A-Z

Wallenstein und der Frieden von Lübeck

Dieser böhmische Feldherr hat eine grauenhafte Zeit geprägt.
Wallenstein, eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, tschechisch Albrecht Václav Eusebius z Valdštejna (* 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe, Böhmen; † 25. Februar 1634 in Eger, Böhmen), war später Herzog von Friedland und Sagan, von 1628 bis 1631 als Albrecht VIII. Herzog zu Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Graf von Schwerin, Herr von Rostock, Herr von Stargard und als Generalissimus zwischen 1625 und 1634 zweimal Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg.

Das Kriegshandwerk lernte er als Fähnrich in einem Regiment kaiserlich-böhmischer Fußknechte, das auf Befehl Kaiser Rudolfs II. nach Ungarn zog.  Er lernte die Taktik der siebenbürgischen leichten Reiterei kennen und beobachtete den damals 45 Jahre alten Kommandeur der kaiserlichen Artillerie, Oberst Graf von Tilly.

Jetzt wurde Wallenstein zum Hauptmann befördert und bei Kämpfen in der Nähe von Kaschau schwer an der Hand verletzt.
Auf welcher Seite er jeweils kämpfte war ihm egal.  In einem Dekret von Ferdinand II. am 7. April 1625 wurde Wallenstein zum Führer und Haupt aller kaiserlichen Truppen im Reich ernannt, allerdings ohne das Recht, dieses Heer auch aufzustellen. Man war auch ratlos, wie große Kriege zu finanzieren seien, bis er am 13. Juni die Direktiven für die Kriegsführung bekam.
Unser Feldherr steigerte das Tempo der Rüstungen, die er bereits vor seiner offiziellen Ernennung begonnen hatte, auf das Äußerste. Der Kaiser erließ am 27. Juni das Dekret, dass er ein Heer von 24 000 Mann aufstellen solle. 
Es gab aber Auflagen für ihn, die protestantischen Stände, die weiterhin kaisertreu seien, möge er verschonen. Jeglicher Eindruck, dass aufgrund der Religion zu den Waffen gegriffen wurde, sollte wie schon zuvor vermieden werden. Er sollte auch für Disziplin sorgen, der Krieg sei "sonst nichts anderes als Räuberei." Außerdem sollte er sich mit General Tilly abstimmen.
Es kam zur Schlacht bei Dessau (25. April 1626), dem ersten militärischen Erfolg Wallensteins in kaiserlich-habsburgischen Diensten.


Die Schlacht kostete etwa drei- bis viertausend Soldaten des protestantischen Anführers Graf Mansfeld das Leben, darunter auch hohe Offiziere, Oberste und Kapitäne. Etwa 1500 Mann wurden gefangen genommen und nach den militärischen Regeln der Zeit wenig später in das Heer Wallensteins eingegliedert. Wallenstein verfolgte Mansfeld bis zum Abend nach Zerbst, nahm die Verfolgung am nächsten Tag aber nicht wieder auf, sondern kehrte nach Aschersleben zurück. Man feindete ihn deshalb an. Von der Armee Mansfelds waren nur noch zirka 5000 Mann übrig geblieben.
Im Juni 1626 vereinbarte Wallenstein mit General Tilly, dass sie ihre Heere vereinigen und die Elbe entlang nach Norden ziehen sollten, um den Dänenkönig Christian anzugreifen.
1627 wählten sie als Hauptquartier Trittau, einer vorübergehenden Heimat für 30.000 Soldaten.

Am 19. November 1627 traf der Kaiser Ferdinand II. und Wallenstein in Brandeis bei Prag. Wallenstein wurde hoch geehrt. Die Ehren kamen sonst nur den höchsten Fürsten des Reiches zu. Ferdinand bot Wallenstein sogar den dänischen Thron an, den dieser aber ablehnte. Aber er sollte das Herzogtum Mecklenburg, das Wallenstein, als Ausgleich für die Gelder, die er dem Kaiser vorgeschossen oder geliehen hatte, als Lehen erhalten.

Am 1. Februar 1628 wurde dieses amtlich und zwei Wochen später wurde unser Wallenstein zum General des Ozeanischen und Baltischen Meeres sowie zum Herzog von Sagan erhoben.  In Mecklenburg nannte er sich Albrecht VIII. Herzog zu Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Graf von Schwerin, Herr von Rostock, Herr von Stargard.
In der Schlacht bei Lutter am Barenberge, etwa 10 Kilometer südwestlich des heutigen Salzgitter, besiegten am 17. August jul./ 27. August 1626 greg. die Truppen des Kaisers und der Katholischen Liga unter Tilly das Heer des Niedersächsischen Kreises und Dänemarks unter König Christian IV. .
Der ganze Norden litt unter Plünderungen und meist erfolgreichen Angriffen auf die Dänen. Christian versuchte nochmals, die drohende Niederlage abzuwenden, und unternahm Angriffe von See aus auf das Festland, verlor beim Angriff auf Wolgast 2. September 1628 allerdings seine letzten Truppen.
In der Folge kam es 1629 zum Separatfrieden von Lübeck, der den dänisch-niedersächsischen Teilkonflikt des Dreißigjährigen Krieges beendete.
Mit rund 40.000 Kämpfern und 4.000 bis 8.000 Toten war die Schlacht bei Lutter, neben der von Sievershausen im Jahr 1553 eine der blutigsten kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen.
Die katholischen Reichsfürsten der Liga waren über den großen kaiserlichen Machtzuwachs in Norddeutschland beunruhigt. Sie versuchten, ebenso wie einige Berater Ferdinands in Wien, den konfessionell wenig gebundenen und ehrgeizigen Feldherrn Wallenstein als für die katholischen Ziele unzuverlässig hinzustellen. So kam es dazu, dass auf dem Regensburger Kurfürstentag im Sommer 1630  die Kurfürsten (unterstützt von einer französischen Delegation mit Père Joseph) den Kaiser zwangen, Wallenstein zu entlassen und die eigenen Truppen zu vermindern.
Im Frühsommer 1630 landete der König von Schweden Gustav II. Adolf auf der Insel Usedom und griff so aktiv in den Krieg ein. 1631 fügte er den kaiserlichen Truppen zahlreiche Niederlagen zu, sehr deutlich etwa in der Schlacht bei Breitenfeld. 13.000 Mann, 26 Kanonen und der Tross der kaiserlichen Armee waren verloren, ebenso 120 von den Schweden erbeutete Fahnen, die heute noch in der Riddarholmskirche in Stockholm aufbewahrt werden.
Die Schweden zogen weiter in den Süden bis nach Bayern hinein.
Am 15. Dezember 1631 ernannte Ferdinand II. deshalb Wallenstein befristet zum General-Capo über die kaiserliche Armee mit dem Auftrag, ein schlagkräftiges Heer aufzustellen. Die unbefristete Ernennung Wallensteins erfolgte erst mit der am 13. April 1632 abgeschlossenen Göllersdorfer Vereinbarung, da deutete sich schon wieder ein Gemetzel der Schweden in Bayern an, Der schwedische König und siegte am 14./15. April 1632 noch einmal über Tilly, der tödlich verwundet wurde. Das war die Schlacht bei Rain am Lech, er belagerte sogar noch München. 

Währenddessen verstellte Wallenstein ihm den Rückweg mit einem riesigen Truppenaufgebot bei Nürnberg.

Es folgte ein einziges Hin und Her mit den Schweden auch gegen Sachsen und Österreicher, angereichert auch mit geheimen teilweise unbekannten Friedensbemühungen. 
In den Augen vieler beteiligter Adliger hatte Wallenstein sich damit schuldig gemacht. Auf Betreiben der spanischen Habsburger wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Hochverrats für abgesetzt erklärt (beurkundet am 24. Januar 1634). Die drei wallensteinschen Generäle Aldringen, Gallas und Piccolomini wurden unter der Hand von der Absetzung instruiert und beauftragt, den abgesetzten Heerführer tot oder lebendig auszuliefern. Wallenstein selbst hatte sich im Dezember 1633 nach Pilsen zurückgezogen, am 25. Februar befand er sich im Haus des Stadtkommandanten von Eger (das Pachelbel-Haus am Unteren Marktplatz 492). Ein Mordkomplott beendete sein Leben durch einen Lanzenstich. Sein Vermögen und die Titel wurden eingezogen. Nach einigen Irrwegen fand er seine letzte Ruhestätte  1782 in der St.-Anna-Kapelle in Münchengrätz, dem heutigen Mnichovo Hradiště in Tchechien.

 

 

 

 

Carl-Maria v. Weber