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Baden und Schwimmen - einst und jetzt

Baden und Schwimmen in der Traveregion
Eine der ersten Flussbadeanstalten in Deutschland baute die Gesellschaft zur Förderung Gemeinnütziger Tätigkeit 1799 in Lübeck

Sie lag in der Höhe der Dorotheenstraße an der Wakenitz. Dringliches Anliegen der Gesellschaft: Die Lübecker sollten Schwimmen lernen. Denn diese Fähigkeit war in der Hansestadt wenig verbreitet. Immer wieder kam es in der von Wasser umschlossenen Hafenstadt zu tödlichen Unfällen. Schwimmunterricht und Rettungsdienst zählten darum von Beginn an zu den selbst gesetzten Aufgaben der 1789 gegründeten Gesellschaft. Übrigens: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) wurde erst am 19. Oktober 1913 in Leipzig als Konsequenz aus einem schweren Unglück in Binz auf Rügen gegründet. Damals stürzte ein Steg ein und 17 Menschen ertranken, darunter 7 Kinder. 
Unsere Gesellschaft schuf 1791 als ihre erste Einrichtung eine "Rettungsanstalt für im Wasser Verunglückte". Über die an Trave und Wakenitz aufgestellten Geräte berichtet das auf Betreiben der Gesellschaft 1798 herausgegebene erste "Lübeckische Addreß-Buch bey G. T. I. Römhild ": Rettungsanstalten, zur Belebung scheinbar todter und Herstellung im Wasser verunglückter Personen. An verschiedenen Orten der Stadt, nahe bey den Ufern der Wacknitz und Trave, sind Eisenleitern, Sucher, Stangen mit Haken, Wurfkugeln und Tragkörbe vorhanden. In diesen Ufern nahen Häusern der Herren Chirurgen Baumann und Weinberg befinden sich die zur Belebung und Herstellung nöthigen Instrumente, als: Wärmebank, Elektrisirmaschinen, der Goreysche Blasebalg. Die Retter und die Chirurgen erhalten Prämien." 1885 beschlossen Rat und Bürgerschaft, die Rettungsstationen vom 1. Januar 1886 an dem Polizeiamt zu unterstellen. Den Schwimmunterricht erteilten von 1798 bis 1875 besoldete Schwimmlehrer, deren Bezahlung die Gemeinnützige aufbrachte. In der ersten Flussbadeanstalt an der Wakenitz und in drei weiteren Bädern an Trave und Wakenitz waren die Schwimmlehrer im Auftrag der Gesellschaft tätig. Bis 1921 kam die Gemeinnützige auch für Schwimmunterricht in den städtischen Badeanstalten auf.
Neben dem ersten Freibad förderte die Gemeinnützige auch andere Badeanstalten finanziell: Die "Badeanstalt für natürliche, künstliche und medizinische Bäder" (1794 bis 1798), die Seebadeanstalt in Travemünde (1796), mehrere Dampfbadeanstalten (1833 bis 1836 und 1855 bis 1865), mit 12.000 Mark die neue, heute noch bestehende Dampfbadeanstalt am Hüxterdamm (1873), die Flußbadeanstalt St. Lorenz (1884).
Insgesamt gab es Ende des 19. Jahrhunderts in Lübeck sieben Flussbadeanstalten, sechs an der Wakenitz, eine an der Trave. 
Herrliche Badefreuden gab es aber nicht immer. Bereits 1647 schrieb der Arzt Paul Neucrantz: "Das bei Ratzeburg noch kristallklare Wasser nimmt … nicht nur von den anliegenden Straßen, sondern auch aus den Werkstätten der Gerber,  Ledertauer und ähnlicher Handwerker den widrigsten Schmutz an." Der schon 1894 erhobene Wunsch nach einer Schwimmhalle in Lübeck erfüllte sich aber erst 1959.
Und wie lief es an der Ostsee in der Lübecker Bucht?
"Die Herren und über zehn Jahre alten Knaben haben, bevor sie die Badekarre zum Zwecke des Badens verlassen, eine Badehose, die Damen und über zehn Jahre alten Mädchen einen Badeanzug anzulegen. Badezeiten für Damen von neun Uhr vormittags bis zwölf Uhr mittags, die übrige Zeit für Herren." So rauh wie der Wind an der Ostsee, so streng waren auch die Regeln des "Badens am Ostseestrande" bis ins letzte Jahrhundert hinein.
Am vornehmsten badete und kurte man in Travemünde.
Gäste aus aller Welt und Lübecker Honoratioren stiegen gemeinsam, aber nach Männlein und Weiblein streng getrennt, von hölzernen Badekarren aus ins Wasser, um ein wenig in den Fluten zu plätschern. Schwimmen konnten damals die wenigsten.
Ein Gastwirt legte 1799 den Grundstein zum Badeleben in Travemünde, dem traditionsreichsten Badeort in der Lübecker Bucht. Er hatte die Idee und schob den ersten Badekarren in die Wellen. Beflügelt durch das Interesse, dass dieses neue Vergnügen fand, gründete die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Travemünde eine Seebadeanstalt. Man bot dazu auch einen Service an, der Karren wurde an einem Seil ins Wasser gezogen und auf Wunsch des Gastes bei einem Glockenzeichen wieder aufs Trockene befördert.
So sah ein Badekarren aus.

Joseph von Eichendorff, der Dichter, war 1805 zu Gast in Travemünde, er schilderte den Badespaß mit Badekarren so: "Jeder dieser Karren bestand aus einem kleinen, niedlichen Stübchen mit Stühlen, Stiefelknecht und allen Bequemlichkeiten, das auf zwei Rädern steht und auf der Seeseite ganz offen ist. Hat sich der Badende in die kleine Wohnung einlogiert, so wird sie einige Schritte weit ins Meer hineingeschoben, und er kann sich nun auf einer vorn angebrachten Strickleiter ohne alle Gefahr so tief in die See herablassen, als er Lust hat."
Erst um 1900 wurden die Badehäuschen auf Rädern durch die typischen, gestreiften Strandkörben abgelöst.
Wer hat damals (also Mitte des 19. Jahrhunderts) nicht alles Travemünde besucht.
"Auf der Bade-Anstalt" logierten Frau Gräfin A. von Bernstorff (die Familie besaß unter anderem Gut Wotersen) nebst Comtesse von Bernstorff von Wedendorf, der Königl. Dänische Geheime Legationsrat Herr F. Meyer nebst Gemahlin aus St. Petersburg, der Kaiserl. Russische Hofrath Herr C. von Thal nebst Dienerschaft aus St. Petersburg, Herr Graf von Wrangel aus Schweden und Madame Donner nebst Sohn und Bedienung aus Altona. Die Zimmer im Logierhaus der Bade-Anstalt kosteten je nach Lage "nach der Seeseite oder nach der Rückseite" 1,12 Mark oder zwei Mark am Tag. Die Gäste speisten an der "Table d’hôte", (Das Gegenteil ist der Begriff „a la carte“) wie sie Thomas Mann in den Buddenbrooks beschrieben hat. Von ihm weiß man auch, wie sich die Gäste die Zeit vertrieben haben: "Es gab Schießbuden im Kurgarten…Man konnte Spaziergänge machen…mit einem Boote zum Priwall übersetzen, an dessen Strande es Bernstein zu finden gab."
Treffpunkt der eleganten Welt aber war die 1872 erbaute Badeanstalt. 1905 wurde sie von einer Sturmflut zerstört. Ihre Nachfolgerin stand noch bis 1951.


Der Ostseestrand, einige Freibadegelegenheiten und einige Schwimmhallen bieten sich heute an. Beispielsweise:
Schwimmbäder:
Holstein-Therme
Am Kurpark 3
23611 Bad Schwartau
www.holstein-therme.de


In der Freien Natur Bredenbeker Teich oder Grossensee
Barsbüttel:
Schwimmhalle Barsbüttel

Aqua Fun Hallenbad Wahlstedt
Scharnhorst-Str. 2, 23812 Wahlstedt

Badlantic Freizeitbad Ahrensburg

Das Haus am See
Winklersgang 6, 23795 Bad Segeberg

Freibad Bargteheide
22941 Bargteheide

Freibad Itzstedt
Seeweg 29, 23845 Itzstedt

Freibad Lauenburg
Am Freibad, 21481 Lauenburg

Freibad Poggensee
23843 Bad Oldesloe

Freizeitbad Geesthacht
Elbufer 1 21502 Geesthacht

Hallenbad Bad Segeberg
Theodor-Storm-Str. 12, 23795 Bad Segeberg

HolstenTherme 
Norderstr. 8, 24568 Kaltenkirchen

MA"Das Schwimmbad"-Seniorenzentrum 
Lübecker Str. 2, 22941 Bargteheide

Naturfreibad Savchsenwald-Bad Tonteich
Am Tonteich 35, 21521 Wohltorf

Schönaubad 
Zum Schützenplatz 3, 22946 Trittau

Schwimmhalle Bad Oldesloe
Konrad-Adenauer-Ring 1
Waldschwimmbad Büchen
Moorweg 5, 21514 Büchen

Schwimmbäder Lübeck
www.luebecker-schwimmbaeder.de

Essen und Trinken