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Der Kaiser, die Ostsee und der Dampfeisbrecher Stettin

Wenn man mit den  Männern der ersten Stunde über den Dampfeisbrecher "Stettin" spricht, sind sie mächtig stolz. Und das aus mehreren Gründen. Sie haben 1981 den Kraftprotz vor der Verschrottung bewahrt und ihn danach so erfolgreich wieder hergerichtet, dass er 1983 in die höchste Klasse des Germanischen Lloyd eingestuft wurde und 1984  beim International  Congress of Maritime Museums den Preis als "das bestrestaurierte maschinengetriebene historische Schiff" erhielt. Damit nicht genug: Im strengen Eiswinter 1985 absolvierte er im Alter von 52 Jahren mit Bravour die Aufgabe, für die er einmal gebaut wurde. Er bahnte auf der zugefrorenen Ostsee Schiffen den Weg.
Solche Erfolge und Dauerhaftigkeit sind nur durch die überaus solide Arbeit zu erklären, die 1932/33 beim Bau des Eisbrechers auf der Werft "Stettiner Oderwerke" geleistet wurde. Ist dies solide Arbeit? Allein Nieten halten die bis zu 24 Millimeter starken Stahlplatten des Schiffes zusammen. Aus Sicherheitsgründen durfte nicht geschweißt werden. Um eine maximale Kraftleistung zu erhalten, statteten die Ingenieure die Stettin mit einer Dampfmaschine und zwei Kesseln aus, wie sie sonst nur in Überseedampfer eingebaut wurden. 574000 Reichsmark kostete der Neubau. Dafür lieferte die Werft den damals größten Eisbrecher Deutschlands. Der größte und letzte Eisbrecher der Oderwerke erhielt den gleichen Namen wie der erste und kleinste Eisbrecher, der 1888 in der pommerschen Stadt vom Stapel lief, nämlich Stettin. Die technischen Daten zeigen, welch großer Unterschied zwischen beiden Schiffen bestand (jeweils Stettin 1 im Vergleich zu Stettin 2: Bruttoregistertonnen 177,3/836,2, Länge 32/51,75 Meter, Wasserballast 36/264,95 Tonnen, Kohleverbrauch pro Stunde 450 Kilogramm/1,4 Tonnen).

 

 

 

 

Dampfeisbrecher Stettin
Dampfeisbrecher Stettin


Auch wenn es wie ein Vergleich zwischen David und Goliath ist: Schon der erste Eisbrecher Stettin, auf der Vulcan-Werft gebaut, galt als technische Spitzenleistung der Zeit. Die erste Stettin war am 1. November 1888 vom Stapel gelaufen , bereits am 26. November folgte das Schwesterschiff "Swinemünde". Ein Jahr später wurde mit der Berlin aus dem Duo ein Trio für das eisfreie Haff. Kaiser Wilhelm II. war fasziniert. Am 13. Januar 1891 ging er in Swinemünde an Bord des Flaggschiffes Berlin. Über diese Eisfahrt berichtete seinerzeit die Stettiner Nachrichten: "Einfarbig bleigrau der Himmel, grau der Strom, in dem nur vereinzelt mit Schlackenschnee bedeckte Eisschollen dahintrieben … Auf dem Strom aber das stark gebaute, breite, schwarze Schiff, dem eine weithin ziehende Rauchsäule folgte und auf dessen Deck der Deutsche Kaiser stand, um selbst zu proben und zu prüfen, was an Förderung der Wohlfahrt und Entwicklung unserer Hansestadt nach vielen Mühen und Opfern geschaffen wurde." Vermittelte der Start dem Kaiser noch nicht die erwünschte Dramatik, so folgte sie bei der Fahrt durchs Haff: "Und nun ging es hinein in das gefrorene Haff und in das Eis, das dröhnend und donnernd dem gewaltigen Druck und der Kraft der Maschine wich … Auf der Höhe von Ziegenort sah man zuerst wieder Menschen. Es waren die Ziegenorter …, von denen nur einzelne so glücklich waren, bis dicht an die Fahrrinne heranzukommen und um ihre Hurras zuzurufen…
Aber auch glanzvolle Erinnerungen bewahrten nicht vor dem Ablauf der Zeit. Die Stettin 2 schien 1981 reif für die Ausmusterung.
Im Jahre 1981 waren es besonders Pommern, die den letzten und größten Eisbrecher der Stettiner Eisbrecherflotte vor dem Verschrotten gerettet haben. Die Stadt Stettin pflegt eine Patenschaft zur Hansestadt Lübeck.  Ein E. Gerdau zeigte in der Pommerschen Zeitung an, dass die Stettin verschrottet werden soll. Der Unternehmer Friedrich Karl Lüder kam zur Hilfe. Dieser verstorbene Lübecker Unternehmer aus Stettin holte sich weitere Hilfe und bereitete den Ankauf vor. Wilhelm Hoffmann und Guntram Kruse von der Pommerschen Landsmannschaft sollen dabei behilflich gewesen zu sein. Es kam zur Gründung eines Vereins und mit der Verwaltung der Hansestadt Lübeck wurde ein Dauerliegeplatz eingerichtet. 
Die Landesregierung Schleswig - Holstein hat dann das Schiff als Museumsschiff anerkannt. Am 21. August 1981 wurde der Verein Dampf-Eisbrecher STETTIN e.V. gegründet und das Schiff angekauft.
Der Kaufpreis von DM 70.000,- wurde damals fast ausschließlich aus Spenden der Pommerschen Landsmannschaft aufgebracht.
Die Liegeplätze des Dampfeisbrechers sind mittlerweile der Museumshafen Oevelgönne, der Hansekai in Lübeck, oder Travemünde.
Wenn das stolze Dampfschiff nicht zu einer Regatta ausgelaufen ist, finden von diesen Liegeplätzen aus zahlreiche Fahrten statt, an denen teilgenommen werden kann.


 

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