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Graf von Waldersee Der Weltmarschall Ehrenbürger von Lübeck

Dieser Mann wurde mehrfach als Kandidat für den Posten des Reichskanzlers gehandelt, weil er fast Weltgeschichte geschrieben hätte. Ihm wurde wenigstens die  Ehrenbürgerwürde Lübecks am  6. April 1898 verliehen. Es war aber doch einiges an ihm recht fragwürdig. Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee (* 8. April 1832 in Potsdam; † 5. März 1904 in Hannover) befehligte überwiegend Militäreinheiten in Hannover. Bis 1898 befehligte er als Kommandierender General das IX. Armeekorps in Altona, zu dem auch das Lübecker Kontingent gehörte. Als er diese Position aufgab, um die III. Armee-Inspektion zu übernehmen, wurde ihm die Ehrenbürgerschaft Lübecks verliehen. Begründet wurde sie mit den Verdiensten, die er sich um junge Lübecker erworben hatte. Er wurde aber auch in die Pflicht genommen und „als Ehrenbürger Lübecks … ganz besonders darauf hingewiesen … Lübeck noch ferner, soweit er es vermag, zu nützen“. Konkret bedeutete das: Man erwarte von ihm Fürsprache für den Bau des Elbe-Trave-Kanals, für den er sich aus militärischen Gründen einsetzte. 

1870 ging er als Militärattaché an die preußische Botschaft in Paris. In dieser Tätigkeit sammelte er wertvolle Informationen über die französische Armee, die dem Generalstab sehr bei der Planung des Feldzuges für den Deutsch-Französischen Krieg geholfen haben. 1870/71 war er dann in diesem Krieg als Oberstleutnant Flügeladjutant des preußischen Königs, dann Generalstabschef der Armee des Großherzogs Friedrich Franz II. 1871 war er wieder, diesmal als diplomatischer Geschäftsträger des Deutschen Reichs, in Paris. 1873 wurde er Stabschef des X. Armee-Korps in Hannover. 


Waldersee

General-Feldmarschall Graf von Waldersee, Oberbefehlshaber in China, 1900 Foto: Julius Cornelius Schaarwächter (1847–1904)

1882 wurde Waldersee Generalquartiermeister und damit Stellvertreter Helmuth Graf von Moltkes im Großen Generalstab. 1885/86 entwickelte er Strategien für einen Präventivkrieg gegen Russland und Frankreich für den Fall eines Bündnisses zwischen beiden Staaten (wie sie später Schlieffen weiterentwickelte) gerieten zunehmend in den Widerspruch zur Außenpolitik des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck. Als deutlicher Falke forderte er 1887 dann erneut, einen Präventivkrieg gegen Russland zu überdenken, verbunden mit Annäherungen an das konservative Lager um Adolf Stoecker und Prinz Wilhelm, den späteren Kaiser. 
Die nächsten Stationen waren dann von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs, Nachfolger Moltkes. Dabei wirkte er am Sturz Bismarcks 1890 aktiv mit. 
Ernsthafte Differenzen mit Kaiser Wilhelm II. gab es,  da er beim Kaisermanöver es gewagt hatte, den Kaiser strategisch zu besiegen und damit zu zeigen, dass der Kaiser in Wirklichkeit wenig Ahnung von militärischer Strategie besaß. Seinen Posten bekam Alfred Graf von Schlieffen .
Waldersees neue Wirkungsstätte wurde dann Hamburg. Er wurde Kommandierender General des IX. Armee-Korps in  Altona.
Am 31. Mai 1895 besuchte er dann mit mehreren Ministern Lübeck und nahm hier an der Grundsteinlegung des Elbe-Trave-Kanals teil. 
Nach den Schlägen mit dem silbernen Hammer durch den Staatsminister, Karl Heinrich von Boetticher, schlug in der Zeremonie Waldersee mit dem lateinischen Spruch „Navigare necesse est, vivere non necesse est“ (deutsch: Seefahrt ist notwendig, Leben nicht) gefolgt von Staatsminister Johannes von Miquel den Granitstein.
1897 wurde Waldersee noch einmal politisch auffällig. Er forderte (allerdings erfolglos)  repressive Maßnahmen gegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, von der er meinte, dass sie die größte Gefahr für das deutsche Kaiserreich darstellen würde, Er wünschte sich eine Allianz von Kirche, Bürgertum und Militär, um Deutschland zu retten, scheiterte aber auch. 
In Lübeck einer Hochburg der SPD wurde er dennoch am 6. April 1898  zum Ehrenbürger ernannt.
1898 wurde er zum Generalinspekteur der III. Armee-Inspektion in Hannover, 1900 zum Generalfeldmarschall ernannt. 
Als es im Kaiserreich China zum Boxeraufstand kommt erhielt er den Oberbefehl über die europäischen Interventionstruppen.  Im deutschen Volksmund wurde er auch – teils spöttisch, teils bewundernd – „Weltmarschall“ genannt. Bei seinem Eintreffen in Peking  im September 1900 war dieses bereits erobert.
Sein Wirken wurde von den Besatzungsmächten anerkannt, die amerikanischen und französischen Truppen unterstellten sich jedoch nie seinem Befehl.
Einerseits unternahm er teils blutige Strafexpeditionen gegen „Widerstandsnester“ der „Boxer“, er  setzte somit die von Kaiser Wilhelm II. in seiner „Hunnenrede“ geforderten Vergeltungsmaßnahmen in die Tat um. Auch der deutsche Gesandte in Peking Alfons Mumm von Schwarzenstein hatte in den erforderlichen Abstimmungen mit Waldersee diplomatischen Einsatz aufzubringen.  Andererseits  übernahm Waldersee dort die Rolle des Besatzungsoffiziers, der einerseits Plünderungen stoppte und andererseits zwischen den acht Besatzungsmächten vermittelte.  Nach seiner Rückkehr aus China 1901 wurde er wieder Generalinspekteur der III. Armee-Inspektion in Hannover.
Auch jetzt hagelte es wieder Auszeichnungen. Für seine „militärischen Erfolge“ in China erhielt er international hohe Orden. Außerdem erhielt er als erster protestantischer Christ am 3. Juni 1903 das Großkreuz des Piusordens durch den Papst verliehen. 
Noch kurz bevor Waldersee starb, fertigte dieser  privat einen Aufmarschplan für die japanische Armee in Korea für den aufziehenden russisch-japanischen Krieg. 
Er verstarb 1904 in Hannover, seine Grabstätte befindet sich auf dem Familienfriedhof der Familie Waldersee in Stöfs bei Lütjenburg in Holstein.
Nach seinem Tode und der Beendigung des Krieges in Asien bestätigte Generalstabschef Alfred von Schlieffen gegenüber dem Neffen des Generalfeldmarschalls, dass die erfolgreiche japanische Offensive identisch mit dem Plan Waldersees gewesen sei. 

Wallenstein

 

 

 

 


 

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