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Friedrich Bölck die Margarine und sein Rabattsystem

Friedrich Bölck (* 16. Juli 1877 in Oldenburg in Holstein; † 27. September 1940 südöstlich von Eutin) war ein interessanter deutscher Unternehmer.

 

 

 

 

Er begann zunächst eine Verwaltungslehre in Eutin und arbeitete danach in einer Anwaltskanzlei. 1907 eröffnete er dann in der Mühlenstraße in Oldesloe ein Feinkostgeschäft und entwickelte ein über ganz Deutschland reichendes bahnbrechendes Vertriebsnetz für Margarine, welches 1924 bereits 68 Filialen zählte und beschäftigte um 1928 bis zu 5.000 Mitarbeiter. Grundlage war das "System Bölck". Hausierer boten in Zusammenarbeit mit einem Händler jeweils vor Ort die Waren feil, ein weiterer Anreiz für die Kundschaft war dann eine Art "Rabattmarken-System".
In der Lorentzenstraße in Oldesloe ließ er 1926 eine Kaffeerösterei errichten. Das zugehörige Verwaltungs- und Bürogebäude steht heute noch. Hier errichtete er seine Verwaltungszentrale. Wenzel Hablik, der Itzehoer Künstler und Raumentwerfer gestaltete den Kontorsaal und einen weiteren Großraum im Dach als farbenfrohe Gesamträume.
Wenzel Habliks Nachlass befindet sich seit 1995 im Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe. Außerdem sind Teile seiner Werke unter anderem auch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt und im Schloss Gottorf zu bewundern.
In Bad Segeberg errichtete Friedrich Bölck am Ort der alten Brauerei eine hochproduktive Margarinefabrik.

Schloss Grabau
Schloss Grabau

In den 1920er Jahren besaß der Unternehmer bereits zeitweise Schloss Basthorst bei Schwerin. 1928 erwarb er von dem Hamburger Kaufmann und Kommerzienrat Friedrich Thörl die Güter Trenthorst und Wulmenau in Westerau und lebte mit seiner Familie hier bis 1936. Danach verkaufte er diese weiter an die Familie Reemtsma. 2000 Hektar Land und vier Güter gehörten ihr in der Umgebung. Der Einrichtung des Herrenhauses drückte er seinen Stempel auf, was noch heute im daraus entstandenen Verwaltungsgebäude des Ökoinstituts von-Thünen bewundert werden kann. Besonders fantastisch sind die herrschaftlichen Spanntapeten, große Art-déco-Leuchter, viel Marmor und Glasmalerei in den Fenstern des Vestibüls, die sein Wirken darstellen sollen. 
Das Herrenhaus von Trenthorst stellte er zeitweise Paul von Schoenaich und der Deutschen Friedensgesellschaft zur Verfügung, die dort bis zu ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten ihr Hauptquartier hatte und dort 1932 ihre letzte Hauptversammlung abhielt. Friedrich Bölck unterstützte die Friedensbewegung auch finanziell.
1930 erwarb er das Gut Borstel, welches er 1938 an den NS-Staat weiterverkaufte und 1932 von dem Bremer Kaufmann Gustav Lahusen das Gut Grabau. Das ging dann 1936 an die Wehrmacht. 
Eine soziale Idee setzte er um und funktionierte das Herrenhaus Borstel zu einem Erholungsheim für Kinder seiner Mitarbeiter und Kunden um. Die Kundschaft konnte im Rahmen seines Rabattsystems Berechtigungsscheine für Erholungsaufenthalte dort erwerben.
Er war äußerst spendabel. Er ließ Straßen pflastern, in seiner Wohnstraße eine Straßenbeleuchtung anlegen und am Marktplatz von Bad Oldesloe den Gänselieselbrunnen errichten.
Der SPIEGEL berichtet in Ausgabe 12/1956 noch davon, wie gesund sein Unternehmen damals war, so zeigten manche Kapriolen, die sich der alte Bölck, leistete, ohne sein Vermögen zu gefährden. Er brachte es zum Beispiel fertig, einen ihm sympathisch erscheinenden Mann auf der Straße anzusprechen und ihm auf der Stelle ein Auto zu schenken.
Seiner Tochter Mimi und ihrem Ehemann, dem Reiter Walter Heitmann, richtete er zur Hochzeit das Gut Lasbek ein.
1927 wollte sein Sohn Walther heiraten. Friedrich Bölck bot seinen Angestellten an, ihnen ebenfalls die Hochzeit auszurichten, wenn sie am selben Tag heirateten. Elf weitere Paare nahmen das Angebot an, und so wurden  im Kurhaus in Bad Oldesloe 12 Hochzeitstafeln ausgerichtet. Es ging als die Massenhochzeit in die Oldesloer Geschichte ein. Die Paare erhielten als Hochzeitsgeschenke ganze Wohnungseinrichtungen und in einigen Fällen sogar ein Eigenheim.
Seinen Traum, in Bad Oldesloe mehr aus dem Kurhaus zu machen, wurde ihm durch politische Widerstände verwehrt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging das Unternehmen dann aber in die Brüche.
Sein Tun war nämlich im NS-Staat nicht gern gesehen, das führte sogar dazu, dass er 1933 nach mutwilligen Beschädigungen seiner Villa in der Oldesloer Salinenstraße seinen Wohnsitz in das Herrenhaus Grabau verlegte. Nachdem sein Hausierhandel in Schwierigkeiten geriet, höchstwahrscheinlich haben ihm die neuen Machthaber durch ihre Verbote von Haustürgeschäften und Lebensmittelkontingentierungen die Grundlagen seiner Erfolge entzogen. Er musste Borstel und auch 1939 Grabau an die Regierung verkaufen, die daraus ein Heerespferdegestüt machten.  Borstel wurde ein SA-Heim. Er musste seine Güter und seine Firmen verkaufen.
Seine Margarineproduktion musste er an die Schleswig-Holsteinische-Margarine-Union verkaufen, die später im Unilever-Konzern aufging. Er verkaufte die Produktion gegen eine monatliche Lebensrente von 10.000 Mark an den Unilever-Konzern (Sanella, Rama), der das Unternehmen stilllegte.
Als Rentner zog er sich ins Privatleben nach Bad Schwartau, Marienholm zurück, wo er sich der Pferdezucht und seinen Hobbies, vor allem  der Jagd, widmete und verunglückte 1940 bei einem Autounfall beim Süseler Moor in der Nähe von Plön tödlich.
Nach dem Krieg versuchte der Sohn Walter wieder ein Vertriebssystem aufzubauen. Der Hamburger Margarinefabrikant Hans Gesche traf nach dem Krieg mit ihm eine Vereinbarung über die Fortführung des Betriebes und baute das Vertriebssystem - zum Teil mit den alten Bölck-Mitarbeitern - wieder auf. 
Er erreichte immerhin 1956 einen Jahresumsatz von sechs Millionen Mark meist mit der Marke PLANTASAN und lag immer noch weit vor fünf Konkurrenzfirmen.
Die Firma geriet dann aber stark unter Druck als ein neuer Wettbewerber, der Hamburger Fritz Gottlieb Groenhoff, seine Margarine nannte sich bei Vitakost Dottersan, mit dubiosen Methoden Bölck-Mitarbeiter abwarb.

 

 

 

 

Waldemar Bonsels