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Eine sehr gelehrte und musikalische Familie - Die Mendelssohns

Fanny Hensel kam am 14. November 1805 zur Welt als ältestes Kind von Abraham Mendelssohn, Sohn des Philosophen und Emanzipators der Juden Moses Mendelssohn und seiner Frau Lea, geborene Salomon, Gebürtig deshalb Fanny Zippora Mendelssohn; getauft Fanny Cäcilie Mendelssohn-Bartholdy).

 

 

 

 

Fanny und ihre Geschwister Felix (geb. 3. Februar 1809 in Hamburg), Rebecka und Paul wuchsen in einem weltoffenen und kultivierten Hause auf. Schon früh zeigte sich die eminent musikalische Begabung der Geschwister Fanny und Felix, die auch die gleiche Ausbildung erhielten. Allerdings stand fest, dass Felix sehr wohl die Musik zum Beruf wählen könne, Fanny dagegen, wie es zu dieser Zeit Mädchen aus "guten (und begüterten) Familien" entsprach, ihr Leben ihrer Familie zu widmen habe. Das hinderte aber in keiner Weise ihre pianistische und kompositorische Fortbildung, die nach 1819 zu einer beachtlichen Reihe von Kompositionen, vor allem von Liedern, Klavier- und Kammermusik wie auch zu größeren vokalen Werken, führte. 
Der Großvater Moses (geb. am 6. September 1729 in Dessau) folgte  schon im Alter von 14 Jahren seinem Lehrer David Fränkel, der als Oberlandesrabbiner berufen wurde, nach Berlin. Man vermittelte ihm den Zugang zur Berliner Gelehrtenwelt und machte ihn vor allem mit der Philosophie der deutschen Aufklärung bekannt. Er befasste sich mit den verschiedensten Sprachen und widmete sich intensiv den Lehren von Gottfried Wilhelm Leibniz. Angeblich beim Schachspiel lernte er den gleichaltrigen Pfarrerssohn und ehemaligen Theologie- und Medizinstudenten Gotthold Ephraim Lessing kennen, der ihn 1754 bei der Publikation eines anonymen Briefes als „eben so witzigen, als gelehrten und rechtschaffnen [Mann]“ bezeichnete. Ein Jahr später sorgte dieser Lessing für die Publikation von Mendelssohns erster deutscher Schrift, den Philosophischen Gesprächen und vermittelte ihm die Bekanntschaft von Friedrich Nicolai, der ihn als Mitarbeiter für seine einflussreiche Zeitschrift Briefe, die Neueste Litteratur betreffend gewann. Dadurch wurde Mendelssohn zu einem einflussreichen Kritiker der neu entstehenden deutschen Literatur. Mit Lessing war er später eng befreundet. 1767 ging Lessing für drei Jahre als Dramaturg und Berater an das Hamburger Nationaltheater und setzte Moses Mendelssohn in der Figur "Nathans des Weisen" , die in Anlehnung an dessen Persönlichkeit entstand, ein unvergängliches Denkmal.
Im Jahre 1767 erschien Mendelssohns philosophisches Hauptwerk, der "Phädon", worin er die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen versuchte. Für dieses Buch erhielt er den Ehrentitel "Sokrates des 18. Jahrhunderts".
Durch seine Bibelübersetzung ins Deutsche (1783) vermittelte Mendelssohn den Juden die Möglichkeit, die Schriftsprache ihrer Umwelt zu erlernen und mit ihr Zugang zu den kulturellen und wissenschaftlichen Erkenntnissen der Zeit zu gewinnen. Sein Aufruf zur Gewährung von Gewissensfreiheit und seine Gedanken über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sind noch heute aktuell. Moses Mendelssohn starb am 4. Januar 1786 und wurde auf dem Berliner Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße beigesetzt. Er war der Vater von Abraham Mendelssohn und damit der Großvater von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Fanny Hensel.
Nach der Heirat 1804 zogen Abraham und Lea Mendelssohn nämlich von Berlin nach Hamburg und nach Fanny wurde Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy am 3. Februar 1809 in Hamburg geboren.
Wegen Schwierigkeiten mit den französischen Besatzern in Hamburg im Zusammenhang mit der Kontinentalsperre floh die Familie Mendelssohn im Frühling 1811, nur wenige Wochen nach Rebeckas Geburt, nach Berlin, wo der Vater zusammen mit seinem älteren Bruder Joseph die Familienbank weiterführte und die verwitwete Großmutter lebte.
In Berlin erhielten Felix und Fanny den ersten Musikunterricht von ihrer Mutter. Die stand in einer unmittelbaren Bach-Tradition weil deren Mutter (also Felix Großmutter) Schülerin des Bach-Schülers Kirnberger gewesen war. Auch die Großtante der beiden Kinder, Sara Levy, Tochter des Berliner Hoffaktors Daniel Itzig, der 1791 als erster preußischer Jude von Friedrich Wilhelm II. das Naturalisationspatent erhielt, vermittelte schon diese Tradition als Schülerin Carl Philipp Emanuel Bachs und Gönnerin Wilhelm Friedemann Bachs.
1821 besuchte Felix Mendelssohn als Zwölfjähriger zusammen mit Carl Friedrich Zelter erstmals Goethe, mit dem er 16 Tage in Weimar verbrachte. Ebenfalls in das Jahr 1821 fällt auch seine erste Bekanntschaft mit Carl Maria von Weber, der in Berlin die Aufführung des Freischütz leitete. Felix gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Er setzte als Dirigent neue Standards, die das Selbstverständnis des Dirigierens bis heute maßgeblich mitprägen. Daneben setzte sich Felix für die Aufführung von Werken Händels und Johann Sebastian Bachs ein. Damit trug er wesentlich zu ihrer Wiederentdeckung und zur Herausbildung eines Verständnisses für die „klassische“ Epoche der deutschen Musik bei. Er gilt als Mitbegründer der historischen Musikpflege und gründete das erste Konservatorium in Deutschland.
Nachdem Felix 1833 Berlin verlassen hatte, übernahm Fanny in eigener Regie die Leitung der "Sonntagsmusiken".
Felix ging auf Reisen. Nach der Komposition des Lobgesangs 1840 und einer sechsten Reise nach England im selben Jahr wurde er 1841 von Friedrich Wilhelm IV. als Kapellmeister zurück nach Berlin berufen. Der preußische König hatte hochfliegende Pläne, Berlin zur Kunsthauptstadt im deutschsprachigen Raum zu machen. Mendelssohns Hoffnungen lagen in einer Reform der Königlichen Akademie der Künste und der Leitung des Domchores. Er gründete 1843 die staatliche Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (kurz HMT Leipzig).  Sie wurde als Conservatorium  gegründet und ist damit die älteste Musikhochschule in Deutschland. Schnell entwickelte sich die Hochschule zu einer der renommiertesten Europas. Felix war damit auch Gewandhauskapellmeister.

Die "Sonntagsmusiken" leitete Fanny nicht nur als Pianistin und Komponisten, sondern vor allem auch als Organisatorin und Dirigentin. Diese Veranstaltungen trugen bis zu Fannys Tod am 14. Mai 1847 das Markenzeichen besonderer Güte im musikliebenden Berlin. Sie leitete gerade die Probe zu einer ihrer Sonntagsmusiken, es wurde gerade „Die erste Walpurgisnacht“ von Felix einstudiert. 
Wie ein Schock wirkte nach Felix Rückkehr die Nachricht vom Tod seiner Schwester Fanny. Er zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und machte mehrere Monate Urlaub in der Schweiz und in Süddeutschland. In Leipzig erlitt er am 9. Oktober einen ersten Schlaganfall. Nach weiteren Schlaganfällen am 25. Oktober und 3. November verlor er das Bewusstsein und verstarb am 4. November 1847 um 21:24 Uhr.
Das Wohn- und Sterbehaus in der Königstraße (heute Goldschmidtstraße 12) in Leipzig ist als Mendelssohn-Haus heute ein Museum und wurde als Ort von nationaler Bedeutung in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen.
Er selbst wurde auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I in Berlin-Kreuzberg neben seiner Schwester Fanny und weiteren Familienangehörigen beigesetzt. Die Grabstätte, als Ehrengrab des Landes Berlin, befindet sich im Feld 1.

Aber zurück zu Fanny. Am 11. April 1847 wurde in Berlin ihr Klaviertrio op. 11, d-Moll, uraufgeführt, es wurde, wie auch andere Kompositionen , posthum gedruckt.
Noch vor der Wieder- und Neu-Entdeckung als Komponistin kannte man Fanny Hensel als Verfasserin lebendiger und witziger Briefe und Tagebücher. Aus den Aufzeichnungen geht auch Fannys kritisches Interesse am politischen Geschehen ihrerv Zeit hervor, und es ist bezeichnend, dass sich eine ihrer letzten Tagebucheintragungen mit Politik befasst, nämlich mit der Eröffnung des Vereinigten Landtages in Preußen 1847:"Nun ist die Politik für die nächste Zeit Alleinherrscherin, alles andere wird unmöglich sein …"
Fannys Gesamtwerk wurde – mit wenigen Ausnahmen – erst 1965 aus Familienbesitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz anvertraut, ein Spiegel ihrer Zeit. 
In Hamburg wurden 1997, das war das 150. Todesjahr, in der Nähe des im Krieg zerstörten Geburtshauses (Große Michaelisstraße 14, 20459 Hamburg) zwei Gedenkplatten mit Porträtreliefs von Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel in einer kleinen Grünanlage an der Ludwig-Erhard-Straße aufgestellt.

Man ging aber nicht immer würdig mit diesen Persönlichkeiten um. Nach der Machtübernahme des NS-Regimes im Jahr 1933 wurden die Werke von Felix kaum noch gespielt. Ein offizielles Verbot existierte zwar nicht, die antisemitische Kampagne der Reichsmusikkammer veranlasste aber die meisten Musiker dazu, die Aufführung jüdischer Komponisten von sich aus zu unterlassen, und führte folglich auch zu einer gezielten Ausgrenzung seiner Musik. Ein Gegenbeispiel hierzu stellte allerdings Wilhelm Furtwängler dar, der im Februar 1934 anlässlich des 125. Geburtstages von Felix den Sommernachtstraum aufführte.
Der Oberbürgermeister von Leipzig Carl Goerdeler trat wegen der Entfernung von Denkmälern (z. B. im November 1936 das Mendelssohn-Denkmal vor dem Leipziger Gewandhaus – wogegen auch Furtwängler öffentlich protestierte) in seiner Abwesenheit von seinem Amt zurück und wurde in der Folge eine der zentralen Figuren des deutschen Widerstands.
Im Hamburger Rathaus schmückte seit 1897 ein Reliefporträt von Mendelssohn Bartholdy eine der Ehrensäulen in der Rathausdiele. Das von Nationalsozialisten entfernte Porträt wurde nach dem Krieg dann wiederhergestellt.

Ein Kreis schließt sich auch mit Rebecka, die liebevoll Beckchen genannt wurde. Sie genoss auch eine musikalische Erziehung und nahm als Sängerin an den familiären Aufführungen mit der königlichen Kapelle am Hof Friedrich Wilhelms III. teil, die ihr Bruder Felix leitete. Man nannte Rebecka Henriette Lejeune Dirichlet, geb. Mendelssohn (* 11. April 1811 in Hamburg; † 1. Dezember 1858 in Göttingen)eine deutsche Salonière. Sie war mit dem Mathematiker Peter Gustav Lejeune Dirichlet verheiratet und Urgroßmutter des Philosophen Leonard Nelson.

Theodor Mommsen