A-Z

Ein Emigrant, der es geschafft hat: Ludwig Nissen aus Husum

Während eines der größten Auswanderungswellen in Schleswig-Holstein verließen von 1871 bis 1925 etwa 150.000 Schleswig-Holsteiner ihre Heimat und brachen über die Hafenstädte Hamburg, Bremen oder auch Kopenhagen in die "Neue Welt" auf. Das Auswanderermuseum Hamburg, die BallinStadt informiert hierüber auch eindrucksvoll.

Zu den Schleswig-Holsteinern gehörte auch der sechzehnjährige Husumer Ludwig Nissen, der 1872 auf dem Zwischendeck des Dampfschiffes "Westphalia", das Dampfschiff Westphalia war das dritte Schiff der Hammonia-Klasse der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag), von Hamburg aus die lange Überfahrt nach New York bestritt. Nicht ahnend, dass er fünfzig Jahre später zu einem der erfolgreichsten Auswanderer Schleswig-Holsteins zählen sollte. 

Husum
Husum 2017

Noch heute verweist das Husumer Nordfriesland Museum (vormals NordseeMuseum), das sog. Nissenhaus, auf die überaus bedeutende Integrationsleistung des ehemaligen Husumers. Rund fünfzig Jahre nach seiner Auswanderung besuchte Ludwig Nissen im Jahre 1920 zum ersten Mal wieder Husum. Am 26. Oktober 1924 starb Ludwig Nissen in Brooklyn. Er setzte die Stadt Husum als Erbin seines Vermögens von 2,5 Millionen Mark ein und bestimmte in seinem Testament, dass sein Vermächtnis in erster Linie dem Bau des Ludwig-Nissen-Hauses und damit verbundenen kulturellen Zwecken dienen sollte. Schon vor seinem Tod hatte Ludwig Nissen für dieses Volkshaus eine große Zahl wertvoller Museumsstücke gestiftet, seine Witwe legte nach ihrem Tode noch etwas dazu. 
Das Nordfriesland-Museum thematisierte als erstes Museum 2017 in seiner fast achtzigjährigen Geschichte das facettenreiche Leben seines Stifters in einer großen Sonderausstellung. Die Biografie des Deutsch-Amerikaners wurde nachvollzogen, der nach anfänglichen beruflichen Fehlschlägen schließlich in das internationale Edelstein- und Perlengeschäft einstieg und sich später als erfolgreicher "Selfmade-Man" in den exklusiven Kreisen der New Yorker High-Society bewegte. Bereits zu Lebzeiten verkündete Ludwig Nissen die Absicht, in Husum ein "Volkshaus" mit Bibliothek, Museum und Kunstgalerie bauen zu lassen. Der Bau und die Einweihung des dreistöckigen Museumgebäudes im Jahr 1937 erlebte er jedoch nicht mehr. 


Die Sonderausstellung zeigte nicht nur Teile aus seiner Sammlung zeitgenössischer amerikanischer und europäischer Kunst, sondern führt vielmehr in das berufliche wie private Leben des "Selfmade-Man" ein. Einzelne Stationen der Ausstellung beleuchteten seine Anfänge in der "Neuen Welt" als Schuhputzer, Fleischer und Restaurantbetreiber in Manhattans Einwandererviertel "Little Germany", seinen beruflichen Aufstieg in die anglo-amerikanische Mittel- und Oberschicht Brooklyns und in die New Yorker Wirtschaftselite. Das mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges und nicht zuletzt mit dem Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 auf den Deutsch-Amerikaner Nissen neue Herausforderungen zukamen und seine bislang durchgehende Erfolgsgeschichte auf die Probe stellten, wurde in dieser Ausstellung ebenso thematisiert wie seine vielfältigen Aktivitäten in Vereinigungen und Interessenverbänden. Die umfangreiche Schau zeichnete auch ein Bild der Stadt New York jener Zeit: New York als deutscher Hotspot von Einwanderung und Integration, zwischen Bürgerkrieg und Weltwirtschaftskrise, als aufsteigende schillernde Weltmetropole, die niemals schläft. 

Okarina im Nissen-Haus
Okarina im Nissen-Haus

Ein Ort der Erinnerung an diesen Mann ist also das Nissen-Haus.
  
Herzog-Adolf-Str. 25 · 25813 Husum
Auch eine Straße in der Nähe trägt seinen Namen.

Bernt Notke

 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.