstand Dänemarks scheiterte, wurde der Kieler Hafen für Schweden attraktiv. Dennoch entschied sich Nylen für Lübeck und dessen vorteilhaftere Zollbestimmungen. Nylen vergab den Bau seines zweiten Dampfschiffes nach Lübeck. Dessen Stapellauf 1840 wurde in Lübeck „wie der Anbruch eines neuen Zeitalters“ gefeiert.
So recht verständlich wird die Dankbarkeit der Lübecker jedoch erst, wenn die Vorgeschichte bekannt ist. Seit 1817 bemühten sich die Lübecker, eines der neuen dampfgetriebenen Schiffe im festen Liniendienst in den Hafen zu bekommen. Die angepeilte Verbindung nach Petersburg aber scheiterte, weil die Petersburger die Zusage fester Privilegien von einer entsprechenden Zusage der Lübecker abhängig machten, der Lübecker Senat jedoch seinerseits ohne entsprechende Zusage aus Petersburg nicht handeln wollte.
Hilfe kam mit dem dänischen Kapitän Matthias Bürring Lovs, der von seinem König das Privileg der festen Verbindung nach Lübeck mit einem Raddampfer erhalten hatte. Allerdings machte ihm die dänische Post einen dicken Strich durch die Rechnung und intervenierte, bis der Privatmann sich bereit erklärte, lediglich Passagiere zu befördern, aber keine Fracht. Und in Lübeck kam heftigster Protest vor allem aus Travemünde. Der Senat erhielt am 1. Juni 1824 eine Eingabe, in der beredt beklagt wurde: "Der Schade, der aus solcher Einrichtung sowohl für die hiesigen Reihefahrer als auch für die Travemünder Fuhrleute hervorgehen würde, ist so groß, daß die Supplikannten unmöglich zusehen können." Die Fuhrleute fürchteten um ihre Fracht, die Hoteliers um ihre Gäste, die Fischer um die Brut der Fische. Dennoch erhielt Lovs einen Monat später die Erlaubnis zur Einfahrt in die Trave. Dabei setzte er wegen Niedrigwassers die "Kingston" auf Grund und kollidierte mit einem Segler. Die Folge war ein Verbot für die Trave, das erst nach einer Weile gelockert wurde. Den zweiten Anlauf nahm das Schiff dann umgetauft als "Prinzeß Wilhelmine". Mit diesem Namen hatte es Erfolg

 

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