SAR Search and Rescue durch die DGzRS

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) führt in unseren Gebieten von Nord- und Ostsee den Such- und Rettungsdienst im Seenotfall durch - eigenverantwortlich und unabhängig von staatlichen Einflüssen seit 1885. Bis zur Gründung eines einheitlichen deutschen Seenotrettungswerks war es jedoch ein langwieriger, beschwerlicher Weg in einem damals politisch noch zersplitterten Deutschland. Wegen der Internationalität der Aufgaben und auch der Einsatzgebiete hat sich auch im deutschen Sprachgebrauch der Begriff Search and Rescue (SAR, englisch für ‚Suche und Rettung‘) für Luft- und Seerettungsdienste eingebürgert. 


November 1854: Vor Spiekeroog strandet im schweren Herbststurm das Auswandererschiff "Johanne". Die Johanne war eine hölzerne Bark von ca. 30 m Länge und ca. 5,5 m Breite. Die erste Reise des Schiffes sollte von Bremen an der Weser aus nach New York gehen. 216 Auswanderer, davon 94 Männer, 77 Frauen, 32 Kinder unter 10 Jahren und 13 Säuglinge gingen als Passagiere am 29. und 30. Oktober an Bord. Außerdem befanden sich 15 Besatzungsmitglieder und der Kapitän an Bord. 84 Menschen kommen um in der tosenden See.
September 1860: Die "Alliance", eine hannoversche Brigg, lief unter Kapitän Hillers mit Kohlen beladen während der Fahrt von Newcastle upon Tyne nach Geestemünde am 10. September 1860 gegen drei Uhr früh im Sturm an der Westseite der Insel Borkum auf Grund und sinkt. Von der Besatzung (9 vielleicht auch 10 Mann) des Seglers bleibt niemand am Leben; Die Insulaner unternahmen wegen der schwierigen Bedingungen keine Rettungsversuche, sondern sammelten nur das an den Strand geworfene Gut.


So mussten immer wieder Seefahrer sterben, weil von den Inseln oder von Land keine Rettungsversuche unternommen wurden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verunglückten jährlich circa 50 Schiffe vor den deutschen Nordseeinseln. Mangelnde Ausrüstung und Organisation und das zum Teil noch praktizierte Strandrecht verhinderten ein Eingreifen, um die Schiffbrüchigen vor ihrem schrecklichen Schicksal zu bewahren.
Tatsächlich ist der Untergang der "Alliance" dann doch für die Schifffahrt im nachhinein zum Segen geworden, denn er führte in den folgenden Jahren zur Errichtung der ersten Rettungsstationen an den deutschen Küsten. Auf Initiative engagierter Bürger wurde schließlich am 29. Mai 1865 die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Treibende Kräfte waren Adolph Bermpohl, Georg Breusing und Arwed Emminghaus.
Anfangs konnten bei der Bergung von Schiffbrüchigen nur offene Ruderboote sowie einfache Raketenapparate und Hosenbojen eingesetzt werden. Erst die Entwicklung raumsparender, zuverlässiger Dieselaggregate nach dem Ersten Weltkrieg erlaubte die Umstellung auf gedeckte Motorboote, die die Rettungsmänner vor Sturm und Brechern schützten und deren Kräfte für den eigentlichen Einsatz schonten.
2021 verfügt die Gesellschaft über 59 Rettungsboote unterschiedlicher Größe auf 55 Stationen; vom 7-m-Seenotrettungsboot bis zum 46-m-Seenotkreuzer, stets bereit die vielfältigen Aufgaben bei jedem Wetter und zu jeder Zeit wahrzunehmen.
Ein moderner Seenotkreuzer ist u.a. ausgerüstet mit Tochterboot, Bordhospital und Feuerlöschanlagen und erreicht Geschwindigkeiten bis zu 26 Knoten (ca. 48 km/h)
Hier noch interessante Zahlen aus den 1990er-Jahren: Im Durchschnitt fahren die Rettungsmänner der DGzRS mehr als 2000 Einsätze jährlich. Dabei werden zahlreiche Menschen aus Seenot gerettet oder aus kritischen Gefahrensituationen befreit. Rund 50.000 Schiffbrüchige verdanken ihr Leben seit Gründung bis zum 125-jährigen Jubiläum der Gesellschaft ihr Leben dem Eingreifen der Seenotretter.
In vielen Fällen werden Ärzte zu dringenden Hilfeleistungen befördert, und oftmals müssen die Rettungsmänner selbst Erste Hilfe leisten. Zu ihren weiteren Aufgaben zählen die Transporte kranker und verletzter Personen von Seeschiffen, Inseln und Halligen zum Festland sowie technische Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art.
In der Seenotleitung Bremen der DGzRS (internationale Bezeichnung: Rescue Co-Ordination Centre, RCC Bremen) laufen bei Einsätzen  alle Fäden zusammen. Von Bremen aus werden die Rettungsmaßnahmen aller beteiligten Fahrzeuge - auch anderer Institutionen sowie Handelsschifffahrt - zentral geleitet und koordiniert. Erfahrene Nautiker sind im RCC Bremen rund um die Uhr als Wachleiter im Dienst.
Wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit bleibt trotz aller technischen Entwicklungen die ständige Bereitschaft der Rettungsmänner zum selbstlosen und aufopferungsvollen Einsatz. Die Rettung von Menschenleben aus Seenot ist jedoch eine Herausforderung, der sich jeder - ob im Binnenland oder an der Küste - verpflichtet fühlen sollte. Das deutsche Seenotrettungswerk wird seit seiner Gründung ausschließlich von freiwilligen Zuwendungen finanziert und ist daher auf Unterstützung von seiten aller angewiesen. Schirmherr der DGzRS ist der Bundespräsident. Bereits der preußische König Wilhelm I. hatte die Schirmherrschaft über das Rettungswerk übernommen.
Zudem ernennt die DGzRS seit dem Jahr 2000 jährlich eine prominente Persönlichkeit zum „Bootschafter“, die ehrenamtlich für die Seenotretter wirbt. 2007 war dies zum Beispiel Jan Fedder oder 2011 Uwe Friedrichsen.
Wen die Geschichte der Auswanderung 1854 mit dem Schiff JOHANNE näher interessiert, der sollte das Auswandermuseum BallinStadt Hamburg besuchen.


 

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