Bis heute immer noch ein Besuchermagnet für Reinfeld

Das Reinfelder Karpfenfest

Eigentlich sind es sogar zwei Feierlichkeiten, die man hier begeht. Da ist zum einen das Karpfenfest und dann das feierliche Abfischen.
Was macht nun eigentlich den Karpfen so besonders?
Es gibt Gegenden auf der Welt, da wird der Karpfen in größerer Zahl gezüchtet, wie in der Oberlausitz, im Frankenland, in Polen oder in Fernost. Wild gibt es ihn kaum noch, diese Vorkommen sind sogar bedroht.
Dieser Speisefisch bekam seine Bedeutung für Reinfeld und die nahe gelegene Hansestadt Lübeck mit dem einst so mächtigen Zisterzienserkloster. Die Mönche waren es nämlich, die zunächst mit bloßen Händen viele Teiche in Reinfeld anlegten - der größte ist der Herrenteich - und darin diesen Edelfisch züchteten. Zu diesem Zweck stauten sie 1186 die Heilsau auf. Fleischgenuss war bei den Mönchen verpönt, so bot sich die Zucht des Karpfens an. 
In der Regel vergehen drei Jahre, bis der Fisch eine für den Verkauf oder Verzehr annehmbare Größe erreicht hat. Prinzipiell kann so ein Karpfen aber auch größer werden. Im Euro Aqua See, in der Nähe des Balaton in Ungarn, wurde im Jahr 2012 ein Exemplar eines Spiegelkarpfens mit einem Gewicht von 46 Kilogramm gefangen.

In Reinfeld werden einmal jährlich für die Ernte die Teiche abgelassen und die Tiere entnommen. Da sie weder gefischt noch geangelt werden, nennt sich diese Prozedur Karpfenernte.
Früher nahm man Netze zur Hilfe, heute werden sie im Fischhaus zurückgehalten und sortiert. Zum Teil geht es wieder zurück in den Teich, zum Teil sind auch andere Sorten darunter, die getrennt verwertet werden. Dieses Ereignis nennt sich Abfischen und ist auch jedes Jahr wieder eine Feier wert.

Aus alter Zeit kommt auch noch die spezielle Bezeichnung für den Regulator des Wasserstandes am Teichausfluss. Weltweit nennt man so etwas einen Mönch. 
Ein Mönch selbst besteht aus einem Hohlkörper über dem Ablaufrohr mit je nach gewünschter Höhe des Wasserstandes variabel einsetzbaren Staubrettern im Innern. Von der Teichseite her drückt das Wasser durch eine Aussparung in Höhe des Teichgrunds in den Mönch, dessen Ablauf je nach Höhe der Staubretter regulierbar ist. Bei Abbau der Staubretter bis auf den Teichboden läuft das Teichwasser ohne Stau in die Ablaufleitung und der Teich kann somit gänzlich trockenfallen. Die Trockenlegung eines Teichs wird auch erforderlich aus Gründen der Nutzung und Erhaltung beziehungsweise Unterhaltung (z. B. Säuberung oder Entschlammung) auch „Auslandung“ genannt. Dafür gibt es strenge EU-Vorgaben.

Eingebürgert hatte sich in Reinfeld dann noch eine spezielle Zusammenkunft. Von 1956 bis 2015 trafen sich zur Karpfenprobe die Honoratioren der Stadt, vom Kreis und dem Land Schleswig-Holstein sowie Ehrenbürger und Pressevertreter in einem, jedes Jahr wechselnden Reinfelder Speiselokal und ließen sich vor dem Essen von einem Veterinär die Güte des Speisefisches erklären. 

Bürgervorsteher Lippard bei der Karpfenprobe

Das Karpfenfest und das Abfischen sind heutzutage nicht mehr eine Veranstaltung. Da die Karpfen traditionsgemäß zum Erntedank geerntet werden, haben die Veranstalter vor knapp zehn Jahren zwei Feste geplant, damit das Reinfelder Karpfenfest noch im Spätsommer stattfinden kann, also am letzten Wochenende im August/Anfang September. Zum Karpfenfest kann der Teichwirt trotzdem schon die Leckerbissen anbieten, indem er einige vorab aus den kleinen Teichen erntet, während das große Abfischen aus dem Herrenteich, wie immer, Anfang Oktober stattfindet.

Begonnen hat die Tradition des Karpfenfestes 1951. Man sagt, Hermann Schuldt habe die Idee 1949 schon gehabt. Er ist dann später der erste hauptamtliche Bürgermeister Reinfelds gewesen. Ab 1951 fand das Fest als großes Stadtfest mit Attraktionen und Vorführungen nebst Festumzug alle zwei Jahre statt. Die Wirkung war enorm. Es gab Tontaubenschießen, Feuerwerk, Clowns, Zauberer, Kasperletheater, Luftballonflug-Wettbewerbe, Abendkonzerte. Ein besonderer Magnet war der Festumzug, der bald in ganz Schleswig-Holstein und Hamburg bekannt war. Er war Neptun gewidmet. Jeder Bürgermeister bekam für seine Festherrschaft das Neptun-Zepter, den Dreizack, feierlich überreicht. Man sang das von Robert Ludwig geschriebene Karpfenlied. Fischer, Sirenen, Nixen, ein Nöck und Wasserfiguren waren im Festumzug als Wagendekoration zu sehen, einige Jahre bekam auch die Miss Germany einen besonderen Festwagen. Solange nämlich die Strumpffirma Opal die Misswahl sponserte, gehörte es zur Pflicht einer königlichen Schönheit sich in Reinfeld zu zeigen.
So nahm es dann nicht wunder, dass viele Jahre lang extra Sonderzüge von Lübeck und Hamburg aus den Bahnhof von Reinfeld anrollten.
Abschluss aller Feierlichkeiten bildete meist ein Abendkonzert mit Fackelbeleuchtung vor dem Rathaus.

Auch heutzutage gibt es zu diesem Fest viele Höhepunkte. So ist seit mehreren Jahren zum Abschluss ein Feuerwerk zu sehen, der Herrenteich in Flammen, illuminierte Boote schmücken abends das Wasser, Konzerte und Unterhaltung gibt es auf zwei Bühnen. Auch Vereine zeigen ihr Können oder informieren an ihren Ständen, Chöre und Square-Dancer laden zum fröhlichen Beisammensein ein. Die Modellboot-Regatta und das Reinfelder Rudervergnügen finden ebenfalls innerhalb dieser Festtage statt. Die richtige Mischung wird dabei von Eventplaner Martin Huss zusammengestellt.

Meeno Schrader NDR besucht das Abfischen

Das Karpfenlied
Von Robert Ludwig

Reinfeld – unsere Karpfenstadt – Karpfenstadt – Karpfenstadt. 
Fünf schöne große Teiche hat – Teiche hat – Teiche hat. 
Wir loben jenen frommen Mann, der sie einst angelegt, 
Neptun loben wir sodann, er die Fischlein hegt und pflegt. 

Der Karpfen, der Karpfen, ist mir der liebste Fisch, 
ein Nixlein, ein Nixlein hält mir mein Herze frisch. 
Wir schmausen und wir schmusen, bis alles Licht verglimmt, 
und sorgen, dass der Karpfen inwendig schwimmt. 

Karpfen können zärtlich sein – zärtlich sein – zärtlich sein. 
Trotz ihrem feuchten Stelldichein – Stelldichein – Stelldichein. 
Die Karpfenfischlein sind gar quick, doch sind wir ebenso! 
Es kommt uns niemals was zu dick, denn wir sind des Lebens froh. 

Glaubt, die Karpfen sind nicht stumm – sind nicht stumm – sind nicht stumm. 
Wir sind dafür nur viel zu dumm – viel zu dumm – viel zu dumm. 
Als jüngst ich mit der Angel saß, auf fetten Fang bedacht
Hat mich ein altes Karpfenaas doch ganz deutlich ausgelacht.



Gebackene Karpfen-Chips
Rezept von Annegret Wenskus
 
Pro Person benötigen Sie ca. 200 - 300 g grätenfreies Karpfenfilet. (Gibt’s bei der Teichwirtschaft Wenskus). Dieses schneiden Sie in fingerbreite und fingerlange Streifen.
Die Streifen würzen Sie mit Kräutersalz oder mit Salz und Pfeffer.
Danach in Semmelmehl wenden und gut andrücken. (Gut andrücken ist wichtig!)
Jetzt geben Sie die Chips in die Friteuse oder in ein Fettbad in der Pfanne und backen sie schön knusprig.
Dazu schmecken Dips oder Soßen und Brot oder Salzkartoffeln und Salat oder, oder, oder!

www.reinfelder-karpfen.de Hier gibt es weitere Informationen. Der Reinfelder Teichwirt legt den geeigneten Zeitpunkt des Abfischens fest.

 

 

 

 

sehenswertes

 

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