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Der Nobelpreisträger Theodor Mommsen

Christian Matthias Theodor Mommsen (* 30. November 1817 in Garding, Herzogtum Schleswig; † 1. November 1903 in Charlottenburg) war ein deutscher Historiker und gilt als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts.

Seine Werke und Editionen zur römischen Geschichte sind noch für die heutige Forschung von grundlegender Bedeutung.
Mommsen stammte aus einer Pfarrerfamilie; sein Vater Jens Mommsen war seit 1821 Pfarrer in Oldesloe (Holstein), wo der älteste Sohn Theodor zusammen mit fünf Geschwistern aufwuchs.
Nach anfänglichem Privatunterricht besuchte Theodor Mommsen ab Oktober 1834 das Christianeum in Altona und begann im Mai 1838 ein Jurastudium an der Universität Kiel. Hier trat er der Burschenschaft Albertina bei, lernte 1839 den später als Dichter berühmt gewordenen Jurastudenten Theodor Storm kennen, teilte sich mit ihm zeitweise die Wohnung und veröffentlichte zusammen mit ihm und seinem jüngeren Bruder Tycho Mommsen 1843 das Liederbuch dreier Freunde, eine Gedichtsammlung, die von der Literaturkritik freundlich aufgenommen wurde. Nach Stationen im Ausland und Journalist in Rendsburg wurde er 1851 auf einen Lehrstuhl für Römisches Recht in Zürich berufen, den er 1852 antrat.
1858 wurde Mommsen auf eine Forschungsprofessur an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin berufen und erhielt 1861 einen Lehrstuhl für römische Altertumskunde an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er bis 1885 Vorlesungen hielt. Rufe an andere Universitäten folgten.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Mommsen hoch geehrt (Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste 1868, Ehrenbürgerschaft von Rom). Er war inzwischen auch jenseits der Fachkreise weltberühmt; Mark Twain etwa begegnete ihm 1892 in Berlin und war tief beeindruckt. Mommsen erhielt 1902 für sein Hauptwerk, die Römische Geschichte, den Nobelpreis für Literatur.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Mommsen auch politisch aktiv und beschäftigte sich u. a. kritisch mit den Themen Antisemitismus, Imperialismus und als Zeitgenosse der Revolution von 1848 mit dem Liberalismus.
Er war von 1863 bis 1866 und wieder von 1873 bis 1879 Abgeordneter im preußischen Landtag, von 1881 bis 1884 im Reichstag, zuerst für die liberale Fortschrittspartei, später für die Nationalliberalen, schließlich für die Sezessionisten. Er beschäftigte sich naheliegenderweise mit Fragen der Wissenschafts- und Bildungspolitik und vertrat zunächst nationale Positionen. Aus Enttäuschung über die Politik des Kaiserreichs, dessen Zukunft er sehr pessimistisch sah, empfahl er schließlich eine Zusammenarbeit der Liberalen mit der Sozialdemokratie. Über die Sozialpolitik geriet Mommsen 1881 in Auseinandersetzung mit Otto von Bismarck.

Im sogenannten Berliner Antisemitismusstreit 1879/1880 wandte er sich gegen seinen Historikerkollegen Heinrich von Treitschke, der die Parole „Die Juden sind unser Unglück“ geprägt und den Judenhass damit in Mommsens Augen salonfähig gemacht hatte. Mommsen war im Jahr 1890 einer der führenden Gründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Die Freie Wissenschaftliche Vereinigung wählte ihn 1887 zum Ehrenmitglied.

Viele Schulen bekamen seinen Namen.
Mit der Jubiläumsfeier am 25. März 1950 trägt auch die Schule in Bad Oldesloe den Namen des größten Gelehrten Schleswig-Holsteins. 

Der Schauspieler Oliver Mommsen (bekannt unter anderem als Assistent Stedefreund von Tatort-Kommissar Inga Lürssen) ist übrigens sein UrUr-Enkel.

 

Bernt Notke