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Die Bethmann-Hollwegs und die Reventlows

Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann Hollweg (* 29. November 1856 in Hohenfinow, Provinz Brandenburg; † 2. Januar 1921 ebenda) war ein deutscher Politiker in der Zeit des Kaiserreichs. Seine Karriere begann als Verwaltungsbeamter und gipfelte in der Amtszeit als Reichskanzler von 1909 bis 1917.

Wilhelm II. berief Bethmann Hollweg am 7. Juli 1909 aus unterschiedlichen Gründen zum Reichskanzler: Einerseits war er schon in Bülows Amtszeit dessen Stellvertreter gewesen, andererseits wusste der Kaiser um die ausgleichende Persönlichkeit des Staatssekretärs, die die Situation der rivalisierenden Parteien beruhigen sollte. Zudem stand Bethmann Hollweg durch sein bescheidenes Auftreten und seine Erfolge als Kaiserberater in der Gunst Wilhelms II.

Theodor Bethmann Hollweg
Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin Urheber F.Brant († 1917)

Ein Konflikt mit der 3. Obersten Heeresleitung (Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff) führte am 13. Juli 1917 zu seiner Entlassung (Nachfolger wurde Georg Michaelis).
Sein ältester Sohn Eugen Reventlow (1798-1885) übernahm 1834 den Betrieb Altenhof. Er führte den Titel eines geheimen Konferenzrates unter Christian VIII. und war zunächst Dänischer Gesandter am Preußischen Hof. Zu den Betrieben Altenhof und Aschau erwarb er 1839 das benachbarte Hoffnungsthal hinzu und bildete aus den drei Gütern während der preußischen Zeit einen gemeinsamen Gutsbezirk. Als sein Onkel Fritz Reventlow auf Emkendorf seinen Posten als Dänischer Gesandter in Berlin aufgegeben hatte, folgte er diesem in seinem Amt nach, legte es aber bei Erlass des offenen Briefes des Königs Christian VIII. im Jahre 1846 nieder. Er erlebte den Übergang der Herzogtümer von Dänemark an Preußen und wusste auch selber Zugang zum neuen Landesherrn zu finden. Durch seine erste Ehe mit der Tochter des preußischen Außenministers Christian Bernstorff, der Gräfin Clara Bernstorff hatte es ohnehin schon nicht an Beziehungen nach Preußen gefehlt.
Nachdem Schleswig-Holstein preußische Provinz wurde, übernahm er die Position des Preußischen Gesandten in Petersburg. Er war nach seiner Tätigkeit als Legationssekretär in Berlin und St. Petersburg von 1828-46 Königlich-Dänischer Gesandter am preußischen Hofe und wurde kurioserweise nach 1864 zum Mitglied des preußischen Herrenhauses ernannt.
Eugen war kinderlos und konnte somit den Betrieb Altenhof an keinen Reventlowschen Nachkommen aus Altenhof weitergeben. Sein Bruder Joachim, welcher in Jersbek saß, aber hatte einen Sohn namens Theodor. Joachim verstarb frühzeitig, nämlich 1871 im Krieg und hinterließ Theodor seinem Schicksal. Theodor Reventlow (1870-1938), welcher mit seiner Frau Elly geborene Stein 1910 den letzten Aus- und Umbau des Hauses gestaltete, war Königlich-Preußischer Kammerherr und Mitglied des preußischen Herrenhauses. Er erbte Besitzungen von knapp 5300 ha und war somit einer der bedeutendsten Großgrundbesitzer Schleswig-Holsteins geworden.
Er selbst hinterließ keine Söhne, aber vier Töchter. Von ihnen erbte die 2. Tochter Marie-Luise Altenhof, welche mit dem Sohn des Reichskanzlers Theobald von Bethmann-Hollweg, nämlich Felix von Bethmann-Hollweg verheiratet war. Letzterer war in diversen Agrar- und Forstpolitischen Gremien in Schleswig Holstein tätig und auf seine maßgebliche Initiative war auch die Gründung der Zuckerfabrik in Schleswig zurückzuführen. Er wurde 1968 mit seinen Söhnen Christoph und Cay in die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft rezipiert. Cay, der älteste Sohn erbte das Gut Jersbek und Christoph von Bethmann-Hollweg übernahm 1971 die Führung von Altenhof. Letzterer erkannte schon frühzeitig die Rückgänge der Einnahmen aus Land- und Forstwirtschaft, welche bis dato die Haupteinnahmequellen des Gutes stellten, und baute zusammen mit seiner Frau Sophie von Bethmann-Hollweg (geb. Maltzan) im Laufe seiner Amtszeit notwendige zusätzliche Standbeine für den Hof auf, die schlussendlich den Bestand des Gutes in seiner Gesamtheit über das 20. Jahrhundert hinaus sichern sollten. Neben der Idee, 1972 einen der ersten 10 Golfplätze Schleswig-Holsteins in die historische Parkanlage zu integrieren, überführte er auch die obsolet gewordenen Wirtschaftsgebäude auf dem Hof wieder in eine Nutzung: So entstand 1986 in dem ehemaligen Kuhstall ein Konzertsaal mit dazugehörigen Foyers und Empfangsbereichen (ein Ausrichtungsort des SHMF). In der Scheune vis à vis wurde ein Scheunencafé integriert und der Fachwerkbereich im Inneren wurde als Austellungsraum für Veranstaltungen und Märkte ausgerichtet. Neben der wirtschaftlichen Neuausrichtung des Gutes Altenhof machte Christoph von Bethmann-Hollweg sich einen Namen durch zahlreiche Ehrenämter. Besonders hervorzuheben ist sein langjähriges Engagement für den Holsteiner Pferdesport, dem er zwei Jahrzehnte lang als Präsident vorstand.
Zu Anfang des 21. Jh., nämlich im Jahre 2005, hat wiederum der älteste seiner drei Söhne, Felix Eugen, Gut Altenhof geerbt und ist heutiger Eigentümer der Anlage.

 

Otto von Bismarck