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Graf Schimmelmann und sein Wirken in Ahrensburg und Wandsbek

Die Familie Schimmelmann war eine deutsche bürgerliche Familie, die von Mecklenburg über Pommern nach Dänemark gelangte und dort im 18. Jahrhundert in den Adelsstand erhoben wurde. Mitglieder der Familie leben heute in Dänemark und Deutschland.

Heinrich Karl von Schimmelmann (* 13. Juli 1724 in Demmin; † 16. Februar 1782 in Kopenhagen, begraben in Wandsbek im Schimmelmann-Mausoleum) stieg durch Sklavenhandel vom Kaufmann in den Grafenstand auf. Im Jahre 1747 heiratete er Caroline Tugendreich Friedeborn (1730-1795), mit der er sieben Kinder hatte. Sein ältester Sohn Ernst Heinrich Graf von Schimmelmann wurde dänischer Finanzminister. Weitere Kinder waren Friederike Juliane Gräfin von Reventlow und Caroline Adelheid Cornelia Gräfin von Baudissin
Er machte als preußischer Getreidelieferant im Siebenjährigen Krieg beträchtliche Gewinne. Er erwarb 1759 das Gut Ahrensburg in Holstein, knüpfte wirtschaftliche Kontakte nach Dänemark und trat 1761 in dänische Dienste. Er wurde sogar Finanzminister des völlig verschuldeten Dänemarks. Im Jahr 1762 erwarb er Schloss Lindenborg bei Aalborg in Nordjütland. Im gleichen Jahr wurde er in den dänischen Freiherrnstand erhoben und am 22. Februar 1762 in die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft aufgenommen. In Ahrensburg ließ er 1771 ein Familienfideikommiss einrichten. Als königlich dänischer Schatzmeister wurde er 1779 in den Grafenstand erhoben. Die Lehnsgrafschaft Lindenborg wurde am 18. Juni 1781 errichtet und bestand bis zu ihrer Aufhebung 1922.
Nachfahren aus der holsteinisch-dänischen Adelsfamilie sind u.a. der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Postbank AG Wulf von Schimmelmann, der General und Friedensforscher Wolf Graf Baudissin und Adeline Karoline Luise Gräfin von Schimmelmann (* 19. Juli 1854 in Ahrensburg; † 18. November 1913 in Hamburg). Sie war eine deutsche Evangelistin und die Gründerin einer Seemannsmission.

Wandsbek: 
Nach dem Erwerb des Gutsdorfes durch Schimmelmann erlebte Wandsbek einen heftigen wirtschaftlichen Aufschwung: Es entwickelte sich in wirtschaftlich günstiger Lage vor den Toren Hamburgs rasch vom Bauerndorf zum Fabrikort. Mühlen, Brauereien, Handwerks- und Gewerbebetriebe bildeten dabei das Rückgrat. Bis zu 1.500 Arbeiter waren in fünf Kattunbleichen beschäftigt, denn bedruckte Baumwollstoffe waren begehrte Ware und wichtiges Handelsgut. Schimmelmann begann 1762, an der heutigen Schloßstraße ein repräsentatives, dreiflügeliges Herrenhaus errichten zu lassen. Wegen der aufwändigen Gestaltung wurde es später als Wandsbeker Schloss bezeichnet. Ab 1773 gehörte Wandsbek zum dänischen Gesamtstaat. Nachdem Schimmelmann aus dem Leben schied, verkauften Schimmelmanns Nachfahren den nördlichen Teil 1807 an den dänischen König und behielten den südlichen Teil (etwa entsprechend dem Gebiet Marienthal) in ihrem gräflich-privaten Besitz.

Schloss Ahrensburg
Schimmelmanns Anwesen

Ahrensburger Schloss:

Nachdem er bereits seit Januar 1759 mit dem letzten Gutsverwalter Christian Rantzau in Verhandlungen gestanden war, kaufte Schimmelmann das hochverschuldete Gut im Mai des Jahres für 180.000 Reichstaler. Er konnte durch glückliche Umstände den Lagerbestand der Meißener Porzellanmanufaktur erwerben. Mit dem Weißen Gold – ein Teil des Porzellans ist noch heute im Schloss ausgestellt – erwarb er einen Teil seines beträchtlichen Vermögens. Schimmelmann beteiligte sich als Sklavenhändler am Atlantischen Dreieckshandel und gehörte bald zu den reichsten Männern seiner Zeit. Kopenhagen wurde aber sein Hauptwohnsitz, wo er in der Nähe der Amalienborger Palais’ das sogenannte Berkenthinsche Palais (Berckentinske Palæ)  erwarb, das heutige Odd Fellow Palæet. Seine Geschäfte führten ihn auch immer wieder nach Hamburg und ins damals durch Dänemark verwaltete Altona. In Hamburg erwarb er das Gottorper Palais in der Nähe der Michaelis-Kirche als Stadtdomizil. Ahrensburg dagegen sollte ihm als in der Nähe der Städte Hamburg und Altona gelegener Landsitz dienen, ebenso wie das ebenfalls erworbene Herrenhaus in Wandsbek.
Schimmelmann ließ das Ahrensburger Herrenhaus in ein spätbarockes Landschlösschen umbauen, das bis zur Fertigstellung des Neubaus in Wandsbek 1778 seine Sommerresidenz war. Die Schimmelmannsche Familie verließ Kopenhagen in der Regel im Mai eines jeden Jahres und verblieb bis November in Ahrensburg, wo sie von durchschnittlich fünfundzwanzig Hausangestellten versorgt wurde. Das Herrenhaus entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Zentrum der holsteinischen Gutskultur und auch der dänische König Christian VII. besuchte es mehrfach. Das Gebäude erlebte in dieser Epoche seine Glanzzeit und Schimmelmann schrieb über seinen Landsitz „Ich habe soviel Liebe für Ahrensburg […] es ist mein einziges Vergnügen“.
 
Nach heutigen Begriffen ziemlich fragwürdig war seine Beteiligung am Dreieckshandel:
Der Begriff atlantischer Dreieckshandel bezeichnet ein Erklärungsmodell für den über den Atlantischen Ozean betriebenen Warenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika in der Frühen Neuzeit. Der Beginn des Dreieckhandels war etwa 1680, 1807 endete er durch Verbot des englischen Sklavenhandels. Sklaverei war jedoch noch erlaubt und wurde in verschiedenen Ländern Amerikas offiziell praktiziert, bis Brasilien 1888 als letzter amerikanischer Staat auch dies verbot. Idealtypisch geht das Modell von drei Stationen des Handels aus, die eine geschlossene Kette bildeten:
Von Europa aus fuhren im Oktober die mit Feuerwaffen, Stahl- und Bronzebarren, grobem Tuch, Glasperlen und Manufakturwaren beladenen Schiffe an die westafrikanische Küste (Küstenabschnitt zwischen dem heutigen Kamerun und Liberia), wo die Ladung gegen Sklaven eingetauscht wurde. Die Sklaven wurden auf Sklavenmärkten von lokalen Händlern gekauft. Auf großen landwirtschaftlichen Gütern und in Manufakturen in Schleswig-Holstein und Dänemark produzierte er Lebensmittel und Stoffe (Kattun). Auch die einzige Gewehrfabrik Dänemarks befand sich in seinem Besitz.
Danach ab etwa Anfang Dezember steuerten die Schiffe die Karibik an, wo vom Erlös der Sklaven landwirtschaftliche Erzeugnisse wie grober Rohrzucker, Rum und Melasse sowie Baumwolle erworben wurden. Auf den Jungferninseln in der Karibik, dänischen Zuckerkolonien, war Schimmelmann der größte Besitzer von Zuckerrohrplantagen. Den dort produzierten Rohzucker verschiffte er auf eigenen Schiffen nach Dänemark. Dort ließ er den Rohzucker in der größten Zuckerraffinerie des Landes zu Weißzucker raffinieren. Als wichtigster Zuckerfabrikant hatte er praktisch eine Monopolstellung im dänischen Königreich.
Ab April segelten die Schiffe überwiegend mit Zuckerprodukten beladen in ihre Heimathäfen zurück, um die Ladung auf dem europäischen Markt mit Gewinn zu verkaufen. Die Schiffe kamen im europäischen Frühsommer zu Hause an.
Am Handel waren portugiesische, französische, niederländische, deutsche und englische Handelskompanien beteiligt, vor allem aber die englische Royal African Company, die den verschiedenen Kolonien Sklaven verkaufte. Auch die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie war aktiv am Handel mit Sklaven beteiligt. Tatsächlich liefen nur rund zwei Drittel der europäischen Afrikafahrten im Rahmen des Dreieckshandels ab. Zudem war vor 1700 Gold und nicht Sklaven das wichtigste afrikanische Exportgut. Überdies ist in den meisten Fällen nicht ein Schiff alle drei Routen gefahren, sondern meist spezialisierten sich die Handelsschiffe auf einen Teil des Dreieckshandels.

 

Helmut Schmidt