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Kaiser Ludwig der Fromme

Ludwig I. (genannt Ludwig der Fromme, französisch Louis le Pieux; * Juni/August 778 in Chasseneuil bei Poitiers; † 20. Juni 840 in Ingelheim am Rhein), war König des Fränkischen Reiches und Kaiser (813–840).

Er war Sohn und Nachfolger Karls des Großen und führte dessen Reformpolitik zunächst erfolgreich weiter. In Auseinandersetzungen mit seinen eigenen Söhnen zweimal vorübergehend abgesetzt (830, 833/34), gelang es Ludwig dem Frommen jedoch nicht, ein überlebensfähiges fränkisches Großreich zu schaffen – drei Jahre nach seinem Tod wurde das Frankenreich im Vertrag von Verdun (843) aufgeteilt.

Auf einer Synode im Jahr 813 ließ Ludwig den Michaelstag anstelle eines Festes des germanischen Gottes Wotan festlegen. Der Erzengel Michael wurde so zum Schutzpatron des sich langsam bildenden Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands.
Nach dem Tod seines Vaters Karl am 28. Januar 814 zog er dann unverzüglich nach Aachen und trat die Herrschaft im Gesamtreich an. Da er bereits Kaiser war, erübrigte sich 814 ein weiterer Erhebungsakt. Zwar wurde Ludwig der Fromme 816 (wohl am 5. Oktober) in Reims von Papst Stephan IV. gesalbt und nochmals gekrönt, doch hatte dieser Akt keine konstitutive Bedeutung, sondern sollte die Sakralität von Ludwigs Herrschaft betonen.
826 hatte Ludwig den entmachteten Dänenkönig Harald Klak und dessen Gefolge anlässlich der Reichsversammlung in Ingelheim zu Gast. Dieser ließ sich in St. Alban bei Mainz taufen; Ansgar, Bischof von Bremen und Erzbischof von Hamburg, begann in der Folgezeit seine Missionstätigkeit in Skandinavien.
Ludwig der Fromme verstarb am 20. Juni 840 auf einer Rheininsel bei Ingelheim. Ursache war vermutlich ein Magen- oder Speiseröhrenkrebs in Verbindung mit einer Bronchitis.
Der Vertrag von Verdun wurde am 10. August 843 zwischen den drei überlebenden Söhnen Ludwigs des Frommen geschlossen. Diese waren sich uneinig, wer welchen Anspruch auf das Erbe ihres Vaters hatte. Der Vertragsschluss von Verdun gilt als Anfangspunkt einer Entwicklung, die schließlich im hohen Mittelalter zur Entstehung Deutschlands und Frankreichs führte. Den Vertrag von Verdun sehen entgegen der älteren Vorstellung jedoch nur noch einzelne Historiker als „Anfangspunkt der deutschen Geschichte“.
Das Gebiet von der Elbe bis zur Traveregion gehörte danach zum Königreich Ludwigs des Deutschen, dem Ursprung des späteren Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation). Dieser Ludwig ging aus der ersten Ehe seines Vaters mit der Fränkin Irmingard hervor. Er wurde 817 von seinem Vater Ludwig dem Frommen als Unterkönig von Baiern eingesetzt, das er ab 826 selbstständig regierte.

 

Joachim Mähl