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Henry Vahl - der Spätzünder

Henry Vahl, dieser markante, komisch und kauzige Volksschauspieler wurde am 26. Oktober 1897 in Stralsund als ältestes von vier Kindern des Seemanns Franz Vahl geboren.  (* 26. Oktober 1897 in Stralsund; † 21. Juli 1977 in Hamburg) Sein Bruder war der Schauspieler Bruno Vahl-Berg, seine Schwester Lissy die Mutter des Schauspielers Edgar Bessen.

1916 spielte er seine erste Hauptrolle im Stück Peterchens Mondfahrt, er arbeitete zunächst seit 1915 auch bei der Kieler Howaldtswerft, um den Kriegsdienst zu vermeiden, bevor es ihn 1918 nach Lübeck verschlug.

Dort eröffnete am 1. März 1906  das Hansa-Theater in der Moislinger Allee 18a, ein repräsentativ ausgestattetes Haus mit 2000 Sitzplätzen. Das war der alte Circus Reuterkrug. Auch im neuen Theater fanden wieder in die Varietévorstellungen integrierte Filmvorführungen statt, die jedoch ein Programmpunkt unter vielen blieben. Das Hansa-Theater war hauptsächlich Operettenbühne. Später kamen die Holstentor-Lichtspiele in dieses Haus, heute steht hier ein Neubau mit einem Supermarkt drin.
Henry Vahl spielte hier jedenfalls.  Entsprechend den Lübecker Gesetzen durfte es, damit dem hiesigen Stadttheater Theater keine Konkurrenz erwuchs, ausschließlich der leichten Muse zugeordnete Stücke aufführen, die keinerlei belehrenden oder aufbauenden Charakter haben durften. Zusätzlich galt ein Spielverbot für Bühnenstücke während der laufenden Spielzeit des Stadttheaters. Während dieser Zeit lernte er hier die Ballett-Tänzerin Germaine Koch kennen und verlobte sich mit ihr. Zusammen gingen sie nach Braunschweig und heirateten dort am 31. Januar 1925. Engagements hatte er in Bernburg an der Saale und kleinere Rollen bei Max Reinhardt in Berlin und Auftritten als Filmkomparse am Deutschen Theater unter Reinhardts Nachfolger Heinz Hilpert engagiert wurde. Zusammen mit Germaine bekam er ein Engagement im damals noch deutschböhmischen Karlsbad im heutigen Tschechien. Er feierte dort im November 1941 sein 25 jähriges Bühnenjubiläum. Die neuen deutschen Verhältnisse holten das Paar jedoch ein. Im gleichen Monat verlor Germaine die Anstellung, sie galt als Halbjüdin und versteckte sich danach in der Nähe von Ratzeburg in einer Gartenlaube.  1943 wurde Henry dann trotzdem zum Wehrdienst eingezogen und trat bei der Truppenbetreuung an der Ostfront auf. 

Nach dem Krieg zogen beide, sie hatten den Krieg sonst heil überlebt wieder nach Berlin.
Erst 1950 begannen ihre Hamburger Jahre. Erst trat er im Flora-Theater, dann im Theater im Zimmer von Helmuth Gmelin auf, außerdem in Friedrich Schütters Jungem Theater (dem heutigen Ernst-Deutsch-Theater). Erst hier wurde er zum beliebten Volksschauspieler, der in komischen Rollen vor allem kauzige, ältere Typen spielte. Das begann nämlich erst so richtig als im März 1958 am Ohnsorg-Theater das Stück „Meister Anecker“ von August Lähn unter der Regie von Walter Scherau mit Jochen Schenck in der Titelrolle und Otto Lüthje in der Rolle des Schustergesellen Matten aufgeführt werden sollte. Otto Lüthje erkrankte kurz vor der Premiere und das Theater holte Henry Vahl als Ersatz.
Er blieb bis 1972 beim Ohnsorg-Theater und trat er in mehr als 100 Rollen hier auf, oftmals zusammen mit Heidi Kabel. Besonders bedeutsam waren die Titelrollen in „Schneider Nörig“ und „Vater Philipp“, dem Hamburger Original "Zitronenjette", Ewald Brummer in „Tratsch im Treppenhaus“ und Mandus Sötje in „Mien Mann, de fohrt to See“.
Die vielen Fernsehübertragungen der Theateraufführungen im NDR zum Beispiel traditionell an jedem Neujahrsmorgen machten ihn bundesweit sehr populär und zum Publikumsliebling, dem Fernseh-Opa".
Er erzielte 1967 die Auszeichnung „Bronzener Bildschirm“. Zusätzlich, von 1962 bis in die 1970er Jahre hinein trat er häufig in der beliebten NDR-Unterhaltungsshow Haifischbar auf.
Seine zunehmenden Altersbeschwerden sollten offenbar zu nachlassenden Besetzungen im Ohnsorg-Theater führen und man trennte sich.
Obwohl er sich seine Texte inzwischen immer schlechter merken konnte, begann er 1973 noch einmal am St. Pauli Theater aufzutreten. Dort spielte er noch 43 Mal im „Meister Anecker“ und ab 1974 noch 168 Mal die „Zitronenjette“. 
Seine Frau Germaine starb 1975 und  im Februar 1976 erlitt Henry einen Schlaganfall. Der war so heftig, dass er sich nicht mehr davon erholen konnte. So starb er am 21. Juli 1977 im Alter von 79 Jahren in Hamburg an Kreislaufversagen.
Sein Grab (Nr. AD5/158-159) befindet sich neben dem seines Bruders Bruno Vahl-Berg auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Jan van Valckenburg

 

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