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Napoleon in Norddeutschland


Bis 1806 ist Lübeck eine prosperierende, im Umschlaghandel mit Frankreich führende und von Kaiser Napoleon begünstigte und vor allem politisch neutrale Stadt. Dann schlägt die Franzosenzeit tiefe Wunden. Unter französischer Besatzung ist sieben Jahre lang so gut wie kein Handel mehr möglich. Es mussten Tagegelder und Kontributionen an Frankreich und seine örtlichen Generäle gezahlt werden. Reihenweise gehen Kaufleute in den Ruin. Ende 1813 ist Lübeck hochverschuldet und Napoleon Objekt des Hasses und der Verachtung. Ein schönes Beispiel dafür ist die Karikatur im Nachtgeschirr. Sie beschwört Napoleons Grausamkeiten und Niederlagen und ist intellektuelle  Rache. 
Was sagt der niederdeutsche Volksmund dazu??

 

 

 

 

Pinkelpott Napoleon
Schiet d'rup!  
Nachttopf Napoleon



Er hat die Welt verändert, er hat auch Norddeutschland verändert. Wie ist er so geworden? Was hat ihn angetrieben? Ganze Bücher sind schon vollgeschrieben, ich versuche es mal in kürze. Napoleon wurde als Napoleone Buonaparte (korsisch Nabulione) in Ajaccio  am 15. August 1769  auf der Insel Korsika geboren. Sein Offizierspatent erhielt er schon mit sechzehn Jahren und befasste sich früh mit Literatur und Schriftstellerei. Da hatte er schon Kontakt zu antiken Werken wie denen Platons bis zu neuzeitlichen Werken wie denen von Voltaire, Corneille und Lavater oder naturwissenschaftlichen Werken wie Rollins Geschichte des Altertums, Buffons Histoire naturelle oder Marignys Geschichte der Araber. Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe hat Napoleon mehrfach gelesen. Als er sich später zunehmend für Politik interessierte, wurde Jean-Jacques Rousseau sein großes Vorbild. Man sagt in dem Zusammenhang, dass eine konstitutionelle Monarchie wie die Großbritanniens ihm am meisten zusagte. So kam ihm die Französische Revolution entgegen. Nur die damit verbundenen Unruhen und Ausschreitungen gefielen ihm nicht. In der Hauptsache sah er die Revolution als Chance für die Befreiung Korsikas. Dahin kehrte er dann auch für kurze Zeit zurück und wurde politisch. Zunächst Anfang 1792 aus der Armee entlassen wurde er aber wieder eingestellt "aus Mangel an Offizieren" und wurde zum Capitaine befördert, das entspricht unserem heutigen Hauptmann. Im Raum Korsika und Sardinien operierte er aber zunächst glücklos um dann zu seinem alten Regiment nach Südfrankreich zurückzukommen. In der Zwischenzeit hatten in Frankreich die Jakobiner unter  Maximilien de Robespierre die Macht übernommen und Napoleon bekannte sich zu ihnen.  Er wurde zum Kommandanten der Artillerie bei der Belagerung der von aufständischen gemäßigten Revolutionären und Royalisten gehaltenen Stadt Toulon ernannt und erhielt Unterstützung von der britischen Flotte. Mit dem Norden hatte er da noch nichts zu tun. Beim Ausbruch der Revolution trat der Deutsche Nikolaus von Luckner 1790 in die Dienste der Nationalversammlung und wurde zum Marschall von Frankreich ernannt. Er wohnte noch mit seiner Familie unter anderem auf Gut Blumendorf. 1792 übergab man ihm den Oberbefehl über die Rheinarmee. In dieser Eigenschaft wurde ihm zu Ehren am 26. April 1792 das später als französische Nationalhymne Marseillaise bekannt gewordene Kriegslied der Rheinarmee von Rouget de Lisle komponiert. Claude Joseph Rouget de Lisle dichtete und komponierte in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1792 während der Kriegserklärung an Österreich im elsässischen Straßburg das Kriegslied der französischen Rheinarmee "Chant de guerre pour l'armée du Rhin". Das wurde dann später, unter der Bezeichnung Marseillaise, zum Revolutionslied. Bereits 1795 wurde die Marseillaise zur Nationalhymne erklärt.N apoleon war zunächst noch im Süden aktiv. Dies führte am 19. Dezember 1793 zu seine Eroberung von Toulon. Dieser Erfolg war der eigentliche Beginn des Aufstiegs Napoleons. Am 22. Dezember wurde er zum Dank mit nur 24 Jahren zum Général de brigade befördert. Mit vielem Hin und Her und einigen Liebschaften schwang er sich zum Feldherren auf. Die Revolution forderte viele Opfer. Unter anderem verlor auch Nikolaus von Luckner seinen Kopf unter einer Guillotine. Die Bevölkerung hatte sich unter dem Motto "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" gegen den streng herrschenden Monarchen erhoben. 1799 endete die Französische Revolution mit dem Sturz der Regierung. Es folgte eine Wahl. 3 Millionen abstimmende Franzosen entschieden sich für ein „Ja“, 1600 für ein „Nein“. Die Bestimmung, seinen Nachfolger selbst auswählen zu können, und die Einführung einer regelrechten Hofhaltung in den Tuilerien waren Schritte auf dem Weg zur Monarchie. Nachdem Napoleon durch diese Volksabstimmung und den Senat die Kaiserwürde angetragen worden war, krönte sich Napoleon am 2. Dezember 1804 in der Zeremonie in Anwesenheit von Pius VII. selbst in der Kathedrale Notre Dame de Paris zum Kaiser.

 

 

 

 

Notre Dame Paris

Notre Dame Paris

In den Koalitionskriegen zieht er dann 1805 schon einmal erfolgreich in Wien ein. Am 21. Oktober 1805 zeigten die Engländer in der Seeschlacht bei Trafalgar, wer die Seegebiete beherrscht. Zu Lande kommt es aber am 2. Dezember 1805 zur Dreikaiserschlacht bei Austerlitz. 20 km östlich von Brünn trafen russische, österreichische und französische Soldaten aufeinander. Napoleon hatte 73.000 Mann und 139 Kanonen. Die Gegenseite marschierte mit 85.400 Mann (davon ca. 16.000 Österreicher) und 278 Kanonen in den Tod. Napoleon siegte grandios mit nur 1288 Toten, die Verluste der Gegenseite 15.000 Tote und Verwundete, 12.000 Gefangene, 180 Kanonen und 50 Fahnen. Der Befehlshaber behielt also seine Armee und Preußen gliederte sich durch ein Beistandsbündnis in sein System ein.In Deutschland wurde am 16. Juli 1806 aus anfangs 16 Ländern der Rheinbund gegründet. Seine Mitglieder verpflichteten sich zur militärischen Unterstützung Frankreichs und zum Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich. Protektor des Bundes, als im politischen Wortsinn Beschützer oder als eine Schutzmacht, war Napoleon. Daraufhin legte Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder.


Gegen England beginnt Napoleon jetzt einen Wirtschaftskrieg und setzt eine Kontinentalsperre durch. Als Napoleons Gegenspieler in England Premierminister William Pitt verstarb, kam seine Stunde gegen England. Die Nachricht vom Ausgang der Schlacht bei Austerlitz soll Pitt den Todesstoß gegeben haben. Dieser starb am 23. Januar 1806 mit dem Seufzer: „Oh my country!“ (O mein Vaterland!) Mit der Doppel-Schlacht von Jena und Auerstedt betritt Blücher, in russischen Diensten die Weltbühne. Unmittelbar vor Beginn der Schlacht bei Auerstedt erhielt der später Marschall Vorwärts genannte Generalfeldmarschall am Morgen des 14. Oktober 1806 das Kommando einer neu formierten leichten Brigade als Vorhut der Hauptarmee unter Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig.  Mit der Brigade griff er im Frühnebel ohne vorherige Erkundung zweimal die abwehrbereite französische Infanterie an, wurde aber zurückgeschlagen. Wenig später verlor die preußische Seite infolge der tödlichen Verwundung Braunschweigs ihre Leitung. Die Schlacht endete mit dem Rückzug der Hauptarmee, der in eine allgemeine Flucht überging, als sie auf die panikartig vom Schlachtfeld von Jena flüchtenden Truppen traf. Die Doppelschlacht kostete fast 48.000 Soldaten das Leben. Kurzfristig übernahm Blücher das Kommando über die zweihundert Mann starke Leibschwadron zum Schutz des Königs. Napoleon zieht nach dieser Schlacht über das Brandenburger Tor in Berlin ein, und lässt die Quadriga nach Paris schaffen. Blücher führte nun die Truppen nach Lübeck, das als Freie Reichsstadt neutral und unbewaffnet war, und die Preußen verschafften sich am 5. November mit Äxten Zugang durch die geschlossenen Tore. Als die Franzosen am 6. November unter Bernadotte angriffen, wurde ein Versuch unternommen, die außerhalb der Stadtmauer stehenden Kanonen in die Stadt zu retten. Das offene Burgtor konnte von den Franzosen genommen werden. Nach blutigen Straßenkämpfen hatten die Franzosen die Stadt unter Kontrolle und viele Preußen gefangen. Blücher gelang mit 9000 Mann die Flucht. Mit seinen abgekämpften Soldaten zog sich Blücher über Schwartau nach Ratekau zurück, wo er im Pastorat Quartier nahm. Die Blücher-Eiche erinnert heute immer noch daran. Es folgten auch friedliche Zeiten. Mit dem Einzug der französischen Truppen des so weiter aufgestiegenen Napoleon ist die Ruhe in diesem Landstrich aber erst einmal vorbei. Dänemark wird französischer Satellitenstaat. Die großen Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck werden in das französische Kaiserreich eingemeindet. Französische Truppen besetzen das Land. Durch die Kontinentalsperre erleidet die stark nach Groß Britannien ausgerichtete Wirtschaft schwere Einbußen. Die Engländer besetzen im Gegenzug Helgoland und unterlaufen damit die Blockade mit großem Erfolg. Russland will sich aber an der Kontinentalsperre nicht mehr beteiligen. So kommt es das Napoleon Truppen sammelt und sich in der ersten Hälfte des Jahres 1812 auf einen Krieg mit Russland vorbereitet. Die Rheinbundstaaten wurden von ihm verpflichtet, ihre Kontingente zu erhöhen, und auch Österreich und Preußen sahen sich genötigt, Truppen zu stellen. Nur Schweden hielt sich unter dem neuen Kronprinzen und ehemaligen französischen General Bernadotte abseits und verbündete sich mit Russland. Ursprünglich soll die Grande Armée bei ihrem Aufmarsch 590.000 Mann stark gewesen sein. Tatsächlich standen beim Einmarsch nach Russland aber höchstens 450.000 Mann zur Verfügung. Trotzdem war es die größte Armee, die es in Europa bis dahin gegeben hatte. Erfolgreich war Napoleon noch in der Schlacht von Borodino, aber sie wurde zur verlustreichsten Auseinandersetzung der napoleonischen Kriege überhaupt: etwa 45.000 Tote oder Verwundete auf russischer Seite und 28.000 auf französischer Seite waren zu beklagen. Erst im Ersten Weltkrieg gab es noch höhere Opferzahlen an einem einzigen Tag. Die Armee erreichte Moskau nicht mehr, der Winter war der beste Verbündete Russlands und es kam zum Rückzug. Napoleon war schon vorher nach Paris geflohen um für Nachschub zu sorgen, aber nur 18.000 Soldaten, der einst so großen Armee übertraten im Dezember 1812 die preußische Grenze an der Memel. Der Befehlshaber des preußischen Hilfskorps, Yorck von Wartenburg, trennte sich von dem Hauptaufgebot und schloss eigenmächtig einen Waffenstillstand in der Konvention von Tauroggen mit dem Zaren. Für Dänemark endet das Abenteuer an der Seite Napoleons 1813 mit dem Staatsbankrott, von dem auch die eben erblühte Wirtschaft der Herzogtümer hart betroffen wird, es harrte bis zuletzt aus, um Norwegen nicht an das unter Bernadotte mit den Alliierten verbündete Schweden zu verlieren. Auch Flensburg, das wirtschaftliche Herz Schleswigs und nach Kopenhagen die größte Schifffahrts- und Handelsstadt im Gesamtstaat Dänemark, ist stärkstens angeschlagen, denn sein Export ist vorwiegend nach Norwegen ausgerichtet. Die Stadt erholt sich wieder durch den westindischen Handel, den Import und die Veredelung des Zuckerrohrs, das noch heute die Grundlage für Flensburgs führende Stellung in der Rumindustrie bildet. In der Blütezeit des Rums gab es in Flensburg über 200 Rumhäuser. Heute sind es noch zwei, die die Tradition weiterleben lassen: Das alteingesessene Rumhaus Johannsen in der Marienstraße und das Wein- & Rumhaus Braasch in der Roten Straße mit ihrem eigenen Rum-Museum. Aber Napoleon wollte weiter nach Russland nach Moskau und versuchte Russland wieder in die Kontinentalsperre gegen England zu zwingen. In Hamburg wird es auch unruhig. Aufstände gegen die Besatzungsmacht erfolgten schon am 24. Februar 1813, russische Truppen marschierten am 18. März unter Tettenborn in Hamburg ein. Am 19. März riefen der russische Zar und der preußische König in einer Proclamation an die Deutschen, darunter besonders die deutschen Fürsten, dazu auf, sich dem Kampf gegen Frankreich anzuschließen, und erklärten den Rheinbund für aufgelöst. Später bildet sich eine Sondertruppe. Die Hanseatische Legion war eine Truppe in den Befreiungskriegen, die sich aus Bürgern der drei Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck auf Anregung Tettenborns zusammensetzte. Fürst Blüchers beharrliche Vorwärts-Strategie, mit der dieser gegen das Zögern der drei verhandlungsbereiten Monarchen der Sechsten Koalition im Winter 1813/1814 die Überquerung der Rheingrenze und den Vormarsch auf Paris durchsetzte, führte zur relativ schnellen Niederlage der Franzosen. Den endgültigen Sturz Napoleons führte er durch den Sieg in der Schlacht von Waterloo mit Wellington herbei. Dadurch wurden sie die beiden damals populärsten Kriegshelden der Befreiungskriege in Europa. Vernichtend war vorerst die Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Einige Tage vorher war Bayern im Vertrag von Ried zu Österreich übergegangen und hatte Frankreich den Krieg erklärt. Dann wechselten auch noch die Rheinbundfürsten mit Ausnahme der Könige Sachsens und Westphalens die Seiten. Napoleon zog sich mit den Resten seiner Armee hinter den Rhein zurück und Napoleon schätzte die Lage auch noch falsch ein. Er zweifelte an der Anwesenheit der gesamten Böhmischen und Schlesischen Armeen, da er zum einen immer noch nicht an eine Beteiligung Österreichs glaubte und zum anderen die Schlesische Armee weiter im Norden vermutete. Zur Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 treffen sich bis zu 600.000 beteiligten Soldaten aus über einem Dutzend Ländern bei Leipzig. Die Hanseatische Legion war auch dabei. Es wurden 92.000 getötet oder verwundet. Nur 100.000 Mann zogen sich mit ihm aus Deutschland zurück. Weitere 80.000 Franzosen waren in den belagerten Festungen eingeschlossen und damit ebenfalls verloren. Die Schweiz gewährte den vorrückenden alliierten Armeen freien Durchzug.Kein Wunder, das sich das französische „Empire“ nun in Unordnung befand. Fürst Metternich bot Napoleon nun einen Frieden unter milden Umständen an, der Frankreich die Rheingrenze belassen sollte. Napoleon schätzte das aber falsch ein und lehnte  ab. Zu Jahresbeginn 1814 begann deshalb der alliierte Vorstoß nach Frankreich, der schließlich Napoleon stürzen sollte. 

Am 2. April 1814 sprach der Senat die Absetzung des Kaisers aus. Am 6. April dankte Napoleon zu Gunsten seines Sohnes ab. Das genügte den Alliierten aber nicht, sie verlangten vom Kaiser, bedingungslos abzudanken und boten den Vertrag vom 11. April 1814 zur Unterschrift an. 

Diese Offerte unterschrieb Napoleon unter dem Datum vom 12. April, nachdem er in der Nacht vom 12. auf den 13. April einen Suizidversuch unternommen haben soll. Daraufhin wurde ihm die Insel Elba als Wohnsitz zugewiesen und einzig der Kaisertitel belassen.Napoleons Netzwerk war aber noch intakt. Durch verschiedene Agenten informiert, wusste er genau, dass es in Frankreich nach der Restauration unter Ludwig XVIII. eine weit verbreitete Unzufriedenheit gab. Ermutigt von diesen Meldungen kehrte er am 1. März 1815 nach Frankreich zurück und begann die Herrschaft der hundert Tage. Die Soldaten des 5e régiment d’infanterie, die ihn hätten aufhalten sollen, liefen zu ihm über. Jetzt spielt in der Weltgeschichte der österreichische Außenministers Fürst von Metternich (eigentlich Fürst Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar von Metternich-Winneburg zu Beilstein; * 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien) Unter seiner Leitung berieten sich auf dem Wiener Kongress  politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, darunter alle bedeutenden Mächte Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reiches. Die führende Rolle spielten Russland, das Vereinigte Königreich, Österreich und Preußen sowie das wiederhergestellte Königreich Frankreich und der Kirchenstaat. Die deutschen Fragen wurden angesichts ihrer Komplexität und ihres Umfangs getrennt von den übrigen europäischen Angelegenheiten beraten. Der Wiener Kongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen Europa neu. Nachdem sich die politische Landkarte des Kontinentes als Nachwirkung der Französischen Revolution erheblich verändert hatte, legte der Kongress wiederum zahlreiche Grenzen neu fest und schuf neue Staaten. Aufgeschreckt von den Ereignissen in Frankreich entschieden sich Österreich, Russland, Großbritannien und Preußen daraufhin auf diesem Kongress zum militärischen Eingreifen.  Am 25. März erneuerten sie ihre Allianz von 1814. Trotz vieler Schwierigkeiten gelang es Napoleon, eine gut ausgerüstete Armee aus 125.000 erfahrenen Soldaten auszuheben. Er ließ eine provisorische Regierung unter Marschall Davout  in Paris zurück. Wegen seiner Strenge und Disziplin erhielt Davout den Beinamen „der eiserne Marschall“ und wegen seines strengen Regiments als Generalgouverneur der Hanseatischen Departements mit Sitz in Hamburg (1813–1814) nannte man ihn den „Robespierre von Hamburg“. Napoleon zog mit der starken Truppe los. Wie gewohnt plante er die Gegner nacheinander zu schlagen. Anfangs gelang es ihm bei Charleroi, einen Keil zwischen die britische Armee unter Wellington und die preußischen Truppen unter Blücher zu treiben. Am 16. Juni schlug er die Verbündeten in der Schlacht bei Quatre-Bras und der Schlacht bei Ligny. Das war zwei Tage vor der Schlacht bei Waterloo. Napoleon befehligte 60.800 Mann und hatte ca. 11.000 Tote und Verwundete zu beklagen, Blücher rund 82.700 Soldaten und ca. 14.000 Tote und Verwundete. Napoleon hätte die preußische Armee ja schon vollständig vernichten können, nutzte diese Chance aber nicht, deswegen verlief der Belgienfeldzug ja schon ungünstiger. Während Grouchy zusammen mit den Einheiten Vandammes und Gérards den Auftrag erhielt, Blücher weiter zu verfolgen, verband sich Napoleon mit den Einheiten von Ney und zog Richtung Norden zum Kampf gegen Wellington, den er am Abend des 17. Juni südlich von Waterloo stellte. Waterloo liegt 15 km südlich von Brüssel und gehörte damals aber noch zum Königreich. Das Wetter war ihm aber nicht gut genug, seine Soldaten waren erschöpft, deshalb verschob er den Angriff  auf die Mittagszeit des nächsten Tages. Dies stellte sich später als einen weiteren großen Fehler dar. Während in Waterloo bereits heftig gekämpft wurde, gelang es den Preußen nämlich, ihrem Verfolger Grouchy zu entkommen und Wellington im entscheidenden Moment zu Hilfe zu eilen. Damit war der britisch-preußische Sieg am 18. Juni 1815 auch eine indirekte Folge der Ereignisse, die sich zwei Tage zuvor bei Ligny, in der belgischen Provinz Namur abgespielt hatten. Wellington gelang es, die günstige Stellung gegen alle französischen Angriffe im Wesentlichen zu halten. Die preußischen Truppen unter Marschall Blücher trafen rechtzeitig ein und Napoleon wurde geschlagen. Niemand ahnte, wie vernichtend diese Schlacht für Frankreich verlief. Napoleon verlor im Parlament und bei seinen ehemaligen Getreuen jegliche Unterstützung und trat am 22. Juni 1815 zurück. 

Historisch betrachtet ist man sich über drei Fehler einig, die Napoleon unterliefen:

Zum einen war dies die vertane Chance Wellington zu schlagen. Am Morgen des 17. Juni hätte der französische 100-Tagesherrscher mit seiner Übermacht an Infanterie und vor allem Artillerie Wellington erdrücken können, während die Preußen sich nach Ligny noch auf dem Rückzug befanden. Stattdessen besuchte Napoleon an diesem Morgen Verwundete.

Außerdem unterließ er es, Ney den sofortigen Angriffsbefehl zu geben.

Sein zweiter Fehler war, dass er das taktische Geschick Wellingtons und die Kaltblütigkeit der Briten unterschätzte.

Zum Dritten war er Opfer seines übergroßen Selbstvertrauens. Sein Bruder Jérôme, der von den Plänen der Preußen durch einen Kellner des Gasthofes Roi d’Espagne erfahren hatte informierte  ihn noch. Napoleon hätte deshalb eigentlich Grouchy sofort nach Wavre beordern müssen. In diesem Fall wäre es lediglich dem Korps v. Bülow gelungen, auf dem Schlachtfeld zu erscheinen. Napoleons Fehleinschätzung nach könnte es den Preußen nach der Schlacht bei Ligny nicht gelingen, sich schnell von der Schlacht zu erholen und wieder anzugreifen. 

Er wäre gerne nach Amerika ausgewandert oder hätte um politisches Asyl in Großbritannien ersucht. Stattdessen wurde er auf Beschluss der Alliierten nach St. Helena im Südatlantik verbannt. Die Insel St. Helena im Südatlantik ist 1859 km von Afrika (Angola) und 3286 km von Südamerika (Recife, Brasilien) entfernt. Am 15. Juli 1815 ging der ehemalige Kaiser mit seinen Begleitern an Bord der HMS Bellerophon, die ihn nach Plymouth bringen sollte. Dort bestieg er wiederum die HMS Northumberland mit Kurs auf St. Helena. Krebsbedingt verschlechterte sich der Gesundheitszustand Napoleons zusehends, bis er schließlich am 5. Mai 1821 an fortgeschrittenem Magenkrebs mit Lymphknotenbefall leidend verstarb. Unmittelbare Todesursache war aller Wahrscheinlichkeit nach eine durch das Karzinom ausgelöste starke Magenblutung. Neue Forschungsergebnisse legen darüber hinaus nahe, dass das Karzinom auf Basis einer chronischen Gastritis entstanden (Typ-B-Gastritis bei HP-Infektion) sei. 

Nahe bei Waterloo, auf dem Schlachtfeld in der Gemarkung des Weilers Mont St.-Jean, steht seit 1826 der von König Wilhelm I. (der Niederlande) errichtete Löwenhügel (niederländisch Leeuwenheuvel, französisch Butte du Lion) , ein über 40 m hoher künstlicher Hügel, der an einen Tumulus der antiken Belger erinnern soll und von einem kolossalen gusseisernen Löwen auf steinernem Sockel bekrönt wird. Caesar unterschied die Belger von den Galliern und Aquitanern, den anderen Stammesgruppen in dem von Rom als Gallien bezeichneten Gebiet, welches das heutige Frankreich samt einiger angrenzender Gebiete umfasste. Das Denkmal markiert die vermutliche Stelle, an welcher der Prinz von Oranien während der Schlacht am 18. Juni 1815 verwundet wurde. Am Fuße des Hügels befindet sich heute ein Museum. 

Den Franzosen ist diese Niederlage heute noch ein Dorn im Auge: So gab es in den letzten Jahren mehrere Vorstöße der französischen Regierung, den Bahnhof London Waterloo umzubenennen, um nicht an die Niederlage erinnert zu werden.

2015 verhinderte die französische Regierung die Prägung von belgischen 2-Euro-Gedenkmünzen mit einem Waterloo-Motiv. Solche Münzen würden „zu unnötigen Spannungen“ in Europa und „ungünstigen Reaktionen in Frankreich“ führen, verkündete die französische Regierung und erhob ihr Veto. Die Belgier mussten 180.000 geprägte Münzen wieder einschmelzen.  Fast zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde Napoleon Bonapartes Leichnam am 15. Oktober 1840 exhumiert. Auf der Fregatte Belle Poule wurden die sterblichen Überreste zurück nach Frankreich gebracht und in den Pariser Invalidendom überführt. Er ist dort seit dem 15. Dezember 1840 in einem Sarkophag beigesetzt.

Waterloo erlangte aber auch durch die Musik weltweite neue Bekanntheit. Mit dem Lied Waterloo gewann die schwedische Popgruppe ABBA den Eurovision Song Contest 1974 in Brighton. Der Sieg war der Startschuss für den kommerziellen Erfolg der Popgruppe. 

Napoleon wurde außerdem von so bekannten Schauspielern dargestellt wie Charles Vanel (1927–1929), Werner Krauß (1929 und 1935), Claude Rains (1936), Sacha Guitry/Jean-Louis Barrault (1942), Paul Dahlke (1949), James Mason (1953), René Deltgen (1957), Dennis Hopper (1957), unserem Schleswig-Holstein-Tatort-Kommissar Klaus Schwarzkopf (1968), Eli Wallach (1970), Stacy Keach (1973), Armand Assante (1987), David Suchet (2000) oder Daniel Auteuil (2006). 

 

Ludwig Nissen


 

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