Otto Heinrich Dräger formt einen Betrieb mit Weltgeltung in Lübeck

Wer in Schleswig-Holstein von Industrie spricht, meint Dräger. Das Drägerwerk in Lübeck hat sich aus einem kleinen Betrieb für Druckminderventile zu einem der weltweit größten Unternehmen des Gasschutzes und der Medizintechnik entwickelt. Johann Heinrich Dräger, in Kirchwerder in den Vierlanden geboren (* 29. Juli 1847), gelernter Uhrmacher, Gründer einer Fabrik für Bierdruckapparate und Armaturen in Lübeck, Gründer der Deutschen Bierfaß-Automaten-Gesellschaft, legte 1902 den Grundstein der Firma "Drägerwerk, Heinr. & Bernh. Dräger". "Bernh." stand für Bernhard, den Sohn, der 1893 Prokura erhalten hatte.
"Die Kunst des Erfindens brauchte er nicht zu lernen; diese Gabe hatte ihm eine gütige Fee in die Wiege gelegt", schreibt Johann Heinrich Dräger (1847-1917) über seinen Sohn Bernhard (1870 - 1928) 
Johann Heinrich startete im Raum Bergedorf 1879 unter anderem mit dem Bau einer Nähmaschine sowie dem Vertrieb der US-amerikanischen Marke Singer. 1881 zog er nach Bergedorf, ab 1886 wurde er Vertreter des Bergedorfer Eisenwerkes für Molkereimaschinen. Der Firmengründer Wilhelm Bergner hatte ihn persönlich angeworben. Mit Molkereimaschinen waren die bahnbrechenden Erfindungen von Carl Gustaf Patrik de Laval (Weiterentwicklungen von Rahmabscheidern) gemeint, mit denen der bedeutende Alfa-Laval-Konzern zu einer weltweit beachtlichen Größe wurde.
Bernhard hat u.a. das Atemschutzgerät 1904/09, eine Weiterentwicklung des Modells von 1903, auf den Markt gebracht, das die Arbeit von Grubenwehren dramatisch erleichtert. Mit ihm haben die Helfer Atemluft für zwei Stunden - Zeit, die ungezählten Verunglückten das Leben rettet. 
Die Armaturen waren explosionssicher. Das war der Beginn jener Atemschutztechnik, in der Dräger Weltbedeutung erhalten sollte: Rettungsgeräte für den Bergbau.
Vater und Sohn Bernhard drücken dem Lübecker Unternehmen den Stempel auf, das bis heute, mit einem Dräger an der Spitze, "Technik für das Leben" konstruiert, vorantreibt und herstellt.  
Zur Weltgeltung bringt das Werk dann Bernhards Sohn Otto Heinrich (* 2. Juli 1898 in Lübeck; † 28. Juni 1986), der spätere promovierte Wirtschaftswissenschaftler. Von 1928 bis 1986 leitete er das Werk.
Während des Zweiten Weltkriegs stellte man unter anderem die „Volksgasmaske“ her. In dieser Zeit waren etwa 1.200 der 7.000 Mitarbeiter bei Dräger Zwangsarbeiter. Darüber hinaus wurde im Jahr 1944 auf dem Betriebsgelände das KZ-Außenlager Hamburg-Wandsbek eingerichtet, in dem etwa 500 weibliche KZ-Häftlinge an der Produktion mitarbeiten mussten.

Dräger-AtemschutztechnikDräger_HPS7000 Foto Arkadiusz Zarzecki [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Aber Heinrich Dräger schützte auch eine Reihe jüdischer Mitarbeiter und Freunde sowie den katholischen Philosophen Hans Blumenberg. Die spektakulärste Rettungsaktion betraf die Berliner Apothekerfamilie Silten.
Nach dem Krieg wuchs das Werk rasant und beschäftigte sich zusätzlich mit Atemschutztechnik für chemische Betriebe und für die Feuerwehr, dazu kommen Inkubatoren für Babys, Gasversorgungen in Krankenhäusern. Geräte zum Aufspüren feinster Gase sind identisch mit dem Namen Dräger, wer hat nicht schon alles unfreiwillig Bekanntschaft gemacht mit dem polizeilichen Alco-Test-Gerät ("Pusten Sie 'mal!") oder als Soldat die lebensrettende ABC-Schutzmaske aufsetzen müssen. Hinzu kamen Geräte für die Tauchtechnik und die Luft- und Raumfahrttechnik. In der früheren Niederlassung in Travemünde entstand auch das UWL, das Unterwasserlabor Helgoland.
Dr. Heinrich Dräger  wurde am 2. Dezember 1982 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Lübeck mit folgenden Worten verliehen:
Sie haben mehr für die Hansestadt getan, als von einem Bürger erwartet werden kann. Bei allem ging es Ihnen um den Menschen und die Gemeinschaft.“ So wurde die Ehrenbürgerschaft für den Fabrikanten Heinrich Dräger begründet. Millionenbeträge stiftete er für den Wiederaufbau der Stadt, für die archäologischen Ausgrabungen Alt-Lübecks. Der Marli-Freizeitpark (Drägerpark) entstand durch seine Initiative und Hilfe, ebenso der Dräger-Wanderweg und schließlich das Dräger-Museum (Behnhaus) zur Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts.

 

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