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Heinrich Rantzau und Wandsbek

Heinrich Rantzau, auch: Heinrich Ranzow, Pseudonym: Christianus Cilicius Cimber, (* 11. März 1526 auf der Steinburg; † 31. Dezember 1598 auf Schloss Breitenburg) war von 1556 bis 1598 Statthalter (produx cimbricus) des dänischen Königs für die königlichen Anteile an den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

Er war ein bedeutender Vertreter der Renaissance und des Humanismus im deutsch-dänischen Bereich und trat als Finanzier und politischer Berater unter drei dänischen Königen hervor, außerdem als Ökonom und Bauherr, als Verbesserer der Gutswirtschaft, als Geograph, als Autor und als Korrespondent bedeutender Zeitgenossen. In seinem Entwurf eines europäischen Generalfriedens auf der Grundlage der Glaubens- und Gewissensfreiheit war er seiner Zeit weit voraus.

Ab 1548 befand sich Heinrich Rantzau im Gefolge von Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf am Hof Kaiser Karls V. 
Im Jahre 1554 heiratete Heinrich Rantzau Christine von Halle aus dem Braunschweigischen. Sie soll eine Mitgift von vier Tonnen Gold (ca. 400.000 Taler) in die Ehe eingebracht haben, eine der Grundlagen späterer Kreditgeschäfte Rantzaus und seiner Frau.
König Christian III. ernannte den noch nicht 30-Jährigen 1554 zum königlichen Rat, ein Jahr später zum Amtmann von Segeberg. Als solcher bezog er die königliche Burg auf dem Kalkberg, begann aber bald mit der Errichtung eines eigenen Stadthauses.
Als der Kopenhagener Hof 1559 durch die Thronbesteigung von König Friedrich II. mit sich selbst beschäftigt war, sah Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf die Gelegenheit gekommen, um die Schmach von Hemmingstedt zu tilgen und sich das reiche Dithmarschen zu unterwerfen. Heinrich Rantzau bewies hier zum ersten Mal sein staatsmännisches Geschick. Er informierte zunächst seinen Vater Johann Rantzau und dann die weiteren Regenten Schleswig-Holsteins, nämlich den eben inthronisierten König Friedrich II. sowie Herzog Johann d.Ä. von Schleswig-Holstein-Hadersleben, so dass es zum gemeinsamen und diesmal erfolgreichen Angriff auf die Bauernrepublik kam, die unter den drei Siegern aufgeteilt wurde. Eine Beschreibung dieses Feldzugs, an dem er persönlich teilgenommen hat, veröffentlichte er 1570 unter dem Pseudonym Christianus Cilicius Cimber in lateinischer Sprache zu Basel.
Rantzau mehrte das ererbte und erheiratete Vermögen gezielt, indem er sich u.a. auf dem Kieler Umschlag als Kreditgeber betätigte.
Als Bewirtschafter zahlreicher Güter unter anderem auch Wandsbek profitierte Rantzau außerdem von der Preisrevolution des 16. Jahrhunderts: Der Getreidepreis hatte sich binnen weniger Jahrzehnte fast verdreifacht. 
Als Dürre das Getreide in Italien und Spanien verknappte, waren Rantzaus Schiffe schneller dort als die der Hanse. Die starke Teurung wirkte sich zuungunsten kleinerer Bauern aus, die verkaufen mussten und wohl oder übel in die Leibeigenschaft gingen.
Weitere wichtige Einnahmequellen waren die Schweinemast und der Betrieb von Mühlen für Getreide, Papier, Kupfer, Öl und Pulver. Auch der Abbau des Segeberger Gipses war für Rantzau eine „Goldgrube“. Zu seinem Lebensende war er etwa 20facher Gutsherr und hatte sein Vermögen nahezu verdreifacht.
Der Rantzaustein (1573) in Wandsbek ist Hamburgs ältester erhalten gebliebener Grenzstein.

Tilman Riemenschneider