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Bier aus Lübeck und Hamburg

 

 

 

 

Norddeutschland ist Bierland. Mit langer Tradition. Das Bier aus Lübeck war von solch guter Qualität, dass es bereits im 13. Jahrhundert zu einem erfolgreichen Exportartikel aufstieg. Im 15. Jahrhundert dürfte in Lübeck fast so viel Bier gebraut worden sein, wie in Hamburg, und die dortige Produktion wird auf 250.000 bis 300.000 Hektoliter im Jahr geschätzt. Das war selbst bei stärkstem Durst mehr, als die Lübecker selbst trinken konnten. Ihre Bierproduktion übertraf übrigens die von München mit weitem Abstand. Entsprechend hart war allerdings auch der Wettbewerb. So wurde in der Bürgerschaft Beschwerde geführt, dass die Gutsbesitzer außerhalb der Stadt selbst Bier brauen ließen und es an die Dorfkrüge verkauften. Schlimmer noch: Sie schmuggelten es in die Stadt, ohne die fälligen Abgaben zu zahlen. Der Schaden für die städtischen Brauer war erheblich und wurde sicherlich in der Beschwerde noch vergrößert. Nach langer Diskussion einigte man sich so: Die Gutsherren sollten nicht mehr brauen dürfen, als sie und ihr Gesinde selbst bräuchten. Für jede Tonne, die sie für den Eigenbedarf in die Stadtwohnung bringen ließen, wurden zwölf Schillinge Abgabe fällig. An Krüge sollten sie nicht mehr verkaufen. In der Stadt aber sollten gleichzeitig heimliche Schenken geschlossen und die Konzession für den Ausschank fremden Bieres streng überprüft werden. Die Sorgfalt, die man dem Thema widmete, war begründet. Bier war ein Grundnahrungsmittel. Und so wurde in der gleichen Verordnung festgelegt, den Bierpreis jährlich zweimal nach dem Kornpreis festzulegen. Ferner sollten sich die Brauer einer wöchentlichen Bierprobe unterziehen, denn es wurde auf Qualität geachtet. Die erste Wasserleitung Lübecks wurde 1294 auf Betreiben der Brauer in der südöstlichen Stadt gebaut. Es war eine Druckwasserleitung, mit der das Wasser am Hüxtertor entnommen wurde. Lübeck verfügte damit über die erste Wasserleitung mit künstlicher Hebung nördlich der Alpen. Die nächste Wasserleitung, die sog. Brauwasserkunst, wurde 1302 für die Brauereien im westlichen Teil der Stadt gebaut. Schließlich folgte die Wasserleitung im Nordosten der Stadt. Entlang dieser Wasserleitungen lagen die Brauereien und noch bis zur Auflösung der Brauerzunft 1865 wurde die Lage der Brauhäuser dadurch bestimmt.
In fast allen Quartieren der  spätmittelalterlichen Stadt wurde somit gebraut, nur im Domviertel und in den Straßen der Kaufleute  hinab vom Markt zum Holstentor finden sich keine Brauereien. Dafür standen sie gewissermaßen Tür an Tür in den unteren Teilen der Becker-, Fischer- und Engelsgrube und auf der anderen Seite der Stadtinsel auf den mittleren Teilen der Glockengießer-, Fleischhauer-, Hüx- und Wahmstraße. Es tranken damals alle Bier, vom Greis bis zum Kind. Wasser war nur in äußerster Not zu trinken, so schlecht war es. Suppen und Brei kochte man mit Bier. Arme tranken Dünnbier, Vermögende Dickbier. In einer Urkunde von 1405 werden diese Biersorten in Lübeck genannt: Dickbier, Konvent, Stopbier, Schiffsbier, Kinderbier.- 

In einem Abriss der Geschichte der Brauhäuser Wahmstraße 54 und 56 zusammengetragen von Wolfgang Frontzek und Antjekathrin Graßmann  (1970 bis 2005 Archivarin der Stadt Lübeck) wird der Produktionsvorgang von Bier so beschrieben: Hier stand die große eingemauerte Braupfanne, die in der Regel ein Volumen von 4000 bis 5000 Liter hatte. 
Daneben lag eine weitere Feuerstelle, über die die im Obergeschoß liegende Darre mit Rauchgas versorgt wurde. In der Darre wurde durch Erhitzung der Keimprozeß der Gerste abgebrochen und die Gerste zu Malz umgewandelt. Eine dritte Feuerstelle diente als Küchenfeuerstelle und wurde gleichzeitig zum Hopfenkochen genutzt. Von der Braupfanne aus wurde das heiße Wasser in Rinnen zum Maischbottich und zum Stellbottich hinübergeleitet. Im hohen Dielenraum hing unter der Dielendecke eine Balkenlage, auf der die Kühlschiffe ruhten, in die das Bier zum Abkühlen aus dem Maischbottich hochgepumpt wurde. Die darüberliegenden Geschosse dienten der Speicherung von Gerste, Malz und Hopfen. Nach den Hausvergrößerungen des 16. Jahrhunderts war der Raum hinreichend, um die Rohstoffe für eine Jahresproduktion zu lagern. Nach dem Abkühlen in den Kühlschiffen musste das Bier noch einige Tage in Gärfässern bleiben, bevor es auf die Lagerfässer verteilt wurde. Dort ruhte es zwischen drei und vier Wochen, ehe die Brauerei das Bier abgab.
Bier brauen in Lübeck war schon etwas besonderes. In welchem Maße dem Bier zugesprochen wurde, belegen diese Zahlen: Für die Aussätzigen im Siechenhaus berechnete man täglich zwei Liter Konvent und man darf davon ausgehen, dass man diesen Personen gegenüber nicht ungewöhnlich großzügig war. An Festtagen gab es zwei Bier zusätzlich. Macht einen Jahresverbrauch von 700 Liter. Wer sich etwas leisten konnte, kam leicht auf 1000 Liter jährlich. Dagegen ist der heutige Bierkonsum schon lächerlich, es wird dafür aber auch mehr anderes alkoholisches zu sich genommen. 2017 ging man in Deutschland von einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum an Bier von ca. 101 Litern aus.  
In anderen Hansestädten war das Braurecht mit dem Bürgerrecht verbunden, der Gebrauch dieses Rechts wurde in Hamburg jedoch beispielsweise von der Genehmigung des Rates und der Nachbarn abhängig gemacht. Erst wenn die Nachbarn keinen Einspruch erhoben, sich nicht belästigt fühlten, wurde das "Brauerbe" erteilt und damit die Einrichtung einer Hausbrauerei freigegeben. Dann durfte der Bürger Hamburgs bis zu zwölf Mal im Jahr Bier brauen. Lübeck teilte das Privileg des Braurechts zu, es war kein automatisches Bürgerrecht. Der Rat erlaubte das Brauen des Stadtbieres bis 1462 wöchentlich. Lübeck kam durch die beschränkte Zulassung nicht auf eine so große Zahl von Brauhäusern, die in Hamburg bei 520 lag. Die meisten Hamburger mit Brauerbe begnügten sich mit der privaten Versorgung, während die Brauer in Lübeck mehrheitlich gewerblich arbeiteten. Den Exportbrauereien waren keinerlei Beschränkungen auferlegt. 1462 wurden dann in Lübeck die Genehmigungen für das Brauen des Stadtbieres auf 40 Bräue im Jahr beschränkt.
Lübecks letzte große Braustätte war die Brauerei zur Walkmühle. Ihren Namen verdankt sie einer ehemaligen Lederwalkerei, die auf dem Gelände an der Geniner Straße (heute zum Firmengelände Erasco bzw. Continental Food gehörig) ihren Sitz hatte. Das Land gehörte der Krämer-Companie, die dem lübschen Rat jährlich ein Fischgericht als Pacht zahlte. 1649 wird die Brauerei erstmals erwähnt. Als Jürgen Heinrich Christian Lück 1846 in die Familie Dose einheiratete, in deren Besitz sich das Gelände befand, zahlte er 6000 Mark Courant dazu und war fortan Besitzer der Brauerei. Bis 1988 wurde hier Bier gebraut, die kupfernen Braukessel waren von der Straße her hinter den großen Fenstern erkennbar.  Sie war die letzte industrielle Brauerei Lübecks und wurde 1988 durch die Bavaria-Brauerei Hamburg geschlossen. Die Produktion belief sich auf etwa 70.000 Hektoliter jährlich.  Lück war die letzte industrielle Brauerei Lübecks mit über 80 Mitarbeitern. Die in den fünfziger Jahren eingeführten Werbeslogans Lück – Unser Lübecker Pils und Lück muss der Mensch haben waren über viele Jahre im Lübecker Stadtbild allgegenwärtig, unter anderem auf Bussen, Leuchtreklamen und großflächiger Werbung auf Häuserwänden. Eine andere Biermarke war auch Wilcken Pils.
Die größte Hamburger Brauerei ist die Holsten-Brauerei AG, ein 1879 in der damals holsteinischen Stadt Altona (Elbe) gegründetes Brauereiunternehmen. Es gehört seit 2004 zur Carlsberg A/S und hat im heutigen Hamburger Stadtteil Altona-Nord an der Holstenstraße seinen Verwaltungssitz und seine Braustätte. 
Unser Tipp:
Eine Brauereibesichtigung 
Die Holsten-Tour 2018
Eine Besichtigung der Hamburger Holsten Brauerei hat es in sich:
- einen spannenden Einblick in die moderne Braukunst
- einen umfangreichen Rundgang durch die Produktion 
der Brauerei
- einen Einkaufsgutschein über 2 Euro für den Holsten-Shop
- einen Holsten-Pin als Erinnerung
- einen herzhaften Imbiss – bestehend aus frisch gebackenem 
Treberbrot mit köstlichem Abraham-Schinken
- und selbstverständlich frisch gezapftes Holsten Pilsener
Teilnehmerzahl: 12 bis 25 Personen (nur nach Voranmeldung)

Besichtigungstermine: Montag bis Freitag (9:00 Uhr, 11:15 Uhr und 13:15 Uhr)
Eintrittspreis: 7 Euro pro Person

Telefon: 040 - 30 99 36 98

Bei aller Begeisterung für dieses Getränk soll aber nicht verschwiegen werden, dass der Verzehr gesundheitsschädlich sein kann und man ein gefährliches Risiko eingeht.
Mehr und aktuelle Informationen gibt es hier..

Lück Pils gibt es übrigens weiterhin, gebraut jetzt bei der Beer-Brauerei, 24637 Schillsdorf und nicht zu verwechseln mit Lübzer Pils. 
In der Alfstraße, dort wo im Mittelalter schon die Brauhäuser standen wurde 1989 die Brauerei Brauberger zu Lübeck als Gasthausbrauerei, also in dem Jahr der Schließung der Lück Brauerei, gegründet. Ihr Konzept ist das Brauen von Zwickelbier, wie es bereits im Mittelalter hergestellt wurde. Dabei wird vollständig alles per Hand hergestellt, in Holzfässern gelagert und ausgeschenkt. 
Sie ist die letzte heute noch existierende Brauerei Lübecks und einen Besuch wert.


 

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