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Kaiser Karl IV die Pest und das Marzipan

Der größte römisch-deutsche Kaiser des Spätmittelalters war wohl Karl IV. (tschechisch: Karel IV.; * 14. Mai 1316 in Prag; † 29. November 1378 ebenda). Unstrittig ist, dass Karl hochintelligent und ein hervorragender Diplomat war und dass er Künste und Wissenschaften förderte. Als Wentscheslaw wurde er geboren, war römisch-deutscher König (ab 1346), König von Böhmen (ab 1347) und König von Italien (seit 1355).


1348 gründete er in seiner Heimatstadt die erste deutsche Universität.
Ein Gegenkönig verzichtet noch 1349 da wütet die Pest in Deutschland. Der "Schwarze Tod" entvölkert ganze Landstriche. Das Hamburg-Museum und das Hanse-Museum stellen dies eindrucksvoll nach.

Über die Pest in Lübeck berichten wir auch hier ….
1355 wird er dann Kaiser.

Kaiser Karl IV
Kaiser Karl IV bei Niederegger Lübeck

Auf seinen Reisen bekam er viele kostbare Geschenke, 1368 bei einem Besuch im toskanischen Siena mit Blattgold überzogene Marzipan-Brote, damals eine beliebte Kostbarkeit, die neben jedem Schmuckstück bestehen konnte.
Der wohl bedeutendste Akt in Karls Regierung, die Verabschiedung der Goldenen Bulle 1356, war erst nach schwierigen Verhandlungen möglich. Die Bulle regelte unter anderem das Wahlverfahren jedes zukünftigen römisch-deutschen Königs und setzte die Anzahl und Namen der Kurfürsten fest. So wurde sie zum „Grundgesetz“ des Reichs bis zu seinem Untergang 1806. (Das Männleinlaufen an der Nürnberger Frauenkirche erinnert heute noch daran.)
Im Norden wurde Karl auf die Hanse aufmerksam und besuchte vom 20. Oktober bis 30. Oktober 1375  als erster römisch-deutscher Kaiser seit Friedrich I. die Stadt Lübeck.
Das wurde bis heute nicht vergessen.
Der bedeutendste Hersteller Lübecker Marzipans Fa. Niederegger hat seine Figur aus Marzipanmasse bei sich ausgestellt.
"Siehe, es ist gekommen der Herrscher" jubilierten die Lübecker stimmgewaltig am 22. Oktober 1375 im Dom. Sie begrüßten ihn und seine Gemahlin, das war damals seine vierte und letzte Frau Elisabeth von Pommern. Der "Herrscher" revanchierte sich später für diesen schmeichelhaften Empfang. Er nahm an einer Ratssitzung teil und begrüßte die Ratsherren als "Herren". Als diese, von soviel Huld überrascht, bescheiden abwehrten, wiederholte der Kaiser: "Ihr seid Herren" und begründete, dass nur den Magistraten der großen Städte Rom, Venedig, Pisa, Florenz und Lübeck dieser Titel zustehe. Den Lübeckern hat sich diese diplomatische Schmeichelei eingeprägt wie der gesamte Besuch, ein Kaiser kam ja nicht oft zu Besuch. Und dies stand auch alles sehr genau in der Lübecker Rats-Chronik. Danach wurde der Empfang des Kaisers so inszeniert: Am 22. Oktober erschien der kaiserliche Zug vor dem Burgtor. In der Gertrudenkapelle wechselten die Herrschaften ihren Reiseanzug mit dem Festkostüm. Von dort begann die Empfangsprozession, die durch das Burgtor die Breite Straße entlang zunächst nach dem Dome ging, und von dort nach erledigtem Gottesdienst zur Johannisstraße, wo die durch einen dekorierten Brückengang über die Straße weg verbundenen zwei nördlichen Eckhäuser der Königsstraße zum Quartier für beide Majestäten eingerichtet waren. Das Gebäude ist die heutige Löwenapotheke. Den Anfang im Zuge  machte ein Ratsherr zu Pferde mit den Stadtschlüsseln, hinter ihm ritt der Markgraf von Brandenburg mit dem Reichszepter, dann der junge Markgraf Albrecht von Meißen mit dem Reichsschwert, darauf unter einem von vier Ratsherrensöhnen getragenen Brokathimmel der Kaiser, dem die zu Fuß gehenden Bürgermeister das Pferd führten; darauf der Erzbischof von Köln mit Reichsapfel; darauf wieder unter einem von vier Ratsherrensöhnen getragenen Brokathimmel die Kaiserin, der zwei zu Fuß gehende Ratsherren das Pferd führten, darauf Herzog Albrecht von Mecklenburg(Vater des Königs von Schweden), die Holsteiner Grafen Eisenheinrich und Klaus, Söhne Gerhards des Großen, der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der Herzog von Oberlothringen, der Markgraf von Mähren und viele andere Herren. Innerhalb des Burgtors machten die Mönche der Lübecker Klöster den Empfang, auf der Breiten Straße die Frauen und Jungfrauen im besten Putz, vom Dom aus kam die gesamte Geistlichkeit entgegen. Zehn Tage lang feierten die Lübecker den Besuch des Kaisers, machten die Nacht zum Tag, genossen prächtige Ritterspiele, üppiges Festessen, glanzvolle Tänze, Gaukler und allerlei Mummenschanz. Aus der Großzügigkeit und dem offenbaren Reichtum seiner Gastgeber zog der Kaiser höchst eigenwillige Konsequenzen. Mit etwas Abstand zum Besuch machte er aus den bis dahin außerordentlichen Steuern bei Reichskriegen oder zur Aussteuer der Prinzessinnen ordentliche jährliche Steuern. 
Die Lübecker haben es ihm wahrscheinlich aber verziehen. 1452 wurde nämlich der bronzene Beischlag, die Wange der Bank vor dem Rathaus mit seinem Bild versehen.  
Aber, zu seiner Zeit gab es auch die ersten Judenpogrome. Man suchte für die Pest in Deutschland nach Verursachern. Medizin und Hygiene waren noch lange nicht so weit. Die verzweifelten Menschen suchten nach der Ursache. Deshalb wurde der Behauptung, die Juden hätten Brunnen vergiftet, oft Glauben geschenkt und dieser nun fürchterlicherweise umgesetzt. Während der Judenpogrome in Deutschland 1349, der so genannten Pestpogrome, machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig.

 

 

 

 

Wolfgang Kieling

 

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