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Gustaf Gründgens - Der Mephisto

Gustaf Gründgens (* 22. Dezember 1899 in Düsseldorf als Gustav Heinrich Arnold Gründgens; † 7. Oktober 1963 in Manila) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Intendant. Seinen Künstlernamen Gustaf Gründgens benutzte er nachweislich erstmals 1921.

Nach einer dreimonatigen kaufmännischen Lehre in Düsseldorf wurde er im Herbst 1917 zum Militär einberufen. Er übte jedoch keinen Frontdienst mit der Waffe aus, sondern wurde unter vorgetäuschter Bühnenerfahrung an das Fronttheater Saarlouis versetzt, dessen Leiter er 1918 wurde und das auch nach dem Krieg in Thale weiter existierte.
Am Beginn von Gründgens’ Karriere standen aufeinander folgende kurze Engagements in Halberstadt (Spielzeit 1920/21), am Vereinigten Städtischen Theater Kiel (Spielzeit 1921/22), am Berliner Theater in der Kommandantenstraße (Spielzeit 1922/23) und am Kurtheater Eckernförde (Sommerspielzeit 1923), wo er 1923 als Regisseur debütierte.

 

Briefmarke Faust und Mephisto

Am Beginn von Gründgens’ Karriere standen aufeinander folgende kurze Engagements in Halberstadt (Spielzeit 1920/21), am Vereinigten Städtischen Theater Kiel (Spielzeit 1921/22), am Berliner Theater in der Kommandantenstraße (Spielzeit 1922/23) und am Kurtheater Eckernförde (Sommerspielzeit 1923), wo er 1923 als Regisseur debütierte.1923 ging er zu Erich Ziegel an die Hamburger Kammerspiele. In dieser Zeit erweiterte er sein Repertoire an klassischen und zeitgenössischen Stücken und inszenierte u.a. Anja und Esther von Klaus Mann. Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann und dessen Schwester Erika spielten zusammen mit Gründgens und Pamela Wedekind die Hauptrollen. 1927 folgte Klaus Manns Revue zu Vieren mit denselben Hauptdarstellern. Gründgens und Erika Mann heirateten am 24. Juli 1926. Die Ehe wurde am 9. Januar 1929 wieder geschieden.
1930 hatte er größeren Erfolg bei Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin als Regisseur mit Menschen im Hotel von Vicki Baum, einem Theaterstück nach ihrem gleichnamigen Roman, das ein Welterfolg wurde.

1932 begann Gründgens, am Preußischen Staatstheater in Berlin zu arbeiten. Seine erste Rolle war die des Mephistopheles in Goethes Faust.
Gründgens blieb 1933 in Deutschland und stieg im Nationalsozialismus auf der Karriereleiter nach oben. 1934 wurde er Intendant des Staatlichen Schauspielhauses und zum Staatsschauspieler ernannt.
Gründgens amtierte bis 1945 als Generalintendant des Preußischen Staatstheaters und machte sich zunutze, dass Hermann Göring dieses Theater als Preußischer Ministerpräsident dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels zu entziehen wusste, dem alle übrigen Theater unterstellt waren.
Nicht alle Facetten seines Aufstiegs im Nationalsozialismus wurden bisher ausreichend beleuchtet und bleiben deshalb umstritten.
Aber beispielsweise so es ihm möglich war, setzte er seine Beziehungen zu Hermann Göring und dessen Frau Emmy ein, um in Ungnade gefallenen Schauspielern ein Überleben zu sichern. Kollegen mit jüdischen Ehepartnern bewahrte er auch  vor dem Berufsverbot. Einigen Regimegegnern verhalf er auch zur Ausreise. Während der Schauspieler (nach den Nürnberger Rassegesetzen "Halbjude") Paul Henckels,vielen noch bekannt aus dem Rühmann-Film "Die Feuerzangenbowle"(1944) oder als Onkel Pudlich in den "Immenhof"-Filmen (1955/56) mit einer Frau verheiratet war, die als  "Volljüdin" galt, verheiratet, durfte dieser dank Gründgens' trotzdem bis 1944 am Staatstheater engagiert bleiben. Sie durfte sich auch in Zeiten verstärkter Razzien und Deportationen nachts in den Garderoben des Theaters verstecken.
Ernst Busch holte Gründgens 1940 sogar aus der Haft im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit, in dem der kommunistische Schauspieler wegen Hochverrats saß und auf sein Todesurteil wartete. Später leitete Ernst Busch bis 1953 die Schallplatten-GmbH Lied der Zeit, die erste und einzige Schallplattenfirma der SBZ/DDR. Lied der Zeit war der Vorläufer des VEB Deutsche Schallplatten mit den Sublabels Eterna und Amiga, die ebenfalls unter Busch entstanden. 1956, 1966 und 1979 erhielt Busch den Nationalpreis der DDR. 
Aber zurück zu Gründgens:
Bereits 1946 stand er wieder auf der Bühne, zunächst im sowjetischen Sektor von Berlin, und führte am Deutschen Theater und an den Kammerspielen Regie. Von 1947 bis 1955 war er Generalintendant in Düsseldorf, zunächst der Städtischen Bühnen, dann des Düsseldorfer Schauspielhauses. Die Schallplattenfassung seiner Düsseldorfer Inszenierung des Faust, die 1954 bei der Deutschen Grammophon auf drei Sprechplatten erschien, gilt vielen als Geburtsstunde des heutigen Hörbuches.

Ab 1955 war Gründgens Generalintendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, das er auf den Höhepunkt seines Ruhmes führte, und wo er vielbeachtete klassische und moderne Inszenierungen zeigte, eine hohe Sprechkultur pflegte und bedeutende Schauspielerinnen und Schauspieler um sich sammelte und prägte; genannt seien nur Elisabeth Flickenschildt, Joana Maria Gorvin und Will Quadflieg. 1960 adaptierte er seine Hamburger Faust-Inszenierung (mit der er auch in Moskau und New York gastierte) für den Film, mit Will Quadflieg als Faust und sich selbst in der Rolle des Mephisto – in der Maske, die sich seit den 1930er Jahren nicht verändert hatte. Dieser auch im Fernsehen gezeigte Film wurde ein großer Publikumserfolg.
Zum Sommer 1963 beendete er überraschend seine Intendanz am Deutschen Schauspielhaus und begab sich auf eine Weltreise. In der Nacht vom 6. zum 7. Oktober 1963 starb er dabei in Manila auf den Philippinen an einer Magenblutung, die von einer Überdosis Schlaftabletten ausgelöst worden war; ob es Suizid oder ein Unfall war, wurde nie eindeutig geklärt. 
Gründgens’ Grabstätte liegt auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg, ganz in der Nähe des Haupteinganges, neben dem Grab Ida Ehres, der Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele, und in unmittelbarer Nähe zu Jürgen Fehling.

 

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