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Die kreativen Seiten des Karl May

Einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache und laut UNESCO sogar einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller war Karl May. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland.


Karl Friedrich May (* 25. Februar 1842 in Ernstthal; † 30. März 1912 in Radebeul; eigentlich Carl Friedrich May) studierte ab 1856 als Proseminarist am Lehrerseminar in Waldenburg an der Zwickauer Mulde. 1860 ist er erstmals aktenkundig geworden wegen des Diebstahls von 6 Kerzen. Kurzzeitig war er dann Lehrer in Altchemnitz. Seine Lehrerlaufbahn endete aber bereits nach wenigen Wochen, als die Anzeige eines Zimmergenossen wegen „widerrechtlicher Benutzung fremder Sachen" zu einer sechswöchigen Haftstrafe führte. Möglicherweise lag aber nur ein Missverständnis vor. Bereits so gestrauchelt kam es 1864 zu verschiedenen Gaunereien. In der Folge wurde er wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei steckbrieflich gesucht. 1865 wurde er zu vier Jahren Arbeitshaus verurteilt, von denen er dreieinhalb Jahre im Arbeitshaus Schloss Osterstein in Zwickau verbüßte. Aufgrund guter Führung wurde er „besonderer Schreiber“ des Gefängnisinspektors Alexander Krell, dem er für Fachaufsätze zuarbeitete. Für seine eigene geplante Schriftstellerkarriere legte er in dieser Zeit eine Liste mit über hundert Titeln und Sujets an (Repertorium C. May), von denen er einige nachweislich umsetzte.

Karl May
Briefmarke Karl May

Nach seiner Freilassung kam er aber nicht wieder richtig auf die Füße. Im Januar 1870 wurde er schließlich im böhmischen Niederalgersdorf wegen Landstreicherei festgenommen. Auf dem Polizeirevier nannte er sich Albin Wadenbach, behauptete, er komme von der Insel Martinique, sei der Sohn eines reichen Plantagenbesitzers und habe seine Personalpapiere auf seiner Reise nach Europa verloren. Erst nach einer mehrwöchigen Identitätsfeststellung wurde er als der gesuchte Kleinkriminelle Karl May erkannt und nach Sachsen überstellt. Von 1870 bis 1874 saß er im Zuchthaus Waldheim ein.
1874 oder 1875 wurde zum ersten Mal eine Erzählung von ihm (Die Rose von Ernstthal) veröffentlicht. Nun stellte ihn der Dresdner Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer  als Redakteur in seinem Verlag ein, wo er unter anderem die Zeitschriften Der Beobachter an der Elbe und Schacht und Hütte herausgab. Damit war sein Lebensunterhalt erstmals gesichert.
Fünf Jahre nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus wurde Karl 1879 in Stollberg wegen angeblicher Amtsanmaßung zu drei Wochen Arrest verurteilt, er hätte sich als Beamter ausgegeben. Erst später konnte man nachweisen, dass die Verurteilung ein Fehlurteil gewesen war, weil er keine Amtshandlung vorgenommen hatte.
Der entscheidende Durchbruch kam für May mit dem Kontakt zu Friedrich Ernst Fehsenfeld. Dieser Verleger ließ unter anderem das Dschungelbuch von Rudyard Kipling, Wolfsblut von Jack London und Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson ins Deutsche übersetzen und veröffentlichte diese Romane in seiner Reihe „Welt der Fahrten und Abenteuer“.
Erfolgreich begann man 1892 die Reihe Carl May’s Gesammelte Reiseromane (ab 1896 Karl May’s Gesammelte Reiseerzählungen) und Karl May erlangte erstmals finanzielle Sicherheit und Ruhm.

 

 

 

 

Bald konnte er aber nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Er verstieg sich mehr und mehr in die „Old-Shatterhand-Legende“. Er behauptete nicht nur wie in seinen Romanen, selbst Old Shatterhand zu sein und die Inhalte der Erzählungen tatsächlich erlebt zu haben, sondern ließ von einem Kötzschenbrodaer Büchsenmacher sogar die legendären Gewehre seiner Romanhelden für sich anfertigen: zunächst den „Bärentöter“ und Winnetous „Silberbüchse“, später auch den „Henrystutzen“.
Das Mittel der Übertreibung versuchte er zu nutzen als er sich ab 1896 im „Allgemeinen deutschen Litteratur-Kalender“ von Joseph Kürschner als Übersetzer aus dem Arabischen, Türkischen, Persischen, Kurdischen und verschiedenen Indianerdialekten, später auch aus dem Chinesischen anführen ließ. Im Juli 1897 ging es weiter, indem er vor zahlreichen Zuhörern erklärte, er beherrsche 1200 Sprachen und Dialekte und sei als Nachfolger Winnetous der Befehlshaber über 35.000 Apachen. Den Umgang mit Personen, die seine Behauptungen hätten widerlegen können, mied er.
Seit etwa 1875 führte Karl May sogar einen Doktorgrad, ohne je promoviert oder auch nur eine Universität besucht zu haben. Dieser Grad wurde auch in Autorenverzeichnisse und im Melderegister aufgenommen.
Wikipedia berichtet weiter: 1898 fehlte plötzlich der Doktorgrad im „Adreßbuch für Dresden und seine Vororte“; May bat um Korrektur und wurde mit der Frage nach einem Nachweis konfrontiert. Er erklärte, die Universität Rouen habe ihm den Grad verliehen. Außerdem habe er eine wenigstens gleichwertige chinesische Würde. Dennoch wurde ihm das Führen des Grads untersagt. May ließ die Sache mit dem Adressbuch auf sich beruhen, führte privat aber den Titel weiter. Im Herbst 1902 kümmerte sich vermutlich seine spätere Ehefrau Klara Plöhn wieder um die Angelegenheit, und May erhielt eine aufwendig gestaltete Urkunde – datiert vom 9. Dezember 1902 – über eine Ehrendoktorwürde der Deutsch-Amerikanischen Universität in Chicago für das Werk Im Reiche des silbernen Löwen.
In den Jahren 1899 und 1900 bereiste Karl May erstmals tatsächlich den Orient.
Die große Anerkennung erfuhr er am 22. März 1912, als er auf Einladung des Akademischen Verbandes für Literatur und Musik in Wien den pazifistischen Vortrag Empor ins Reich der Edelmenschen hielt. Dabei kam es auch zum Zusammentreffen mit der befreundeten Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, die nach Mays Tod am 5. April in der Zeit den Nachruf Einige Worte über Karl May veröffentlichte.

Am 30. März 1912, nur eine Woche nach seiner Wiener Rede, starb Karl May.
Seine Abenteuerromane und Jugenderzählungen wurden in mehr als 46 Sprachen (Stand 2013) übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von über 200 Millionen. Sie schildern Reisen zu exotischen Schauplätzen, wie in den Wilden Westen und den Vorderen Orient. Er wendet sich von einem christlichen Standpunkt dem Schicksal der unterdrückten Völker zu. Dabei wählte er für die Hauptdarsteller die Form des Ich-Erzähler im Wilden Westen, im Vorderen Orient und in Deutschland, die mit den jeweils in diesen Regionen gebräuchlichen (Kriegs-)Namen auftreten. So identifizierte er die drei Figuren Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Charley mit einem gewissen Dr. Karl May in Dresden.

Mays bekannteste Figur Winnetou, Häuptling der Mescalero-Apachen, verkörpert den tapferen und edlen Indianer, der mit seiner „Silberbüchse“ und seinem Pferd Iltschi für Gerechtigkeit und Frieden kämpft. Dabei wird er meist von seinem weißen Freund und Blutsbruder Old Shatterhand begleitet, aus dessen Erzählperspektive die Geschichten um Winnetou oft verfasst sind.
Das erfolgreichste und bekannteste Buch Karl Mays (1890/91) trägt den Titel Der Schatz im Silbersee. Es wurde bereits mehrmals verfilmt: erstmals 1962 als Realfilm unter dem Originaltitel mit Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou und 2016 für RTL mit Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle, Gojko Mitic spielte den Intschu tschuna .
Zu den ältesten und einfachsten Spielen unserer Kinder gehören die Cowboy-und-Indianer-Spiele, bei dem auch seine Helden verkörpert werden.
Die Karl-May-Spiele Bad Segeberg sind die führenden Karl-May-Spiele. Jedes Jahr wird einer von Karl Mays Abenteuerromanen im Kalkbergstadion von Bad Segeberg aufgeführt. Zu den bekanntesten Schauspielern hier gehörten lange Jahre Pierre Brice und Gojko Mitic.
Im Indian Village, gleich neben dem Freilichttheater am Kalkberg, lässt eine authentische Westernstadt mit Barber-Shop, Drugstore, Krämerladen, Sheriffbüro und Saloon die Atmosphäre um 1888 im Wilden Westen nachempfinden. Im „Nebraska-Haus“ wird die Ausstellung „Die Welt der Indianer“ präsentiert.

Theodor Mommsen