Spee, das Mittelalter und die Menschenrechte

Bei archäologischen Untersuchungen 1980 entdeckte man in einer Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche die Gebeine von Friedrich Spee. Er wurde im Alter von 44 Jahren hier zusammen mit anderen Jesuiten bestattet. Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635, man könnte ihn deshalb auch als Märtyrer der Nächstenliebe bezeichnen. Das Erzbistum Köln führt ihn als heiligmäßige Person.


Er hat sich aber auch auf andere Art besonders hervorgetan.

Am 25. Februar 1591 wurde er als ältester Sohn des Amtmanns und Burgvogts Peter Spee von Langenfeld in der Pfalz zu Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren und trat bereits mit 19 Jahren in den Jesuiten-Orden ein. Er studierte und reiste um 1623 zunächst als Philosophie-Professor in Paderborn tätig zu werden. Die Professur wurde ihm aufgrund starker Widerstände im Orden gegen seine Lehrinhalte bereits 1631 wieder entzogen, danach begann er als Seelsorger in Köln zu wirken.
Bis zum Abschluss seines Theologie-Studiums hatte er bereits über hundert Kirchenlieder veröffentlicht, die im deutschen Sprachraum weite Verbreitung fanden, darunter das bis heute beliebte Adventslied „O Heiland reiß‘ die Himmel auf“. 

Briefmarke Friedrich Spee
Briefmarke Friedrich Spee

1629, während seiner Aufgabe bei der Peiner Bevölkerung die Rekatholisierung durchzusetzen, fiel er fast einem Attentat zum Opfer, die näheren Einzelheiten sind aber unklar. Während der Genesungszeit widmete er sich weiter seiner poetischen Neigung. Mit seiner Liedsammlung „Trutz-Nachtigall“ erreichte er den Rang als eines der bedeutendsten Barocklyrikers deutscher Sprache zu gelten. Als Friedrich zeitweilig die geistliche Begleitung der Frauengemeinschaft St. Ursula in Köln wahrzunehmen hatte, die sich vornehmlich der Erziehung und der schulischen Bildung der Mädchen aus allen Schichten des Volkes widmete, verfasste er für sie sein „Güldenes Tugend-Buch“, ein zu Gottesverehrung und konkreter Nächstenliebe anregendes Werk und zugleich das erste für Frauen geschriebene größere Andachtsbuch.
Bekannt wurde er aber vor allem durch seinen Kampf gegen Ungerechtigkeit und Folter und für ein an den Menschenrechten orientiertes Gerichtsverfahren. Seine mutige und aufsehenerregende Kampfschrift gegen die damaligen Hexenprozesse, die Cautio criminalis, trug in Deutschland wesentlich zur Beendigung des furchtbaren Hexenwahns bei, brachte den Autor selbst, obwohl es zunächst anonyme Veröffentlichungen davon gab, wiederum in große  Gefahr für Leib und Leben. Die von ihm vertretenen juristischen Prinzipien setzten sich in der Strafgesetzgebung der europäischen Völker erst im 19. Jahrhundert allmählich durch.
Dies war unter anderem 
das Recht auf einen Verteidiger für jeden Angeklagten,
die Annahme von dessen Unschuld bis zum gerichtlichen Nachweis seiner Tat („Unschuldsvermutung – in dubio pro reo“)
und die bedingungslose Ablehnung jeglicher Foltermethoden.
Alle Rechte sind mittlerweile Menschenrechte der sog. Ersten Generation. 
Sein Leichnam liegt in der jetzt nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben. Spees Gebeine ruhen heute in einem dort aufgestellten, spätantiken Sarkophag.
Damit sein Wirken nicht in Vergessenheit gerät haben sich einige Friedrich-Spee-Gesellschaften gebildet.
Überdies bietet die Friedrich-Spee-Akademie  Hamburg, die seinen Namen zur Erinnerung tragen darf soziale, kulturelle und politische Bildungsangebote für Menschen in der zweiten Lebenshälfte an.

Die Adresse: Elbchaussee 374, 22609 Hamburg

Theodor Steltzer

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