Stresemann, Ballin und Gustav Radbruch in der Weimarer Republik


Ende des 19 Jahrhunderts gab es noch eine Gruppierung genannt Die Nationalliberale Partei (NLP). Sie war eine liberale Partei während des Norddeutschen Bunds und Deutschen Kaiserreichs, die 1866/67 aus einer Abspaltung des rechten Flügels der Deutschen Fortschrittspartei hervorgegangen war und 1918 in der Deutschen Volkspartei aufging. Ab 1917 war ihr Fraktionsvorsitzender Gustav Ernst Stresemann (* 10. Mai 1878 in Berlin; † 3. Oktober 1929 ebenda). Nach den Wahlen 1932 fiel die DVP bis zur Bedeutungslosigkeit zurück und sollten im Nationalsozialismus agieren. Als die Nationalsozialisten dem Parteivorstand mit persönlichen Folgen gedroht hatten, gab dieser einen am 27. Juni 1933 gefassten Selbstauflösungsbeschluss am 4. Juli 1933 bekannt.
Stresemann, der führende Kopf, war im Krisenjahr 1923 Reichskanzler und danach bis zu seinem Tod in unterschiedlichen Kabinetten Reichsminister des Auswärtigen.
Bereits zusammen mit dem Reeder Albert Ballin saß er im deutschen Organisationskomitee für die Weltausstellung 1913 in San Francisco. Gemeinsam planten beide die Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Welthandel, stießen damit aber auf den Widerstand etwa Alfred Hugenbergs, einem späteren Nationalsozialisten, der einen großen Konzern aufbauen konnte, zeitweilig auch Finanz-Direktor bei der Friedrich Krupp AG war und während der ersten Monate nach Hitlers Machtergreifung Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung in dessen erstem Kabinett.
Zumindest kam es zur Gründung einer Deutsch-Amerikanischen Handelsgesellschaft. Stresemann erhielt den gut bezahlten Posten eines geschäftsführenden Präsidiumsmitgliedes.
Das Amt des Reichskanzlers übernahm er am 13. August 1923. Sein Vorgänger Wilhelm Cuno scheiterte nach Streiks und einem Misstrauensvotum der stärksten Kraft der SPD mit seinem Minderheitskabinett. 
Die Krise 1923 konnte er aber nicht bewältigen. Längst war offensichtlich geworden, dass der passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung keine Aussicht mehr auf Erfolg hatte und damit war eng verbunden der völlige Zusammenbruch der deutschen Währung und die Phase der Hochinflation. Ein weiterer Problempunkt war die innenpolitische Radikalisierung. Es gab Auseinandersetzungen zur Haltung der Reichswehr. Wie sollte sich diese verhalten bei Aufstandsbewegungen von rechts? Der ganze Zusammenhalt der staatlichen Einheit war bedroht.
Eine wichtige Hilfe war trotz allem Gustav Radbruch (* 21. November 1878 in Lübeck; † 23. November 1949 in Heidelberg). Gustav Radbruch besuchte zuerst noch das Progymnasium Dr. Bussenius, dann das Katharineum zu Lübeck, wo er als Primus omnium das Abitur ablegte. Seinem damaligen Mitschüler, dem späteren anarchistischen Dichter Erich Mühsam, ist Radbruch immer wieder begegnet, teilweise berichtet man sogar von Freundschaft. 1902 dann hatte er bei seinem Doktorvater Franz Ritter von Liszt an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zur Kausalitätslehre magna cum laude zum Dr. iuris promoviert. Die liberale Lehre seines Doktorvaters prägte sein Denken nachhaltig. Radbruch war zwischen 1919 bis 26 auch außerordentlicher Professor an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Das Denken von August Bebel berührte ihn, er war bei dessen Beerdigung in Zürich zugegen, trat dann aber erst später in die SPD ein und wurde in den Reichstag gewählt. Er war der einzige Jurist in der SPD-Fraktion.
Bevor er Justizminister wurde erlangte er schon Aufmerksamkeit durch sein Verhalten während des Kapp-Putsches.
Drahtzieher war Wolfgang Kapp (* 24. Juli 1858 in New York, USA; † 12. Juni 1922 in Leipzig). Als nachdrücklicher Befürworter des sogenannten uneingeschränkten U-Boot-Krieges gegen Großbritannien geriet Kapp in Konflikt mit dem Reichskanzler Bethmann Hollweg, der die Aufnahme desselben aus Furcht vor einem amerikanischen Kriegseintritt zu verhindern suchte. Bethmann Hollweg bezeichnete Kapp bei Auseinandersetzungen im Reichstag als „politischen Piraten“ – was Kapp als Beleidigung empfand und zu einer Duellforderung veranlasste. Unterstützung fand er bei den Generälen Walther von Lüttwitz und Erich Ludendorff. Truppen rebellierten in Berlin. Kapp erklärte am 13. März 1920 nach der militärischen Besetzung des Berliner Regierungsviertels die geflüchtete sozialdemokratisch-katholisch-sozialliberale Koalitionsregierung unter Reichskanzler Gustav Bauer für abgesetzt, die Nationalversammlung und die preußische Regierung für aufgelöst und ernannte sich selbst zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten.
Auch in Kiel versuchten rechtsgerichtete Truppen die Stadt unter ihre Gewalt zu bekommen. Sie trafen dort aber auf eine Front von Werftarbeitern, die Widerstand leistete. Gustav Radbruch vermittelte zwischen den Parteien, um eine blutige Auseinandersetzung zu verhindern. Die Militärs vertrauten dem Juristen nicht und nahmen ihn in Haft. Ein Standgericht sollte ihn zum Tode verurteilen. Doch der Kapp-Putsch scheiterte, und Radbruch kam nach sechs Tagen wieder frei, setzte sich für die aufständischen Soldaten ein und führte sie in ihre Kasernen zurück, um sie vor einer Lynchjustiz zu bewahren.
Wegen Radbruchs beim Kapp-Putsch bewiesenen arbeiterfreundlichen Haltung wurde er bei der anstehenden Reichstagswahl 1920 auf Platz 2 der Wahlliste der Sozialdemokraten gesetzt, wurde Reichstagsabgeordneter. Sein Einsatz im Reichstag war seiner Zeit damals zu weit voraus. 
Ein Antrag, den er und 54 weitere Mitglieder der SPD-Fraktion am 31. Juli 1920 einbrachten, sah die Straflosigkeit der Abtreibung vor, „wenn sie von der Schwangeren oder einem staatlich anerkannten (approbierten) Arzt innerhalb der ersten drei Monate der Schwangerschaft vorgenommen“ worden ist.
Der von ihm maßgeblich initiierte Antrag hatte damals noch keinen Erfolg. Trotzdem profilierte er sich weiter und wurde im Kabinett Wirth II (26. Oktober 1921 bis 14. November 1922) zum Reichsjustizminister berufen; vom 13. August bis November 1923 war er Justizminister in den Kabinetten Stresemann I und Stresemann II.
Während seiner Amtszeit wurden einige bedeutende Gesetze ausgearbeitet, so zur Zulassung von Frauen zum Richteramt[ und nach der Ermordung Rathenaus auch das Republikschutzgesetz. Um die Republik vor ihren übelsten Feinden zu schützen, sah er sich in der Regierungsverantwortung gezwungen auch zur Todesstrafe zu greifen, obwohl er diese Zeit seines Lebens ablehnte.
Wegweisend waren außerdem der Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuchs aus dem Jahre 1922 und das Jugendgerichtsgesetz von 1923. Als Justizminister wollte er die Vergeltungsstrafe abschaffen und durch eine Besserungsstrafe ersetzen. Er war gegen die Todesstrafe und das Zuchthaus und damit für die einheitliche Freiheitsstrafe. Die Resozialisierung wurde neben der Sicherung zum Hauptziel der Strafe erklärt.
Für Radbruch war das Recht eine wertbezogene, an der Idee der Gerechtigkeit auszurichtende Realität, die zum Gebiet der Kultur gehört, und damit zwischen Natur und Ideal steht.  Damit gilt er als einer der einflussreichsten Rechtsphilosophen des 20. Jahrhundert.

Zurück zu Gustav Stresemann. Ein vermeintlicher Erfolg seiner Amtszeit war der Beitriit des Deutschen Reiches 1926 zum Völkerbund, einem Vorläufer der heutigen UNO. 
Im selben Jahr wurde ihm zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand der Friedensnobelpreis verliehen.
Umstritten war später aber das Nichteingreifen des Völkerbundes beim japanischen Angriff auf China im Jahre 1931. Endgültig demonstrierte diese Staatengemeinschaft 1935 ihre Machtlosigkeit beim italienischen Angriff auf Abessinien: Obwohl der Bund als stärkste Maßnahme Sanktionen verhängte, blieben diese wirkungslos; sowohl die USA (Öl) als auch das Deutsche Reich (Kohle) belieferten Italien weiterhin und führten dadurch die Ohnmacht des Gremiums vor. Die Sowjetunion, seit 1934 Mitglied, wurde 1939 wegen des Angriffs auf Finnland („Winterkrieg“) ausgeschlossen.
Am 30. November 1923 nach einer verlorenen Vertrauensfrage rief Friedrich Ebert Wilhelm Marx zum neuen Reichskanzler aus, Stresemann wechselte in das Außenministeramt, welches er bis zu seinem Tod inne hatte. Er litt an einer besonders schweren Form der Basedowschen Krankheit. Sein Leben endete mit einem Schlaganfall.
Gustav Radbruch  lehnte eine dritte Berufung zum Reichsjustizminister ab und widmete sich wieder verstärkt seiner wissenschaftlichen Arbeit, reiste dazu auch einige Zeit nach England. 
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 nahm er seine Lehrtätigkeit in Heidelberg wieder auf. Als Dekan leitete er den Wiederaufbau der Juristischen Fakultät. Durch zahlreiche Aufsätze beeinflusste er noch nachhaltig die Entwicklung des deutschen Rechts. In den besetzten Gebieten gab es 1948 die Überlegung, Gustav Radbruch für eine Kommission zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes für die DDR anzufragen.
Auch politisch wurde Radbruch wieder aktiv, er hoffte auf einen Sozialismus christlicher Prägung und regte  eine „Vereinigte Christliche Volkspartei“ bzw. „Christlich-soziale Union“ an, die später in der Christlich Demokratischen Union Deutschlands aufgegangen ist. Am 14. Juli 1948 trat Radbruch aber entgegen anfänglichem Zögern wieder der SPD bei.
Ein Jahr später im Alter von 71 Jahren verstarb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Sein Grab befindet sich auf dem Heidelberger Bergfriedhof in der Waldabteilung.
1963 wurde in seiner Vaterstadt Lübeck das Burgfeld in Gustav-Radbruch-Platz umbenannt.