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Adolf Bartels - eine fragwürdige Persönlichkeit

Adolf Bartels (* 15. November 1862 in Wesselburen; † 7. März 1945 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber, Journalist, Literaturhistoriker und Kulturpolitiker. Er war Vertreter der Heimatkunstbewegung und bekennender Antisemit. Damit war er einer der Wegbereiter für den Nationalsozialismus.

Adolf Bartels wurde in Wesselburen, dem Geburtsort von Friedrich Hebbel, als Sohn eines Schlossermeisters und ältestes von neun Kindern geboren. Von 1877 bis 1882 besuchte er gemeinsam mit Gustav Frenssen das Gymnasium in Meldorf, brach dieses aber aus finanziellen Gründen vor dem Abitur ab. Für einige Zeit lebte er bei seinem Onkel in Hamburg und erteilte Nachhilfestunden. Studienzeiten und Zeiten als Journalist folgten. 
Bartels, der als Student und Redakteur ein Gegner des schleichend um sich greifenden Antisemitismus war, lernte in Frankfurt auch Schriftsteller jüdischer Herkunft kennen. Anfangs trat er ihnen mit Unbefangenheit und Wohlwollen entgegen, nahm dann allerdings mit den Jahren immer mehr eine „jüdische Solidarität im Guten wie im Schlechten“ wahr, wobei sich seine Einstellung zunehmend in offene Feindseligkeit kehrte.
1896 realisierte Bartels seinen Wunschtraum und wagte den Sprung in die freie Schriftstellerei. Dabei wurde er von seinem väterlichen Freund Julius Grosse, dem Sekretär der Deutschen Schillerstiftung, unterstützt. Er siedelte nach Weimar über und legte seinen ersten Roman, Die Dithmarscher, sein belletristisches Hauptwerk, vor.
Um die Jahrhundertwende entstand sein Standardwerk, die Geschichte der deutschen Literatur, in das seine nunmehr offene antisemitische Haltung einfloss. Seine Literaturanschauungen, die zum Ziel hatten, einerseits die „Erkenntnis des völkischen Schatzes“ zu befördern und zugleich dessen angebliche Verderber zu identifizieren, hatten wesentlichen Anteil daran, Antisemitismus zum verbindlichen Teil nationaler Haltung werden zu lassen.
Ein Höhepunkt in seiner Phase als Literaturhistoriker war die Publikation Heinrich Heine. Auch ein Denkmal (1906), eine harsche Polemik gegen den deutsch-jüdischen Dichter und seine Huldigung durch ein öffentliches Ehrenmal, dessen Gedichte er als Jugendlicher selbst sehr geschätzt hatte, wodurch er einen Sturm im deutschen Blätterwald erregte.
1913 organisierte Bartels den ersten „Deutschen Tag“ in Eisenach, eine Heerschau völkischer Vereinigungen und Verbände. In seiner Heimat Schleswig-Holstein gehörte er zu den Initiatoren des Hebbel-Museums in Wesselburen und des Klaus Groth-Museums im benachbarten Heide und wurde Mitglied der Deutschvölkischen Partei, die zwischen 1914 und 1918 bestand.
In einer Rede auf Einladung des Deutschvölkischen Studentenverbandes und des Reichshammerbundes am 21. Januar 1913 in Berlin erklärte er: „Wer in unserer Zeit nicht Antisemit ist, der ist auch kein guter Deutscher“. In der Enzyklopädie des Nationalsozialismus wird er als Rassist und militanter Antisemit charakterisiert.
Durch seinen Schüler und zeitweise persönlichen Sekretär Hans Severus Ziegler, nach 1933 Generalintendant und stellvertretender NSDAP-Gauleiter von Thüringen, sowie seinen Landsmann Ernst Graf zu Reventlow wurde er allmählich an den Nationalsozialismus herangeführt. 1924 veröffentlichte er die mehrfach aufgelegte Broschüre Der Nationalsozialismus-Deutschlands Rettung und lernte 1926 erstmals auch Adolf Hitler kennen, den er in seinem letzten Roman, Der letzte Obervollmacht (1931), im Schlusskapitel kurz auftreten lässt.
1925 war er zum Ehrenmitglied der NSDAP-Ortsgruppe Weimar ernannt worden. 1928 trat er als öffentlicher Förderer der Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur auf. Nach der Machtergreifung 1933 erhielt Bartels als „völkischer Vorkämpfer“ zahlreiche Ehrungen (Ehrensold, Ehrenbürgerverleihungen, Partei-Auszeichnungen). Zu seinen Verehrern zählten u.a. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, Reichsdramaturg Rainer Schlösser und Reichsjugendführer Baldur von Schirach. 
Zu den letzten Höhepunkten in seinem Leben zählten die großdeutschen Dichtertage in Weimar, wo er neben Goebbels zu 200 eingeladenen Dichtern und Schriftstellern sprach, sowie die Feiern zu seinem 75. und seinem 80. Geburtstag, an dem Ziegler, nunmehr Intendant des Nationaltheaters in Weimar, sein Jugenddrama Catilina uraufführen ließ. Bartels starb, nachdem er noch zuvor für seine Heimat Dithmarschen eine Landesbibliothek und Gedächtnishalle geplant hatte, am 7. März 1945 nach kurzer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Weimar.

 

Sebastian von Bergen