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Meddewade und die Brotfabrik in Stormarn

Die älteren unter uns erinnern sich noch an die Werbung in den Omnibussen aus Lübeck:

Sprach der Orje zum Kulle:

"Haste nich' 'ne Paech-Brot-Stulle?"

Oder ähnlich einprägsames war da zu lesen.

Später wurde im Volksmund dann auch gespottet:
"Schau, da fährt ein Leichenwagen.
Der konnte Paech-Brot nicht vertragen."

Das Paech-Brot kam aus Meddewade.

Im Norden wird es durch die Trave begrenzt, im Süden durch die A 1.
Meddewade (niederdeutsch Meddewaad) ist eine Gemeinde im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein.
Es grenzt an Bad Oldesloe, Rethwisch, Barnitz, Feldhorst und Reinfeld.
Dieses Gebiet wurde bereits vor 5.000 bis 10.000 Jahren besiedelt. Im Dorfgebiet selbst fand man Feuersteinartefakte, Reste von 14 bronzezeitlichen Hügelgräbern und eisenzeitliche Urnenfelder. Direkte Ansiedlungsspuren für das Dorfgebiet sind erst ab dem 8. Jahrhundert nachweisbar, es ist jedoch noch nicht geklärt, ob es sich bei den Siedlern um germanische oder slawische Stämme handelte.

Meddewade
Meddewade Kreis Stormarn

Im Zehntregister des Lübecker Bischofs Schele aus dem Jahre 1433 befindet sich die erste gesicherte urkundliche Erwähnung . Bis 1582 gehörte Meddewade wie die meisten Orte und Höfe in dieser Gegend zu den Ländereien des mächtigen Klosters Reinfeld, danach fiel es zusammen mit Reinfeld an das Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön-Rethwisch.

1671 fiel Meddewade mit dem Tode des Plöner Herzogs Joachim Ernst an das neu gegründete Herzogtum Holstein-Rethwisch und damit in die Leibeigenschaft von Herzog Joachim Ernst dem Jüngeren von Holstein-Rethwisch. Meddewade hatte nur wenige Bauernhöfe mit Landbesitz, dafür aber viele Katen ohne Land. Während der Leibeigenschaft hatte es deshalb Treidler zum Ziehen der Lastkähne auf der Trave zu stellen. Nach dem Tod des Herzogs Friedrich Carl, der keine männlichen Erben hinterließ, übernahm 1761 der dänische König Friedrich der Gute das Herzogtum und damit auch das Dorf.
1877 legte das Landratsamt des Kreises Stormarn damals noch in Wandsbek den Namen Meddewade für den Ort fest, nachdem 450 Jahre die unterschiedlichsten Schreibweisen verwendet worden waren. Die Herkunft des Namens ist bis heute auch umstritten. 
Im Herbst 1954 übernahm der Berliner Unternehmer Eberhard Paech das Gebäude der damaligen Molkerei als Filiale für seine Paech-Brot GmbH und baute es großzügig aus. Während im ersten Jahr zehn Mitarbeiter an zwei Steinöfen arbeiteten, waren es sechs Jahre später bereits 140.
1985 beschäftigte die Bäckerei 380 Mitarbeiter, davon waren 22,6 Prozent Meddewader. Nach finanziellen Schwierigkeiten der Mutterfirma wurde die Bäckerei 1986 kurzfristig von Horst Schiesser, danach von der Bäckerei Wendeln übernommen. 

Bundesweit bekannt wurde Schiesser, als er im gleichen Jahr das hochverschuldete Wohnungsunternehmen Neue Heimat, Eigentümerin von über 200.000 Wohnungen, für 1 DM erwarb.

2000 übernahm die Bäckerei Kamps die Fabrik, von den einst 380 Arbeitsplätzen waren 220 verblieben, davon nur neun von Meddewadern besetzt. 2003 wurde die Brotfabrik geschlossen, im Sommer 2008 wurden die Gebäude abgerissen und das Grundstück in Parzellen aufgeteilt, heute ist es wieder bebaut.
Die Freiwillige Feuerwehr von Meddewade wurde 1889 gegründet. 1966 erhielt sie eine Erinnerungstafel der Stadt Lübeck für ihre Hilfeleistung beim Wakenitz-Hochwasser 1965.

Weiterhin gibt es den Sportverein SV Meddewade von 1977 e. V. mit Gymnastik-, Tischtennis- und Fußballmannschaften und über 100 Mitgliedern (1980), den 1912 gegründeten Sparclub und Kulturverein Edelweiß, einen Skatclub und andere.

Politisch aktiv ist hier jetzt seit 1962 die Wählergruppe Meddewade (WGM), bei der Kommunalwahl 1962 stellte sie zum Beispiel alle neun Sitze in der Gemeindevertretung und die meisten Bürgermeister wie Gustav Jannsen 1978 bis 1979 oder die im Augenblick amtierende Marleen Wulf.



 

 

 

 

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