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Jungius und Leibniz- Zwei Wegbereiter der modernen Wissenschaften

Der wohl bedeutendste Philosoph und Wissenschaftler der Aufklärung war offenbar Gottfried Wilhelm Leibniz. 
Auf ihn gehen offenbar auch die Kekse aus Hannover zurück, das ist auch eine nette Geschichte.

Butter-Cakes nannte Hermann Bahlsen 1891 seine Kekse mit Buttergeschmack, die damals schon international vermarktet wurden.
Und eine Aufgabe, die sich der universale Geist Leibniz damals stellte war die Suche nach einem haltbaren Produkt zur Verpflegung von Soldaten. Dabei war er auf Zwieback gestoßen. Hermann Bahlsen machte daraus eine Werbekampagne 
Der Werbeslogan für die Butterkekse lautete 1898: „Was ißt die Menschheit unterwegs? Na selbstverständlich Leibniz Cakes!“ Aufgrund fehlender Englischkenntnisse sprachen viele Kunden das Wort Cakes nämlich deutsch („Ka-kes“) aus, sodass Bahlsen die Schreibweise später in Keks änderte.
Soweit so gut. Das war ja aber nicht die Berufung von Leibniz.

Briefmarke Leibniz
Briefmarke Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz (* 21. Junijul./ 1. Juli 1646greg. in Leipzig; † 14. November 1716 in Hannover) wurde zum eigentlichen Begründer der neueren deutschen Philosophie. In der Weite seines geistigen Horizontes überragte er alle Denker seiner Zeit. Seine Vielseitigkeit und seine zukunftsweisenden Leistungen auf fast allen Wissensgebieten sind in der deutschen Geistesgeschichte ohne Beispiel. Er vereinigte in sich einen Philosophen, einen Theologen, den Mathematiker, Politiker, Historiker, Physiker und Techniker. Zugleich war er ein eher konservativer Mann: er hatte Sinn für das Gewicht geschichtlicher Kontinuität. So bemühte er sich, das Erbe des christlichen Mittelalters, das seine Zeit noch besaß, mit den Gegebenheiten damals moderner Wissenschaft und Politik zu verschmelzen. Mehrfach nannte er als Vorbild den Lübecker Joachim Jungius.
Nicht mit Rum bekleckerte er sich als Diplomat, agierte sogar als Kriegstreiber. 1672 reiste er nämlich nach Paris. Dort unterbreitete er dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. einen Plan für einen kreuzzugähnlichen Eroberungsfeldzug gegen Ägypten. Sein Kalkül war diesen von den geplanten Eroberungskriegen in Europa abzubringen. Der König lehnte diesen Plan ab; über einhundert Jahre später jedoch setzte Napoléon Bonaparte den Leibniz'schen Plan in der Ägyptischen Expedition um.
Mit 15 Jahren begann er ein Philosophie und Rechtsstudium, mit zwanzig erhielt er den Doktorgrad.
1672/73 vollendete Leibniz Arbeiten an seiner Rechenmaschine mit Staffelwalze für die vier Grundrechenarten, führte diese vor der Royal Society in London vor und wurde auswärtiges Mitglied dieser berühmten Gelehrtengesellschaft. Das von Leibniz weiterentwickelte duale Zahlensystem legte den Grundstein zur rechnergestützten Informationstechnologie des 20. Jahrhunderts.
Im weiteren Sinne war Leibniz wegbereitend für die Rechenmaschine im heutigen Sinne, den Computer. Er entdeckte, dass sich Rechenprozesse viel einfacher mit einer binären Zahlencodierung durchführen lassen, und ferner, dass sich mittels des binären Zahlencodes die Prinzipien der Arithmetik mit den Prinzipien der Logik verknüpfen lassen.

Auch in diesem Zusammenhang bezog er sich öfter auf Joachim Jungius.

Joachim Jungius (eigentlich Joachim Junge; * 22. Oktober 1587 in Lübeck; † 23. September 1657 in Hamburg) war ein deutscher Mathematiker, Physiker und Philosoph.

Nach der Schulausbildung am Katharineum zu Lübeck studierte Jungius mit 19 Jahren Metaphysik, zunächst von 1606 bis 1608 an der Universität Rostock, danach in Gießen. 1609 erhielt er dort eine Professur für Mathematik, die er bis 1614 innehatte. 1616 kehrte er nach Rostock zurück, um ein Medizinstudium aufzunehmen, das er schließlich 1619 an der Universität Padua abschloss.


Briefmarke Jungius
Briefmarke Jungius

 

Mit Mathematik beschäftigte er sich von 1624 bis 1625 und erneut von 1626 bis 1628 an der Universität Rostock als Mathematikprofessor, dazwischen kurz an der Academia Julia in Helmstedt als Professor für Medizin. 1629 schließlich zog er nach Hamburg und wurde dort Professor für Naturwissenschaften. 

Er übernahm auch zwischen 1629 und 1640 das Rektorat des Johanneums, einer Lateinschule, und des unter demselben Dach untergebrachten Akademischen Gymnasiums.Eine wesentliche Leistung war seine 1630 verfasste und 1642 publizierte Dissertation Doxoscopiae Physicae Minores.Darin  verwarf er die vier Elemente des Altertums (Feuer, Erde, Luft und Wasser) und die drei der Alchemie (Quecksilber, Schwefel, Salz). Ebenso verwarf er die uralte Idee der Alchemisten, Gold durch Umwandlung der Metalle zu gewinnen. Chemische Elemente seien einheitliche, nicht weiter zerlegbare Stoffe. Alchemisten trafen sich trotzdem immer noch meist in Geheimbünden.Er beschäftigte sich mit der Atomistik und trug zur Begründung der Chemie als Naturwissenschaft bei. Sein wohl wichtigstes Werk Logica Hamburgensis (1638) beschäftigt sich mit der Erneuerung der Logik.Auch der Nachweis, dass die Kettenlinie keine Parabel ist, wie bis dahin unter anderem von Galilei angenommen, wurde 1639 von ihm erbracht.Leibniz, zeitweilig Mitglied eines Nürnberger alchimistischen Geheimbundes, hebt ihn wiederholt unter seinen Vorbildern hervor und nennt ihn etwa in einer Reihe mit Aristoteles und Descartes.In seinem Testament stiftete Jungius ein Stipendium für Studierende der Mathematik und Philosophie. Jährlich erhielten dieses Stipendium sechs Studierende, die dafür seine hinterlassenen Manuskripte ordnen und vervollständigen sollten.Die Jungius-Stiftung ist auch immer noch aktiv. 

Heidi Kabel