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Loki Schmidt und der Botanische Garten

Hannelore „Loki“ Schmidt, geborene Glaser (* 3. März 1919 in Hamburg; † 21. Oktober 2010 ebenda) war eine deutsche Pädagogin und die Ehefrau des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt, die sich aufgrund ihrer Leidenschaft für Biologie und Natur auch als Botanikerin, Natur- und Pflanzenschützerin betätigte und damit weit über die Amtszeit ihres Ehemannes hinaus in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. 

Im Arbeiterstadtteil Hammerbrook geboren, wuchs Hannelore mit ihrer Schwester Linde und Bruder Christoph in bescheidenen Verhältnissen auf. Als kleines Kind gab sie sich selbst den Spitznamen „Loki“. Sie besuchte ab 1925 die reformorientierte Schule Burgstraße, ab 1929 die musisch geprägte, ebenfalls reformorientierte Lichtwarkschule in Hamburg und begegnete an diesem koedukativen Gymnasium ihrem späteren Ehemann Helmut Schmidt, mit dem sie von Anfang an in dieselbe Klasse ging.

Loki-Schmidt-Büste
Loki-Schmidt-Büste im Loki-Schmidt-Garten

Nach dem Abitur, das sie an der Klosterschule ablegte, da die Koedukation an der Lichtwarkschule aufgehoben worden war, musste Loki Glaser 1937 zum Reichsarbeitsdienst. Ihr Wunsch, Biologie zu studieren, scheiterte an den Studiengebühren, worauf sie Pädagogik für das Lehramt für Volksschulen studierte und dieses nach vier Semestern 1940 abschloss.
Nach der Rückkehr des als Offizier der Wehrmacht an der Ostfront eingesetzten Helmut Schmidt folgte auf ihre Verlobung Ostern 1942 die Eheschließung am 27. Juni 1942 und im Dorf Hambergen die kirchliche Trauung am 1. Juli.
Von 1940 bis 1972 arbeitete Loki Schmidt als Volks-, Grund- und Realschullehrerin.
Zwischen 1974 und 1982 nahm Loki Schmidt protokollarische Aufgaben als Ehefrau des Bundeskanzlers wahr und engagierte sich vor allem für den Pflanzen- und Naturschutz. Nach dem Ende der Kanzlerschaft verstärkte sie ihren Einsatz für gefährdete Pflanzen noch und ließ sich in die Deputation der Behörde für Bezirksangelegenheiten, Naturschutz und Umweltgestaltung in Hamburg wählen.
1976 hatte sie bereits das Kuratorium zum Schutze gefährdeter Pflanzen gegründet, dieses fusionierte mit der Stiftung Naturschutz Hamburg zur Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt (kurz: Stiftung Natur und Pflanzen, heute Loki Schmidt Stiftung). Die Stiftung vergibt seit 1977 als Auszeichnung die „Loki-Schmidt-Silberpflanze“. Der Umweltpreis, der an Menschen vergeben wird, denen der Naturschutz am Herzen liegt, ging auf eine Idee von Kurt A. Körber und Loki Schmidt zurück und wurde von ihr auf Empfehlung der Stiftung auch selbst vergeben. Zudem wählt die Stiftung seit 1980 auch die Blume des Jahres aus und stellt diese vor.

Seit den 1970er Jahren setzte sie sich zudem für den Botanischen Garten in Hamburg und dessen Aufgabe zur Erforschung und Erhaltung biologischer Vielfalt ein.
Für einen 1997 veröffentlichten Bildband Die Botanischen Gärten in Deutschland mit der ersten vollständigen Übersicht der Botanischen Gärten Deutschlands und ihren Sammlungen recherchierte sie zwei Jahre lang und legte 26.000 Reisekilometer zurück.
Loki Schmidt starb, im Beisein ihrer Tochter Susanne, in den frühen Morgenstunden des 21. Oktober 2010 in ihrem Haus im Hamburger Stadtteil Langenhorn.
Am 1. November 2010 fand in der Hamburger Michaeliskirche eine Trauerfeier für Loki Schmidt statt. Unter den 2000 Gästen waren unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Alt-Kanzler Gerhard Schröder, sowie die ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Horst Köhler. Die Trauerpredigt hielt der frühere hannoversche Landesbischof Eduard Lohse, die Liturgie leitete Hauptpastor Alexander Röder. Die Trauerrede hielt der frühere Hamburger Bürgermeister und Freund der Familie Schmidt Henning Voscherau. Im Anschluss an die Trauerfeier wurde Loki Schmidt eingeäschert, die Beisetzung der Urne im Grab der Familie Schmidt auf dem Hauptfriedhof Hamburg-Ohlsdorf erfolgte am 2. November 2010.

Einige Auszeichnungen:
1987: Verleihung der „Goldenen Blume von Rheydt“; ältester deutscher Umweltpreis
1997: Bruno H. Schubert-Preis. Verleihung der Ehrendoktorwürde der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg in Anerkennung für den internationalen Gärtnertausch an dem auch der Botanische Garten St. Petersburg beteiligt ist
1998: Ernennung zum Ehrenmitglied des Freundeskreises Neuer Botanische Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel e.V., Ernennung zum Technischen Leiter ehrenhalber der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Leiter der Botanischen Gärten in Deutschland (AGTL e.V.)
1999: Zum 80. Geburtstag: Verleihung des Ehrentitels Professorin durch den Hamburger Senat für ihre Verdienste um den Pflanzen- und Naturschutz. Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Verbandes Deutscher Botanischer Gärten in Kiel.
2000: Verleihung der Ehrendoktorwürde (Doktor der Naturwissenschaften ehrenhalber) der Universität Hamburg des Fachbereiches Biologie für ein Lebenswerk von herausragender Bedeutung und Engagement in allen Bereichen des wissenschaftlichen und praktischen Naturschutzes.
2003: Benennung der Genbank für Wildpflanzen, Botanischer Garten der Universität Osnabrück, in „Loki Schmidt-Genbank für Wildpflanzen“
2004: Deutscher Umweltpreis durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt als Ehrenpreis für ihre Lebensleistung
12. Februar 2009: Ehrenbürgerin Hamburgs als höchste Auszeichnung der Freien und Hansestadt.
3. März 2009: Zu ihrem 90. Geburtstag am 3. März wurden 90 „Loki-Schmidt-Beete“ in ganz Deutschland angelegt.
30. März 2009: Eröffnung des neuen Museums für Nutzpflanzen der Universität Hamburg als „Loki-Schmidt-Haus“ im botanischen Garten Klein Flottbek
1. August 2012: Die Schule Othmarscher Kirchenweg, an der Loki Schmidt 13 Jahre unterrichtet hatte, wird in Loki-Schmidt-Schule umbenannt.
23. Oktober 2012: Der Botanische Garten Hamburg wird in Loki-Schmidt-Garten umbenannt.

 

Paul von Schoenaich