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Bendix von Ahlefeldt und die Oper

Den einzigartigen Jersbeker Barockgarten verdanken wir Bendix von Ahlefeldt, eigentlich Benedikt von Ahlefeldt (* 11. November 1678 in Seestermühe; † 10. Juni 1757 in Uetersen)

Er war nicht nur Gutsherr der holsteinischen Güter Jersbek und Stegen sondern zeitweilig mäzenatischer Direktor der Hamburger Oper. Am 30. Juni 1704 heiratete er in Hamburg die Witwe Anna Margaretha (von) Rantzau, geb. von Buchwaldt (* 26. Juni 1678; † 5. September 1730), einzige und damit Erbtochter von Jasper von Buchwaldt zu Jersbek und Stegen, also auch reich. Mit ihr hatte er vier Kinder. Am 1. Mai 1734 heiratete er die bereits 49 Jahre alte und ihrerseits verwitwete Anna Christine (von) Blome, geb. (von) Rantzau (* 1683; † 9. Februar 1739 in Kiel). Auch die Rantzaus verfügten über beträchtlichen Grundbesitz und finanzielle Mittel.
Was hatte er nicht alles für Stellungen? Klosterprobst zu Uetersen, königlich-dänischer Landrat und Mitglied des gemeinsamen schleswig-holsteinischen Landgerichts, Ritter vom Dannebrog-Orden, er erhielt die Titel eines Kammerjunkers (vor 1708), eines Konferenzrats (vor 1715), eines Geheimen Rats (seit 1734) und Kommandant von Helgoland (1753 bis 1764). Damit rangierte er in der ersten der neun Rangklassen der hoffähigen Personen. 
 

 

Barockgarten
Jersbeker Barockgarten

Er übernahm - am 22. Mai 1722 mit Friedrich Christian von Wedderkop  (* 11. September 1697 in Tremsbüttel; † 12. Juni 1756 in Hamburg) und anderen „in Hamburg residierenden auswärtigen Gesandten“ wie Jean Henri Desmercières z.B. rückwirkend ab Ostern 1722 zunächst auf sechs Jahre die Direktion und Pachtung der bisher von Hofrat Gumprecht geleiteten Hamburger Oper am Gänsemarkt, die etwa 2.000 Zuschauern Platz bot. Die Jahrespacht betrug 1.200 Reichstaler. Nachdem das Opernhaus ab 1722 in besseren baulichen Zustand gesetzt wurde und Kulissen und Kostüme attraktiver wurden, genoss die Oper in Hamburg damals europäischen Ruf.
Benedikt von Ahlefeldt ließ in den Jahren nach 1726 in Jersbek neben die vorhandene Gutsanlage mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden den rund 8,8 ha großen prächtigen Barock-Garten im französischen, asymetrischen Stil anlegen und vermutlich 1740 fertigstellen.  Vermutlich 1736/1737 kam der Jersbeker Eiskeller dazu.

Die Mitdirektoren der Hamburger Oper gerieten in Geldnot und stellten ihre Zahlungen ab 1723 ein. Sie schieden damit auch Ostern 1724 aus den Ämtern. Darauf führte  Benedikt von Ahlefeldt die Oper als alleiniger mäzenatischer Direktor noch zwei Jahre mit großen Kosten und Schaden weiter, um sich dann am 15. März 1726 wegen allzu hoher Kosten von den beiden letzten Kontraktjahren durch eine ansehnliche Summe loszukaufen.
Im Garten wurde 1738/1739 ein prächtiges Gartenhaus gebaut. Vermutlich nach der damaligen Schließung der Hamburger Oper wurden Konzerte und Singspiele dort veranstaltet. 

Ihm wird eine „bewundernswerte“, aber leider verschollene Librettosammlung der von 1678 bis 1744 in Hamburg und in Jersbek aufgeführten und gedruckten Singspiele zugerechnet.

Seine Vermögensverhältnisse verschlechterten sich zunehmends. Es hieß zwar, dass die Verwaltung der Güter für ihn immer mühseliger geworden war und er deshalb das Eigentum an den Gütern zum 1. Oktober 1754 unter Beibehaltung des Wohnrechtes in Jersbek an seinen Sohn Adolf Jasper von Ahlefeldt übergab. Überschuldet war er offenbar aber noch nicht. Heute sagt man, dass sein Sohn Adolph Jasper von Ahlefeldt und sein Enkel Bendix Wilhelm Georg Baron von Oberg die Güter innerhalb von nur 20 Jahren in den Ruin getrieben haben, sodass sie 1774 an Paschen von Cossel verkauft wurden.
Kurz vor seinem Tod hinterließ er nach dem „Status Creditorum auf Michaelis Anno 1754“ Schulden von nur 10.002 Reichstaler und zwölf Schillinge Courant.
Am 10. März 1755 zog er endgültig nach Uetersen, verzichtete vorher auch auf das Wohnrecht in Jersbek. Dort starb er  am 10. Juni 1757. Mit viel zeremoniellem Aufwand wurde er in einem „großen hölzernen Doppelsarg“ im Familien-Erbbegräbnis zu Sülfeld beigesetzt.

 

 

 

 

Hans Albers