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Hermann Claudius

Hermann Claudius, (* 19. Oktober 1878 in Langenfelde bei Hamburg; † 8. September 1980 in Grönwohld bei Trittau, Kreis Stormarn), Urenkel von Matthias Claudius arbeitete von 1900 bis 1934 als Volksschullehrer.

Nach seiner Frühpensionierung infolge eines Motorradunfalls, der allmählich zur Taubheit führte, war er freier Schriftsteller.

Das Stormarner Dorfmuseum, Hoisdorf, widmet ihm eine besondere Ausstellung, sein Wirken ist aber umstritten: Zum einen wurde Claudius nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Mai 1933 Mitglied der Sektion Dichtung in der gesäuberten Preußischen Akademie der Künste. Davor war er noch SPD-Mitglied. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. Er war Vorstandsmitglied des 1936 gegründeten Eutiner Dichterkreises, einer der bedeutendsten Autorengruppen in Nazi-Deutschland. Ebenso nahm er als Gast an den Lippoldsberger Dichtertagen des völkischen Autors Hans Grimm teil. Seine Veröffentlichungen in der Zeit des Nationalsozialismus schwankten zwischen innerlicher Frömmigkeit und literarischer Unterstützung des NS-Regimes, so zum Beispiel in einem Gebet für den „Führer“, das 1940 unter dem Titel Deutschland erschien und 1944 in Gerhard Schumanns Anthologie Lyrik der Lebenden aufgenommen wurde: „Herrgott steh dem Führer bei, / Daß sein Werk das deine sei“. In der Krakauer Zeitung, dem NS-Propagandablatt des Generalgouvernements war Claudius mit mehr als 50 Texten vertreten.

Zum anderen gratulierte ihm 1973 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt zum 95. Geburtstag mit den Worten: „Ihr umfangreiches Werk gehört zum besten literarischen Besitz unseres Volkes“.

Matthias Claudius