A-Z

Der Seeteufel Graf von Luckner - ein Held der Meere

Ein Luckner hat es zu besonderem Ruhm gebracht. Felix Nikolaus Alexander Georg Graf von Luckner (* 9. Juni 1881 in Dresden; † 13. April 1966 in Malmö).
Die Familie stammte aus der Oberpfalz, der älteste bekannte war Stadtkämmerer in Cham. Das war Johann Jakob Luckner († 1707). Legendär wurde dessen Enkel Nikolaus von Luckner, Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee, später auch dänischer Graf., der unter anderem auch Besitzer vom Gut Blumendorf mit Schloss bei Bad Oldesloe war. Und sein Urenkel war dann dieser Felix, geboren 1881 in Dresden.
Mit 13 Jahren wollte dieser schon nichts mehr von seiner Familie wissen und heuerte unter einem falschen Namen auf einem Segler an. Als "Phylax Lüdecke" schnupperte er Seeluft  mit dem russischen Segler Niobe. Das gefiel ihm offenbar und er erwarb 1903 an der Navigationsschule Lübeck das Steuermannspatent. Wiederum freiwillig ging es nun 1903 bis 1904 zur Kaiserlichen Marine, 1907 folgte in Papenburg schon das Kapitänspatent. Der jüngere Bruder von Kaiser Wilhelm II. war es dann persönlich, der ihn zum aktiven Offizier ernannte. Als Großadmiral sowie Generalinspekteur der Kaiserlichen Marine kennt man diesen als Prinz Heinrich. Heute erinnern nur noch die typischen Mützen des Kieler Yacht Clubs, dessen Protektor er damals war an ihn. Die typischen Mützen werden Prinz-Heinrich-Mützen genannt. Der Altbundeskanzler Helmut Schmidt trug sie auch sehr gerne.
1910 jedenfalls ernannte Prinz Heinrich mit persönlicher Weisung den Grafen Luckner zum aktiven Offizier, den Ersten Weltkrieg erlebte Felix unter anderem als Artillerieoffizier auf dem Linienschiff Kronprinz. Die SMS Kronprinz war ein Großlinienschiff und das vierte und letzte Schiff der König-Klasse. Bei der Skagerrakschlacht am 31. Mai/1. Juni 1916, fuhr die Kronprinz an vierter Stelle der Schlachtlinie und wurde als einziges Schiff seiner Klasse nicht beschädigt. Felix Graf von Luckner war zu dem Zeitpunkt Turmkommandant des achtersten 30,5-cm-Zwillingsgeschützturmes „E“.
Das deutsche U-Boot U36 brachte bei einer Feindfahrt unter anderem auch einen Dreimast-Segler auf und entsandt diesen als Prise nach Deutschland. So wurde aus dem US-amerikanischen Viermaster Pass of Balhama 1917 der Hilfskreuzer Seeadler. Jetzt mit einem Mast weniger, dafür aber mit zusätzlicher Hilfsmaschine und mehr Bewaffnung, konnte man auf Kaperfahrt gehen und das geheime Kommando hatte jetzt der Kapitänleutnant Felix Graf von Luckner.
Vieles bleibt also jetzt im Dunklen, einiges soll aber auch öffentlich gemacht werden, Luckner beginnt deshalb Aufzeichnungen und veröffentlicht Abenteuer, möglicherweise ja auch übertrieben.

 

So erscheint im Mai 1920 sein Buch Seeteufel, in dem er das Aufbringen von 16 feindlichen Schiffen im Zeitraum von Dezember 1916 bis Dezember 1917 beschreibt. So wurde dann aus dem Schriftsteller der "Seeteufel".
Er war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war die Hamburgerin Petra Schultz, diese Ehe wurde am 24. November 1914 geschieden; am 24. September 1924 heiratete er in Malmö die Schwedin Ingeborg Engeström.
Mit dem Hilfskreuzer Seeadler durchbrach er die britische Seeblockade, auf den folgenden Kaperfahrten soll auch nur ein Seemann sein Leben verloren haben. Er wurde gefangen genommen, ihm gelang die Flucht in der Südsee, wieder gefangen genommen kam er 1918 wieder frei. Im Januar 1921 trat er wieder in die Reichsmarine ein und bekam im März das Kommando über das Ausbildungsschiff Niobe. Auf eigenen Wunsch hin aber, seine jetzt immer häufiger durchgeführten Vorträge nahmen ihn mehr in Anspruch, schied er, nun befördert zum Korvettenkapitän wieder aus. 1922 spielte er in dem Film Mabel und ihre Freier der Vera-Filmwerke AG unter seinem Pseudonym Phylax Lüdecke einen Kommandanten.
Seine Bücher erschienen, Je nach politischer Lage passte er den Text entsprechend an. 
Seine Vorträge sollten ihn in die ganze Welt führen. 1925 wurde deshalb  der Verein Graf von Luckner Weltumseglung gegründet. Dieser erwarb einen im Jahre 1919 an der Westküste Nordamerikas gebauten Viermastgaffelschoner mit einer Länge von 70 m und einer Breite von 13 m bei 1.335 BRT, die Segelfläche betrug 1.700 m². 
Der Name des Schoners sollte Vaterland sein. Nachdem ihre Besatzung aus Hunderten Freiwilliger zusammengestellt worden war, lief der Windjammer am 19. September 1926 von Bremen zur geplanten Weltumsegelung aus, die dann allerdings bereits zwei Jahre später in den Vereinigten Staaten enden sollte. Am 22. Oktober 1926 traf das Schiff vor New York ein; am 27. Oktober 1926 wurde Graf Luckner offiziell in der Stadt empfangen. Über Jahre hielt er sich dann in den Vereinigten Staaten auf.
Im Juni 1933 kehrte er in das jetzt nationalsozialistische Deutschland zurück. Zwei Gründe bewogen ihn die Nähe zu den Machthabern zu suchen. Er brauchte Geld für seine Vortragsreisen und die NS-Regierung sollte sich an der Unterhaltung seine Schiffe beteiligen. Er trat aber nicht der NSDAP bei. 
1939 fiel er in Ungnade, er musste sich vor einem „Sonderehrengericht des Führers“ wegen Unzucht mit Minderjährigen verantworten. Er setzte sich später für die Stadt Halle an der Saale ein und verhinderte mit mehreren anderen die Bombardierung der Stadt durch die Amerikaner, setzte sich wahrscheinlich auch für Freilassungen von Juden ein.
Seine Memoiren erreichten in den USA Auflagen von mehreren Millionen. Die Amerikaner verliehen dem schon vom Deutschen Reich hoch dekorierten Deutschen über 100 Ehrentitel. Luckner wurde für die Rettung Halles nach dem Krieg zum Ehrenoberst der 104. US-Division „Timberwolves“ ernannt.
Hätte es damals schon Sendungen wie "Wetten, dass…?" etwa gegeben, wäre er sicherlich auch mit seinen Kunststücken aufgetreten an die man sich heute noch erinnert. Er war bekannt dafür bei seinen Vorträgen Telefonbücher alleine durch die Kraft seiner Hände zu zerreißen oder Münzen mit den Fingern zu zerdrücken. Um diese Kräfte zu trainieren besuchte er des Öfteren  den Trainer für Kraftsport Theodor Siebert (1866–1961) in dessen Körperschule in Alsleben (Saale).


Graf von Luckner lebte bis zu seinem Tode im April 1966 in Malmö, wo er sich mit seiner schwedischen Frau Ingeborg Engeström aufhielt. Seine Beisetzung erfolgte auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg  nahe dem Nordteich direkt am Stillen Weg (Planquadrat AB 13). Die Ehrenwache wurde von jugendliche Mitgliedern seines Hamburger Segelclubs, den Alsterpiraten, gestellt. Eine Abordnung der Bundesmarine nahm ebenfalls an der Trauer-Feier teil.


Briefmarke zur Sonderganzsache Graf Luckner
Briefmarke der Passat zur Sonderganzsache Graf Luckner

Theodor Heuss verlieh Luckner 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Die Öffentlichkeit kannte seine Vergangenheit als wahrscheinlich überführter Unhold und seine zwiespältigen Beziehungen zur NS-Herrschaft nicht. Anlässlich seines 125. Geburtstages würdigte die Deutsche Post Luckner mit der Herausgabe einer Sonderganzsache. In Halle an der Saale und in Kiel gab es dazu am 8. Juni 2006 Sonderstempel.

Die Briefmarke zeigt deshalb die Passat, weil eines seiner letzten Bilder hier entstanden ist.

Ludwig der Fromme

 

 

 

 





 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.