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Ablasshandel, Pilgern und die Kirche

 

Große Stiftungen förderten das Seelenheil großer Leute. Die frommen kleinen Leute gegen Ende des Mittelalters und auch später versuchten, durch den Kauf von Ablassbriefen und Pilgerfahrten ihre Seelen vor der Qual des Fegefeuers zu bewahren."Ambulare pro Deo" der mittelalterlichen Pilger, das "Gehen für Gott", war der Bußgang nach erteilter Absolution für "läßliche Sünden". Unermeßlich weit waren die Wege, nach Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostella. Für kleinere Sünden konnte der Ort der Wallfahrt auch näher liegen: In Schwartau , Ahrensbök, Plön, Ratzeburg, Schwerin, Wilsnak oder Güstrow.

Johann Tetzel

Johann Tezel mit seinen Ablaßkram Hanns Lilje: Martin Luther. En bildmonografi. Stockholm 1966.

Durchreisende Pilger in Lübeck erhielten Quartier im Heilig-Geist-Hospital am Koberg. Als der Raum dort nicht mehr ausreichte, wurde Ende des 13. Jahrhunderts für sie das St.-Gertrud-Hospital eingerichtet, benannt nach der Schutzpatronin der Reisenden und Heimatlosen. Doch Wallfahrten dienten nicht allein der Buße vor Gott. Als 1374 in Braunschweig ein bürgerlicher Aufstand den Rat aus seinem Amt jagte, der Bürgermeister und mehrere Ratsherren geköpft wurden, da beschloss die Hanse unter Führung Lübecks den Ausschluss der Stadt aus dem Bündnis. Erst 1379 hatte sich die Lage in Braunschweig so weit beruhigt, dass die Stadt wiederaufgenommen werden konnte. Ein wichtiger Punkt in dem von den anderen Hansestädten aufgestellten Bußkatalog: So viele Bürger Braunschweigs, wie bei den Unruhen ums Leben gekommen waren, sollten nach Rom pilgern, um für die Seelen der Toten zu beten. Wer eine Pilgerreise antrat, konnte keinesfalls sicher sein, heil an Leib und Leben die Heimat wiederzusehen. Was Wunder, wenn manch einer die geforderte und versprochene Reise nicht antrat. Der florierende Ablasshandel hatte auch hier eine kräftig sprudelnde Quelle. "Gruwelick grot Geld" konnte der päpstliche Kardinallegat Raimundus Peraudi 1503 in Lübeck einstreichen. Nur wenige Jahre später reiste 1516 der päpstliche Ablasskommissar Giovanni Arcimboldi abermals an. Auch er konnte mit seiner Reise zufrieden sein. Ganz im Gegensatz zu den Bischöfen von Ferrara und Breslau, die 1470 nach Lübeck gekommen waren, um nach kräftigem Verkauf von Ablassbriefen Spendengelder des Domes abzuholen.  Als der Spendenkasten geöffnet wurde, fanden sich darin statt der erwarteten 1000 Mark nur kümmerliche zehn Mark. Diebe hatten mit Leimruten die Spenden aus dem Kasten gefischt. Unrühmliche Bekanntheit bekam dann Johann Tetzel,  der wohl bekannteste Ablassprediger Deutschlands. Er wirkte meist  im Magdeburger Gebiet.  1514 und 1516 bot er einen Ablass auf, angeblich um die Türkenkriege zu finanzieren und den Bau der Peterskirche in Rom voranzutreiben. Der Betrug währte aber nicht lange, denn nur die Hälfte des Geldes ging nach Rom, die andere Hälfte aber an den jeweiligen Ablassprediger und an den Erzbischof Albrecht von Brandenburg, der brauchte den Geldsegen um seine Schulden bei den Fuggern zurückzuzahlen.  Schließlich wurde dieser sogenannte „Petersablass“  vom Kurfürsten von Sachsen, der den massiven Geldabfluss nach Rom verhindern wollte, sogar verboten. Dieser Unfug führte unter anderem dann zur Reformation durch Martin Luther.

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