Lübeck hilft Gustav Wasa auf den schwedischen Thron

Am 1. Oktober des Jahres 1519 sucht der Spross einer schwedischen Adelsfamilie Aufnahme bei seinem Freund Cordt Koning in der Breiten Straße. Gerade ist er aus dänischer Geiselhaft entflohen, der von Jütland als Ochsentreiber verkleidet nach Lübeck kam. Am Leib trägt er ein Wams, das zum ewigen Gedenken zunächst im Hansesaal des Rathauses aufbewahrt wird. Der Flüchtling ist der junge Gustav Wasa , der 1523 mit Hilfe Lübecks erster König Schwedens wird und in seiner fast vierzigjährigen Herrschaftszeit die politische Landkarte Nordeuropas verändert. Um das Wams, sowie um ein zweites „baugleiches“ ranken sich bis heute Rätsel, Gerüchte, Anekdoten und wissenschaftliche Untersuchungen.   
Aus dem Hanse-Museum zeigen wir Ihnen eine echte Rarität: eines von nur drei Steppwämsern, die weltweit erhalten geblieben sind. Eigentlich wurden sie unter der Rüstung getragen und sollten vor Stichverletzungen schützen - doch bei den jungen Kaufleuten im Londoner Hansekontor „Stalhof“ waren sie ein echter Modetrend. Warum? Weil die Taillierung das Kreuz größer wirken lies. Lange Jahre hieß es, Gustav Wasa hätte es in Lübeck getragen.

!Als aufsässiger schwedischer Junker hatte er sich mit dem dänischen König Christian II. (1481 - 1559) angelegt.

Foto: Lübecker Museen

Vor dem Rat der Stadt Lübeck bittet er um Asyl und ferneren Beistand gegen den König. Für den Rat eine vertrackte Situation. Zwar ist da keiner, der dem Dänen nicht mit Freuden eins auswischte, aber wie weit war diesem schwedischen Junker zu trauen? Lübeck lag aus Haupt der Hanse seit Ende des 15. Jahrhunderts in Dauerfehde mit Dänemark.
Der Niedergang der Hanse stärkte den dänischen Thron, der sein Reich festigte und damit in Konflikt mit Lübeck geriet.
Gleichzeitig begann Schweden um seine Selbständigkeit von Dänemark zu kämpfen. Das berührte Lübecker Handelsinteressen ebenso wie das Vordringen der Holländer in den Ostseeraum, was wiederum die Dänen als vorteilhaft in ihrem Streit mit Lübeck ansahen. Aus diesem Gemenge entwickelte sich der Konfliktstoff, der die kritische Toleranz zwischen Lübeck und Dänemark aus dem Gleichgewicht brachte. Es kam zum Seekrieg 1510/11, zum offenen Kampf und vielen versteckten Scharmützeln zwischen einigermaßen gleichstarken Gegnern. Eine wirkliche Entscheidung fiel nicht. 1513 bestieg in Dänemark Christian II. den Thron. Er versuchte Nordeuropa neu zu ordnen. Damit setzte er sich automatisch in Gegenposition zur Hanse, allen voran Lübeck, und zu Schweden. Die Stärkung der dortigen Opposition gegen Dänemark musste bei günstigem Ausgang vorteilhaft für Lübeck sein. 1521 versuchte Christian II vergeblich. Über seinen Schwager Karl V., den Enkel Kaiser Maximilians. Lübecks seinem Reich einzuverleiben. Daraufhin verstärkten die Lübecker ihre Unterstützung der schwedischen Opposition der Sture und der Vasa gegen den dänischen König. 
Das wird Gustav Eriksson (* 12. Mai 1496; † 29. September 1560 in Stockholm) , dem späteren Gustav I. Wasa, bekannt gewesen sein, als er in Lübeck um Asyl bat. Acht Monate lang durfte er schließlich bleiben, gegen den massiven Druck des dänischen Königs. Wasa bereitete von Lübeck aus die Lösung Schwedens von Dänemark vor. Schließlich brachte ihn der Schiffer Hinrich Möller nach Schonen in Südschweden. Wasa wurde zum Reichsverweser und am 6. Juni 1523 mit Hilfe von Lübeck zum König gewählt. Mit einer Flotte unterstützte Lübeck seinen Kampf gegen die Dänen. Die Schlüssel zu der mit Verstärkung Lübecks eroberten Stadt Stockholm übergaben die Lübecker Ratsherren Bernd Bomhower und Hermann Plönnies am 21. Juni 1523 an den neuen König Gustav I. Wasa (schwedisch Gustav Vasa).  Der 6. Juni, der Tag seiner Wahl, wurde seitdem zum Schwedischen Nationalfeiertag erklärt.
Gustav Wasa war außerdem der Gründer eines der ersten Orchester der Neuzeit, der Königlichen Hofkapelle. Königliche Haushaltsbücher von 1526 erwähnen 12 Musiker, darunter Bläser, einen Paukisten, aber noch keine Streicher. Die Kungliga Hovkapellet ist heute das Orchester der Königlich Schwedischen Nationaloper und gehört zu den ältesten Orchestern Europas. 
Zurück zum Wams:  Man fragte sich, woher das Loch in der Mitte des Wamses kommt? Dazu gibt es eine spannende Geschichte:
Lange wurde angenommen, dass dieses Wams Gustav I. Wasa gehört hat. Es wurde in Lübeck ausgestellt und immer wenn Staatsbesuch kam, erlaubte der Lübecker Bürgermeister den Gästen, sich als Andenken ein Stück abzuschneiden. Später hat man allerdings herausgefunden dass dieses Wams schon ca. 1420-1470 gefertigt worden war - also rund 100 Jahre vor der Geburt von Gustav Wasa…

 

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