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Die Rungholtlegende von Anton Heimreich ist keine Sage mehr

Kennen Sie Pastor Anton Heimreich? Der bewahrte Rungholt als erster vor dem Verschwinden aus der Geschichte.
Anton erlebte eine schwere Sturmflut mit. Am 11. Oktober 1634, da war Anton 8 Jahre alt, zerriss die Burchardiflut die Insel Strand. Dabei wurden 33 der 57 Häuser von Trindermarsch, wo er vermutlich am 5. März 1626 geboren wurde, zerstört und die Kirche schwer beschädigt.
Heimreichs Familie war jedoch trotz der Katastrophe recht wohlhabend. So konnte er von 1643 bis 1645 das Johanneum Lüneburg besuchen, studierte danach in Helmstedt und Leiden Theologie und bereiste dann Deutschland, England, Frankreich, Rom, Ungarn und Böhmen. In London erlebte er die Revolution unter Oliver Cromwell mit. 
Dann hielt er in der Nordfresischen Chronik alles fest, zunächst als Pastor der Hallig Nordstrandischmoor. Sie erschien 1666 als älteste Chronik Nordfrieslands im Druck. Auf die Nordfresische Chronik geht die Schilderung der zweiten Marcellusflut („Grote Mansdränke“) von 1362 und die damit verbundene Zerstörung der Landschaft Strand zurück. Allerdings datiert Heimreich die Flut auf 1300. Seine Beschreibung des Untergangs des Ortes Rungholt gilt als erste Erwähnung der Rungholtlegende und als Vorlage für das Gedicht von Detlev von Liliencron. Der Begriff Blanker Hans als auch heute noch weit verbreitetes Synonym für die Nordsee findet sich ebenfalls zum ersten Male in der Nordfresischen Chronik.
Lange Zeit gab es keinen materiellen Beleg aus der Zeit des Ortes vor 1362, der die Existenz Rungholts belegen konnte, nur Schriften von ihm und zwei anderen. In deutschen Archiven fand sich nichts. Das lag daran, dass die Gegend unter dänischem Einfluss stand. Die Überlebenden von Trindermarsch verließen die unwirtliche Gegend blieben in Nordstrandischmoor oder flüchteten in die Uckermark. Antons älterer Bruder wurde der erste Prediger in Nordstrandischmoor. Wegen eines Sexualdeliktes verschlug es diesen dann aber nach Afrika, 1659 wurde er Prediger der Dänischen Westindien-Kompanie und starb 1662 in Friedrichsburg in Ghana. Anton übernahm die Predigerstelle in Nordstrandischmoor. Von Rungholt gab es  erst zwischen 1921 und 1938 belegbare Spuren. Die Gezeiten im Watt nördlich von Südfall spülten wieder Überreste von Warften, Bauten und Zisternen frei. Recherchen zu Dokumenten führten dann auch erst in Kopenhagen zum Erfolg.
Der Rungholt-Forscher Andreas Busch (* 16. Juni 1883 in Nordstrand; † 7. Juli 1972 ebenda) nahm aufgrund der Anzahl und der Verteilung von Brunnenresten eine Schätzung der Einwohneranzahl vor. Dadurch schloss er auf eine Bevölkerung von mindestens 1500 bis 2000 Einwohnern. Das ist für eine Ortschaft des 14. Jahrhunderts in dieser Gegend eine bemerkenswert große Zahl. Kiel beispielsweise hatte zu dieser Zeit genauso viele Einwohner, in Hamburg lag die Einwohnerzahl bei etwa 5000. 
Rungholt existierte also tatsächlich und Anton Heimreichs Berichte waren keine Märchen oder Sagen mehr. 
Vieles von Heimreich und Busch wird jetzt im Inselmuseum Nordstrand, Schulweg 4, 25845 Nordstrand und im Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum Herzog-Adolf-Str. 25 · 25813 Husum gezeigt.

Heinrich IV

 

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