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Gerhard Stoltenberg - Ministerpräsident und Verteidigungsminister

Gerhard Stoltenberg (* 29. September 1928 in Kiel; † 23. November 2001 in Bonn-Bad Godesberg) war ein deutscher Politiker der CDU.

Er war von 1965 bis 1969 Bundesminister für wissenschaftliche Forschung, von 1971 bis 1982 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, von 1982 bis 1989 Bundesminister der Finanzen und von 1989 bis 1992 Bundesminister der Verteidigung.

30. Bundesparteitag der CDU in Hamburg im Congress

Im Zweiten Weltkrieg 1944 wurde Stoltenberg als Flakhelfer zur Kriegsmarine einberufen. Es folgten Kriegsteilnahme und -gefangenschaft. Danach bestand er 1949 an der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe das Abitur und begann ein Studium der Geschichte, Soziologie und Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort wurde Stoltenberg 1954 mit der Dissertation Der deutsche Reichstag 1871–1873. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Parlamentarismus zum Dr. phil. promoviert. 
Von 1955 bis 1961 war er Bundesvorsitzender der Jungen Union. 1955 wurde er außerdem zunächst stellvertretender Vorsitzender, von 1971 bis 1989 war er schließlich Landesvorsitzender der CDU in Schleswig-Holstein. In dieser Funktion kam es nach seinem Eintritt in die Bundesregierung unter Helmut Kohl 1982 zu wachsenden Spannungen mit seinem Nachfolger als Ministerpräsident, Uwe Barschel.
Seit 1969 war er auch stellvertretender Bundesvorsitzender im CDU-Präsidium Deutschlands.
1965 sowie 1969/70 war er Direktor bei der Friedrich Krupp GmbH in Essen (Stahl- und Waffenerzeugung). 
Von 1954 bis 1957 sowie von 1971 bis 1982 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein.
Von 1957 bis 1971 sowie von 1983 bis 1998 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1969 bis 1971 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Nach der Bundestagswahl 1965 wurde er am 26. Oktober 1965 von Bundeskanzler Ludwig Erhard in das Amt des Bundesministers für wissenschaftliche Forschung berufen. Er behielt dieses Amt auch in der Zeit der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Als Forschungsminister soll er verantwortlich gewesen sein für den Skandal um das einsturzgefährdete Atommülllager Asse. Das Bergwerk sei schon beim Kauf in schlechtem Zustand gewesen.
Mit Asse II ließen sich die hohen Beträge, die von den Abfallerzeugern für die oberirdische Lagerung in den Zwischensammelstellen der Länder zu zahlen waren, erheblich reduzieren. Bei der direkten Anlieferung am Bergwerk mussten diese eigentlich nur das Fass kaufen.
Am 24. Mai 1971 wurde er zum Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein gewählt. In dieser Eigenschaft war er vom 1. November 1977 bis zum 31. Oktober 1978 Bundesratspräsident.
Nach der Bonner Wende wurde Stoltenberg am 4. Oktober 1982 als Bundesminister der Finanzen in die von Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Anlässlich einer Kabinettsumbildung wechselte Stoltenberg am 21. April 1989 in das Amt des Bundesministers der Verteidigung. Nach einer umstrittenen Waffenlieferung, insbesondere von Panzern an die Türkei, übernahm Stoltenberg die Verantwortung und trat am 31. März 1992 vom Amt des Bundesministers der Verteidigung zurück.
Er war maßgeblich verantwortlich in legale und diese illegalen Waffengeschäfte des Verteidigungsministeriums mit menschenrechtsverletzenden bzw. kriegführenden Staaten wie damals Südafrika, Israel und die Türkei verstrickt, leugnete aber. 
Von 1996 bis zu seinem Tod war er der erste Vorsitzende des Kuratoriums der bundesunmittelbaren Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh im Sachsenwald.
Stoltenberg war evangelischen Glaubens, verheiratet und hatte zwei Kinder. Er wurde am 19. Januar 1973 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband geehrt. Am 24. Oktober 2001 wurde er zum Ehrenbürger des Landes Schleswig-Holstein ernannt.

Sein Grab befindet sich auf dem Parkfriedhof Eichhof bei Kiel.

 

Theodor Storm