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Aus diesem Hamburger Widerstandskämpfer wurde ein Verbraucherschützer - Gustav Dietrich Dahrendorf

Der Jungsozialist und ab 1918 aktive SPD-Politiker Gustav Dietrich Dahrendorf war zunächst gewerkschaftlich aktiv.

Geboren  am 8. Februar 1901 in Hamburg als Sohn eines Arbeiters besuchte die Volksschule in Hamburg und ging 1915 bis 1918 in eine kaufmännische Lehre. Es folgten Betätigungen als Vertreter und Büroangestellter.

1914 schloss sich der junge Dahrendorf der sozialistischen Arbeiterbewegung an und trat auch 1917  in die freien Gewerkschaften (ADGB) ein. Ein vollwertiges Mitglied der SPD und richtig aktiv wurde er dann 1918.  Vorher hatte er schon im Hofmarer Kreis der Jungsozialisten mitgearbeitet und von 1914 bis 1933 als Redakteur (Schriftleiter) des SPD-Organs Hamburger Echo Beiträge geleistet. 

Der Hamburger Bürgerschaft gehörte er von 1927 bis 1933 an und wurde im Wahlkreis 34 (Hamburg) bei der Reichstagswahl vom 6. November 1932 in den Reichstag gewählt und am 5. März 1933 wiedergewählt. Die 7. Wahlperiode ging von November 1932 bis März 1933, die 8. schloss sich an. Den Nationalsozialisten waren die Sozialdemokraten aber verhasst, so wurde Gustav Dahrendorf schon am 24. März 1933 für einige Tage in Schutzhaft genommen. So etwas wie Immunität kannte man damals noch nicht. So wurde er im Mai 1933 erneut festgenommen und im Konzentrationslager Fuhlsbüttel inhaftiert. Das Lager, auch Kola-Fu genannt, wurde ab März 1933 innerhalb des Gebäudekomplexes der Strafanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg errichtet und bestand bis zum April 1945, also über die gesamte Zeit des Nationalsozialismus. In den ersten Monaten zur Unterbringung von Schutzhaftgefangenen genutzt, wurde es ab dem 4. September 1933 der SS-Bewachung unterstellt und förmlich zum KZ erklärt. Mitte 1936 ordnete Heinrich Himmler die Umbenennung zum Polizeigefängnis an, da es unter der Verwaltung der Gestapo stand. Unter diesem Namen wurde es bis zu seiner Evakuierung Mitte April 1945 weiter genutzt. Die Haftanstalt Fuhlsbüttel mit Gefängnis und Zuchthaus für Männer existierte über den gesamten Zeitraum parallel und wird seit 1945 als Justizvollzugsanstalt weitergeführt. 1987 wurde im ehemaligen Torhaus am Suhrenkamp eine Gedenkstätte eingerichtet, die seit 2003 eine Dauerausstellung zur Geschichte des KZ und der Lebenswege verschiedener Opfer zeigt. Dahrendorf war danach Funktionär im Kreisauer Kreis um  Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Diese Gruppierung war an der Verschwörung vom 20. Juli 1944 beteiligt. Ein verschlüsseltes Telegramm vom 20. Juli 1944 an den Kommandeur des Wehrkreises X (Hamburg), aus dem hervorging, dass Dahrendorf als Zivilbevollmächtigter der Reichsregierung Goerdeler und als kommissarischer Bürgermeister von Hamburg vorgesehen war, fiel in die Hände der Gestapo.  

Briefmarke Goerdeler
Briefmarke Goerdeler

Er wurde deshalb ins Gestapo-Gefängnis in der Gestapo-Zentrale (Berlin) geworfen und inhaftiert. Zusammen mit dem Lübecker Dr. Julius Leber, der als Innenminister vorgesehen war und Adolf Reichwein, der Kultusminister werden sollte, stand er am 20. Oktober vor Freislers Volksgerichtshof. Der Tod blieb ihm aber erspart, er wurde er zu sieben Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt und im Zuchthaus Brandenburg-Goerden inhaftiert. Die dortigen Häftlinge wurden am 27. April 1945 von der Roten Armee befreit. In den Nachkriegsjahren bekamen die verschiedenen Konsumgenossenschaften eine wichtige Bedeutung. Eine Konsumgenossenschaft ist eine besondere Form der Genossenschaft im Einzelhandel, die in erster Linie Nahrungs- und Genussmittel sowie verwandte Waren des täglichen Bedarfs beschafft und verkauft. Man operierte dabei auch mit Rabattmarkensystemen ähnlich wie sie schon der Oldesloer Margarine-König Friedrich Bölck einsetzte. Teilweise haben Konsumgenossenschaften ihre Tätigkeit auch auf die Produktion ausgedehnt oder die sogenannte „Eigenproduktion“ Zentral-Gesellschaften übertragen. Zeitweise galt dies für einige Zigarettenfertigungen in Hamburg. Mit dramatischen Aktionen von Hamburger Genossenschaftern wurde unmittelbar nach Kriegsende der von der alten Arbeitsfront-Riege eingefädelte Verkauf des ehemals konsumgenossenschaftlichen Vermögens an Reemtsma verhindert. Die schnelle Aufbauarbeit führte dazu, dass 1948 in den drei Westzonen immerhin wieder 250 Konsumgenossenschaften mit 750.000 Mitgliedern und 5700 Verteilungsstellen existierten. In Hamburg war der Sitz der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine mbH (GEG). Bis Februar 1946 war Dahrendorf Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung der Brennstoffindustrie für die Sowjetische Besatzungszone in Berlin. Er wurde jedoch in Gegnerschaft zu Otto Grotewohl zu einem entschiedenen Gegner der Zwangsvereinigung von SPD und KPD.  So siedelte die Familie auf Anraten des CDU-Politikers Ulrich Biel von Berlin nach Hamburg um, wo der Sohn Ralf Dahrendorf sein Abitur nachholte. Ulrich Biel galt auch als Entdecker Konrad Adenauers für die deutsche Nachkriegspolitik. Im Juli 1946 wurde Dahrendorf in den Vorstand der Konsumgenossenschaft „Produktion“ gewählt. In den 70er-Jahren verschmolzen später die Konsumgenossenschaften (Consum-Vereine und Produktion) zu Co op AG.Zunächst aber trug Dahrendorf tatkräftig und maßgeblich dazu bei, dass diese einzelnen Konsumgenossenschaften wieder zu einem wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben der jungen Bundesrepublik wurden.Engagiert setzte er sich für den Verbraucherschutz ein und so war es konsequent, dass er sich maßgeblich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände im Jahre 1953 beteiligte, deren erster Vorsitzender er wurde. Weiterhin war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bank für Gemeinwirtschaft in Frankfurt am Main, zu deren Gründern und Gesellschaftern die GEG zählte. Aus dieser Bank wurde 2000 etwa die SEB AG. Das vom Bundespräsidenten Theodor Heuss verliehene Große Verdienstkreuz wurde Gustav Dahrendorf als Vorsitzendem der Geschäftsführung der GEG und dem Aufsichtsrat Gustav Borgner 1954 vom Hamburger Bürgermeister Kurt Sieveking überreicht. Auf der Feierstunde anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften (GEG) sagte Sieveking, mit diesen Auszeichnungen würden alle geehrt, die ihre Kraft für die Arbeit zum Wohle der Verbraucher zur Verfügung gestellt hätten.  Staatssekretär Westrik vom Bundeswirtschaftsministerium (Wirtschaftsminister war seinerzeit Ludwig Erhard) überbrachte die Glückwünsche der Bundesregierung. Nach Gustav Dahrendorf ist der Dahrendorfweg in Hamburg-Horn benannt. 1957 wurde die Dahrendorfzeile in der Nähe der Berliner Hinrichtungsstätte Plötzensee nach ihm benannt. Der Fischdampfer Gustav Dahrendorf von der Gemeinwirtschaftlichen Hochseefischerei GmbH, Bremerhaven (GHG), ist auch nach ihm benannt. Dieser wurde 1954 auf der Rickmerswerft in Bremerhaven gebaut, hatte 640,29 BRT, fasste 5000 Korb, war 56,56 m lang und 8,84 m breit. Er hatte als erstes Fischereifahrzeug einen Verstellpropeller und war mit einer Fischmehlanlage ausgerüstet. 1955 fuhr er unter Kapitän Petersen zu seiner ersten Fangreise aus. Gustav Dahrendorf der Vater von Ralf (1929–2009) und Frank Dahrendorf (1934–2013)  starb am 30. Oktober 1954 plötzlich während einer Kur in Braunlage im Harz.

Leonardo Da Vinci


 

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