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Alfred Nobel und seine Stiftung

 

Auf für heutige Begriffe recht fragwürdige Art hat Alfred Nobel einen Haufen Geld angehäuft.

Am 21. Oktober 1833 als Alfred Bernhard Nobel in Stockholm geboren erfand er vor allem das Dynamit.  Nobel selbst reiste ständig, um seine Produkte zu verkaufen. Er besaß über 90 Dynamit-Fabriken in aller Welt. Die Dynamitfabrik Krümmel war die erste Sprengstofffabrik Alfred Nobels außerhalb Schwedens und wurde 1865 östlich von Geesthacht in Krümmel errichtet. Die britischen Truppen überquerten zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Elbe bei Lauenburg in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 und rückten bis zum Dynamitwerk auf dem Gelände des heutigen Kernkraftwerkes Krümmel vor. Hier wurden Sprengstoffe zur zivilen und militärischen Nutzung produziert. Das Werk galt bis dahin zusammen mit der westlich von Geesthacht gelegenen Pulverfabrik Düneberg lange Zeit als die Pulverkammer Deutschlands. Nobel jedenfalls trug bis zu seinem Tod  am 10. Dezember 1896 in Sanremo, Italien ein Vermögen von etwa 31,2 Millionen Kronen zusammen. Da er kinderlos blieb, veranlasste er, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Ein Jahr vor seinem Tod setzte er in Anwesenheit einiger Freunde, aber ohne Anwalt, am 27. November 1895 sein Testament auf. Den größten Teil seines Vermögens, ungefähr 94 % des Gesamtvermögens, führte er der Stiftung zu. 

Wie kam es aber zu dem Gesinnungswandel einerseits solch schreckliche Produkte für den Gebrauch als Waffe zu perfektionieren? 

Dies geschah ja nicht zufällig, er meldete schließlich insgesamt 355 Patente erfolgreich an. Vielleicht war auch seine intensive Bekanntschaft zu Bertha von Suttner schuld. 1876 hatten sie sich kennengelernt. Bertha von Suttner, geborene Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau  (* 9. Juni 1843 in Prag; † 21. Juni 1914 in Wien) war zu dem Zeitpunkt weitgehend ohne Vermögen, nachdem das ererbte Vermögen ihres Vaters (nicht zuletzt aufgrund der Spielleidenschaft der Mutter) aufgebraucht war. Sie schlug sich als Gouvernante durch und reiste nach Paris, wo sie für knappe zwei Wochen die Privatsekretärin von Alfred Nobel war. Schon damals müssen sie intensiv über Krieg und Frieden diskutiert haben. Bertha kehrte nach Wien zurück, heiratete am 12. Juni 1876 heimlich Arthur Gundaccar von Suttner, gegen den Willen seiner Eltern. Daraufhin wurde Arthur Suttner enterbt, und das Ehepaar zog für mehr als acht Jahre, von 1876 bis 1885, in den Kaukasus nach Georgien zu Fürstin Jekatarina Dadiani von Mingrelien. Ab 1877 begann sie mit Veröffentlichungen pazifistischer Natur und engagierte sich intensiv in der Friedens- und Frauenbewegung. Der Briefwechsel mit ihr war umfangreich.  Er war stets freundschaftlich gehalten und soll ihn dann zur Stiftung des Friedensnobelpreises angeregt haben, mit dem 1905 auch Bertha von Suttner ausgezeichnet wurde. Richtig sesshaft war Alfred Nobel nicht. Er reiste viel und forschte immer und überall mit Sprengstoffen, so  entwickelte er  1875 die Sprenggelatine, 1887 ließ er sich das Ballistit (rauchschwaches Pulver) patentieren. Diese Erfindung bot er zunächst der französischen Regierung an. Die favorisierte aber ein anderes fast rauchfreies Pulver, welches nur noch nicht fertig war. Da bot Nobel die Erfindung den Italienern an, die sofort zuschlugen. Dies führte zu Vorwürfen in der französischen Presse, es war sogar von Spionage die Rede. Nobel wurde verhaftet und seine Erlaubnis, Experimente durchzuführen, wurde ihm entzogen. So zog Nobel 1891 nach Sanremo, kaufte dort eine 1870 erbaute Villa und verbrachte hier den Rest seines Lebens. 

Briefmarke Nobel-Testament
Briefmarke Nobel-Testament


1884 wurde er Mitglied der Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. Sein Entschluss, sein Vermögen zu Stiftungszwecken zu verwenden, war bei ihm offenbar über einen längeren Zeitraum gereift. Alfred Nobel schrieb mehrere Testamente, das letzte am 27. November 1895, das er im Schwedisch-Norwegischen Club in Paris unterzeichnete. Darin lässt er zahlreichen Verwandten und anderen Menschen seines Umfeldes Zuwendungen aus seinem Vermögen zukommen, beispielsweise als lebenslange Rente. Für den verbleibenden Rest seines Vermögens, ungefähr 94 % der über 30 Mio Kronen,  bestimmte, dass die Zinsen aus dem Fonds jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollten, „die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben“, und zwar zu gleichen Teilen an Preisträger auf fünf Gebieten: Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden („ein Teil an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“). Er betonte, dass die Nationalität keine Rolle spielen dürfe, vielmehr solle der Würdigste den Preis erhalten.

Alfred Nobel legte auch fest, wer für die Vergabe der Preise zuständig sein sollte: Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften vergibt die Auszeichnungen für Physik und Chemie, das Karolinska-Institut den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin und die Schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur. Während es sich bei diesen Institutionen um wissenschaftliche handelt, ist für die Vergabe des Friedensnobelpreises das Norwegische Nobelpreiskomitee zuständig, eine vom norwegischen Parlament bestimmte Kommission. Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften wird oft als Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet, geht aber nicht auf das Testament Nobels zurück. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank anlässlich deren 300-jährigen Bestehens gestiftet. Er wird von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften nach denselben Prinzipien wie die Nobelpreise vergeben und auch in derselben Zeremonie übergeben. Die Gründung der Nobel-Stiftung erfolgte 1900. Im Jahr darauf, an Nobels fünftem Todestag, wurden die Nobelpreise erstmals verliehen. Da der Nobelpreis nur wenige Fachgebiete abdeckt, gibt es zahlreiche andere Preise, die in ihren jeweiligen Disziplinen von herausragender Bedeutung sind und damit eine ähnliche Rolle spielen wie der Nobelpreis.

Die folgenden Preise genießen eine solche Reputation:

Journalismus und Literatur: Pulitzer-Preis (nur USA)

Musik: Ernst von Siemens Musikpreis, Polar Music Prize

Kunst: Praemium Imperiale

Architektur: Pritzker-Architektur-Preis

Mathematik: Fields-Medaille, Abelpreis

Informatik: Turing Award

Politikwissenschaft: Johan-Skytte-Preis

Psychologie: Wilhelm-Wundt-Medaille


Das chemische Element Nobelium wurde nach Nobel benannt.

Bernt Notke


 

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